Very windy Wellington

Very windy Wellington

März 25, 2020 5 Von Nuroma

Unser Flug nach Wellington verlief ohne besondere Ereignisse. Wir sind in einer Propellermaschine von New Zealand Air geflogen. Die Maschinen schneiden im Vergleich in der CO2-Bilanz besser ab als die anderen Airlines die die Inseln verbinden. Auch der Service ist supernett.

Angekommen ging alles ratzfatz. Unser Gepäck war eher am Band als wir. Oskar und ich mussten einen saftigen Sprint hinlegen und haben wie „Am laufenden Band“ eine Tasche nach der nächsten vom Band gezogen und sie danach in Ruhe eingesammelt. Muss lustig ausgesehen haben und Umstehende verfolgten unser Treiben auch etwas irritiert. So was hatten die hier wohl noch nicht gesehen.

Eine Überraschung erwartete uns bei der Mietwagenstation. Der gemietete Wagen war unserem Gepäck nicht gewachsen. Da gingen eine bis maximal zwei unserer Reisetaschen in den Kofferraum. Das hat der nette und sehr kompetente Angestellte mit einem Blick erfasst. Christian hat sich die zwei Autos angeschaut und ist zum gleichen Ergebnis gekommen. Alles Hin- und Herüberlegen half nichts. Auch ein Tetrisprofi hätte da nichts ausrichten können. Da mussten wir in den sauren Apfel beißen und eine Nummer größer mieten. Netterweise hat uns der Mann von Europcar einen sehr fairen Preis gemacht, so dass wir uns die nächsten Wochen nicht nur von Trockenbrot ernähren müssen.

Unsere Unterkunft hatte ich schon im Juni 2019 gebucht. Eine Wohnung mit Blick auf die Lyall Bay in Wellington. Auf den Bildern sah es schon ganz nett aus. Als wir nach einem kurzen Stopp im Supermarkt dort ankamen hat es uns aber fast aus den Socken gehauen. Es war noch viel schöner als wir je gedacht hätten. Die Aussicht ist ein Traum und wir haben schon überlegt einfach hier zu bleiben. Die Sonnenauf- und untergänge sind noch viel kitschiger und schöner und ich hatte die Qual der Wahl bei der Auswahl.

[ngg src=“galleries“ ids=“171″ display=“basic_thumbnail“]

Wir haben uns erst einmal ausgebreitet, das können wir ja besonders gut und schnell, und es langsam angehen lassen. Die ersten Tage waren wir in der Stadt unterwegs und haben Oskars Geburtstagsgeschenke und die dazugehörige Deko besorgt.

Wellington ist eine wunderschöne Stadt. Die Häuser verteilen sich harmonisch in der Landschaft und schmiegen sich an die vielen Hügel der Umgebung. Rundherum liegen wunderbare Buchten, die bei Sonnenschein karibisch türkis schimmern. Fast ein wenig kitschig. Postkartenmotive ohne Ende. Es ist eine sehr lebendige und junge Stadt mit vielen kleinen Stadtteilen in der klassischen Neuseeländischen Holzbauweise. Der Innenstadtkern ist etwas höher und moderner und mit vielen alten Gebäuden mittendrin.

[ngg src=“galleries“ ids=“172″ display=“basic_thumbnail“]

Wir sind im ZEALANDIA Ecosanctuary gewesen und haben uns dort ein paar Stunden aufgehalten. Mitten in Wellington wurde ein Tal renaturiert und mit einem knapp 2 Meter hohen Zaun vor den eingeschleppten Fressfeinden der heimischen Fauna geschützt. Es gleicht ein wenig einem Hochsicherheitstrakt. Die Taschen wurden auf Pflanzen und Tiere untersucht und hinein und hinaus kann man nur durch eine doppeltürige Sicherheitsschleuse.

Fast alle importierten Pflanzen wurden aus dem Tal entfernt und man bekommt eine Vorstellung wie Neuseeland mal ausgesehen hat bevor die weißen Siedler kamen.

Viele Tiere wie der Kaka (Maori für Papagei) wurden hierher gebracht um ein Zuchtprogramm zu starten. Erfolgreich. Die 14 hergebrachten Kaka-Paare haben sich seit Beginn des Programms prächtig vermehrt und die Population ist auf über 1000 Tiere gewachsen. Die brüten nun auch nicht mehr nur in dem Gebiet sondern auch in der Nachbarschaft wo sich die Bewohner um den Schutz der Nester vor Katzen, Marder, Ratten, Wiesel, Nerze und Possums kümmern. Die sind für den drastischen Rückgang und das Aussterben vieler Neuseeländischer Vogelarten verantwortlich. (Habe ich glaube schon mal geschrieben.) Auf alle Fälle haben die in diesem Reservat einen guten Job gemacht und ein kleines Stück Ur-Neuseeland wieder hergestellt. Und das mit ganz vielen unglaublich netten, hilfsbereiten Freiwilligen, die uns alles genau erklärt haben, uns die besten Wege und die Höhlen von den Tuataras, einer uralten Echsenart, gezeigt haben, die grade Sonne tankten.

[ngg src=“galleries“ ids=“173″ display=“basic_thumbnail“]

Wir waren im botanischen Garten (Pollie sagt immer „Bulgarischer Garten“), haben mal wieder einen Spielplatzcheck gemacht, sind mit der Cable Car gefahren und haben vergeblich das Haus gesucht in dem ich hier vor über 40 Jahren mit meinem Eltern gelebt habe. Es scheint sich seitdem aber auch einiges verändert zu haben.

Meine Mama hat schon immer von Wellington geschwärmt und ich weiß spätestens jetzt warum. Die Stadt erinnert ein wenig an San Francisco mit den vielen Hügeln und den kleinen Häusern. Es ist alles aber viel entspannter da es auch viel kleiner ist. Und unglaublich charmant. Sowohl die Stadt als auch die Einwohner. Auch verkehrstechnisch geht es hier noch. Hier wird viel auf den ÖPNV gesetzt. Regelmäßigen Linienbusverkehr findet man auch in den entlegeneren Stadtteilen entlang der Küste und im Inland.

Wir waren am Strand und sind leider nicht ins Wasser gegangen, da uns der Wind so empfindlich kalt um die Nase gepustet hat dass wir unsere Klamotten auf gar keinen Fall ausziehen wollten. Die Neuseeländer sind da etwas hartgesottener und man sieht den ganzen Tag über Surfer, Kite-Surfer und Schwimmer im Wasser. Brrrrr. Da gehe ich nicht mal mit dem Wetsuit hinein. Auf gar keinen Fall. Wobei der Wind das größte Hindernis darstellt. Der pustet hier nämlich ganz schön dolle und teilweise so, dass wir Pollie gut festhalten müssen. Nicht umsonst hat Wellington den Spitznamen „The windy City“ oder „Windy Wellington“.

[ngg src=“galleries“ ids=“174″ display=“basic_thumbnail“]

Am Freitag haben wir die letzten Vorbereitungen für Oskars Geburtstag getroffen. Dekorieren, Backen und Aufräumen. Das Backen war eine kleine Herausforderung. In unserer Küche gab es zwar Backformen aber keinen Mixer. Ich habe im Op-Shop einen manuell betriebenen Handmixer von Anno Dazumal gefunden der es dann auch getan hat. Zusammen mit einer ganz hervorragenden Backmischung (Shame on me) kam dabei ein ganz passabler Schokokuchen heraus. Mit Ruhm habe ich mich da nicht bekleckert aber fertig dekoriert sah er spitzenmäßig aus.

Pollie hatte auf eine Pinhata bestanden und nach einigem Suchen sind wir fündig geworden. Ein riesengroßer Regenbogen sollte es sein. Na dann. Oskar wird sich sicher freuen.

Die Nacht war dann auch recht kurz. Oskar ist schon immer vor Vorfreude und Aufregung vor seinem Geburtstag oder vor Weihnachten, vor Nikolaus oder vor Reisen oft in der Nacht aufgewacht und war sehr früh wach. Da litt Pollie besonders drunter in der Nacht. Oskar war um 4, 5 und 6 Uhr wach und um 6:30 Uhr hielt es ihn auch nicht mehr im Bett und tapste zu uns ins Bett.

Augen und Mund standen dann offen als er seinen Geburtstagtisch entdeckte. Große Freude gab es beim Entdecken von allem. Vor allem beim Geschenke öffnen. Eine neue Kamera war nämlich auch dabei. So dass die alte nun in Pension gehen darf. Da macht das Fotografieren, was ihm so viel Freude bereitet, wieder Spaß.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und Ausprobieren der Geschenke haben wir Oskar einen weiteren Wunsch erfüllt. Einen von seiner Wish-List für die Reise. Er wollte schon lange und unbedingt in ein Museum gehen. Wir sind also in Wellingtons größtes Museum dem Te Papa Tangarewa (bedeutet auf Maori soviel wie Schatzkiste) gegangen. Das ist das Neuseeländische Nationalmuseum und widmet sich in verschiedenen Ausstellungen, der Entstehung Neuseelands, der Natur und der Besiedlung durch die Maori und weiße Siedler sowie der Geschichte des Landes. Auch eine Sonderausstellung über Samoische Tättowierkunst konnte man bewundern. Die hat es Oskar sehr angetan und er konnte gar nicht genug Fotos machen. Ein großartiges Museum mit viel zum Entdecken und Mitmachen. Wir haben Oskar kaum aus dem Museum loseisen können. Er hätte dort am liebsten auch noch einen zweiten Tag verbracht oder übernachtet. Am Hafen haben wir in einer kleinen Mittagspause das bunte Treiben und wagemutigen Halbstarke beim Sprung von einem Turm ins Hafenbecken beobachtet.

Es waren schon viele Menschen in Vorbereitung auf den St. Patricks Day in grünen Outfit unterwegs.

Bis dahin gab es noch keine Restriktionen bezüglich des Corona-Virus in Neuseeland so dass alle Veranstaltungen noch stattfanden und sich überall Menschen tummelten.

Als krönenden Abschluss waren wir bei einem ganz typischen italienischen Restaurant Pizza essen. Ein Highlight für uns alle, denn die Pizza war richtig gut. (Vielleicht hatten wir aber auch schon so lange keine mehr, dass wir gar keinen Vergleich mehr haben.)

[ngg src=“galleries“ ids=“175″ display=“basic_thumbnail“]

Der Sonntag war ein richtiger Sonntag. Wir haben fast den ganzen Tag im Schlafanzug verbracht und einfach mal nichts gemacht. Naja, fast nichts. Die Taschen warteten mal wieder darauf gefüllt zu werden. Ein Job für mich. Huääähhhh. Ich mag nicht mehr packen.

Deswegen hat es wohl auch den ganzen Tag gebraucht, bis ich alles so zusammen hatte, wie es sinnvoll für die nächsten 10 Tage ist. Ab Montag begeben wir uns wieder auf die Straße und reisen in 5 Etappen an der Ostküste entlang nach Auckland. Unterwegs wollen wir noch Freunde in der Bay of Plenty besuchen. Da wir ja nicht jeden Tag alle Taschen durchsuchen und aus dem Wagen ein- und auspacken wollen, gibt es nur eine Tasche für alle Klamotten für die nächsten Tage.

Der Rest bleibt im Auto und wird nicht angerührt. Hoffentlich. Berichte folgen.