Upside down.
Roadtrip Nordinsel Teil 2, von Opotiki nach Waiwera
20.-24.3.20
Die Welt steht Kopf und wir hier in Down Under irgendwie dann doppelt. Die täglichen Hiobsbotschaften aus Europa finden auch ihren Weg zu uns. Wir verfolgen zwar das aktuelle Weltgeschehen versuchen es aber nicht ganz so nah an uns heran zu lassen und weiterhin das Schöne und Positive zu sehen. Manchmal nicht so leicht.
Denn nun trat auch hier das ein was wir schon länger befürchtet hatten. Am 20.3. wurde eine Einreisesperre in Neuseeland verhängt und es folgte direkt der 4-Stufen-Covid-19-Plan mit Stufe 2 auf dem Fuße.
Beim Anschalten des Handys am Freitag morgen poppte eine Benachrichtigung von Booking.com auf. Sie sagte uns dass wir Buchungen jetzt kurzfristig und kostenlos stornieren können. Großartige Neuigkeiten denn wir hatten in Auckland eine Unterkunft für die ursprünglich letzten drei Tage in Neuseeland gebucht und konnten die eigentlich nicht mehr stornieren.
Nach einigem hin und her telefonieren und texten konnten wir die Wohnung in Waihi Beach noch eine Nacht verlängern und schon zwei Tage früher in die Wohnung in Waiwera die wir vorerst bis zum 11.4. gebucht hatten einziehen.
Seit dem wir Wellington verlassen haben wir sind jeden Tag ca. 3-4 Stunden Auto gefahren und waren nur jeweils 1-2 Nächte in den Unterkünften. Dieses ganze Hin- und Hergefahre und beständig an einem anderen Ort zu sein und Ein- und Auszupacken machte uns grade etwas mürbe und träge. (Das schlägt sich auch in der Anzahl der Fotos wieder.) Trotz der vielen schönen Dinge die wir sehen konnten. Die Luft war sichtlich raus und wir alle hatten das Bedürfnis irgendwo anzukommen um die Gesamtsituation in Ruhe zu verdauen.
Vor allem im Hinblick darauf dass wir nicht wissen, wann und wie es für uns weiter geht. Das färbte vor allem auf die Kinder ab die sowieso sehr enttäuscht und traurig waren, dass wir jetzt nicht in ihre Wunschländer Bali und Thailand weiterfahren konnten. Es ist aber auch schwer zu verstehen was grade so in der Welt passiert. Wie sollen die Kinder das begreifen was auch für uns Erwachsene so unbegreifbar und nicht zu fassen ist.
Außerdem fühlt sich das Herumreisen zur Zeit auch nicht richtig gut an zumal jetzt die zweite Stufe des Katastrophenplans in Neuseeland in Kraft getreten ist. Die Vorbereitung auf den Shutdown lief auf Hochtouren. Keine Veranstaltungen, kein Herumreisen, keine sozialen Kontakte (Das fällt uns hier recht leicht.) und 2 Meter Abstandhalten.
Auf dem Weg nach Waihi Beach haben wir dann noch mal erfolgreich ge-op-shopped und noch einen Hoody für Pollie und ein Puzzle für die kommenden Wochen gefunden. Wir waren bei einem Point Lookout und hatten perfekte Sicht auf den rauchenden Vulkan Whakaari.
[ngg src=“galleries“ ids=“184″ display=“basic_thumbnail“]Wir sind durch die Kiwi-Anbauregionen rund um Whakatani und durch Katikati, der Avocado-Hauptstadt Neuseelands gefahren und haben richtig leckere Avocados gekauft. Direkt vom Feld. Mannomann waren die lecker. Unglaublich lecker. Bei dem Gedanken daran läuft mir immer noch das Wasser im Mund zusammen.
Die Gegend und die ganzen Ortsnamen nach unserer Abfahrt vom Highway 2 Richtung Weihe Beach (Hier gibt es tatsächlich einen richtigen zweispurigen Highway der den Namen auch verdient hat.) kamen mir irgendwie bekannt vor. Als wir dann durch Athenree fuhren machte es Klick und ich wusste wieder genau wo wir waren.
Bei unserer letzten Reise vor mittlerweile 5 1/2 Jahren verschlug es uns nach Athenree auf einem Campingplatz. Es war sehr kalt, unsere Heizung im Camper war kaputt und wir haben hier Stopp gemacht um nachts die elektrische Heizung einzuschalten. Aber das wichtigste Erlebnis war: Oskar hat dort seinen ersten Zahn verloren.
Der Besuch im Supermarkt war nicht so richtig erfolgreich. Das Sortiment war – nennen wir es mal so: ausgesucht. (Gleiches Spiel wie in Opotiki: Keine Pasta, Reis, Mehl, Kartoffeln und Haferflocken – die Kiwis können wohl nicht ohne ihren Porridge). Aber Toilettenpapier Wein, Bier und Wasser gab es noch ausreichend. Toilettenpapiersuppe steht hier wohl nicht so hoch im Kurs zu stehen wie in Deutschland.
Unsere schicken Masken tragen wir bei jedem Einkauf oder Besuch im Op-Shop und sind mittlerweile nicht mehr die einzigen mit Gesichtsschmuck.
Um 15 Uhr haben wir in unserer Wohnung in Waihi Beach eingecheckt. Wie sehr Bilder doch täuschen können… Es war sehr, wie soll man das beschreiben, rustikal trifft es wohl am ehesten und hört sich am nettesten an. Aber alles in Allem ok. Die Nähe zum wirklich schönen Strand machte das Ambiente wett.
Dorthin sind wir auch sofort entfleucht. Einmal durchatmen und durchpusten lassen. Ein totales Gefühl von Freiheit. Die Kinder haben unglaublich viele Muscheln gesammelt. Unmengen an Muscheln. 480 an der Zahl. (Das Zählen war eine prima Beschäftigungsmaßnahme für ca. 45 Minuten.) Wir werden sehr viele Ketten basteln können, wenn wir einen Weg gefunden haben Löcher hineinzubohren. (Da haben wir ja aber unseren Fachmann mit an Bord, der sich um diese Dinge kümmern kann.) Die Kinder basteln derweil auch schon an einer Geschäftsidee falls wir hier noch länger bleiben müssen. Wir verkaufen Muschelketten am Straßenrand an Touristen. Sehr schöne Idee. Nur wird das wohl zu einer brotlosen Kunst, jetzt wo keine Touristen mehr ins Land dürfen und keiner mehr reisen darf. Vielleicht nehmen wir es einfach als weitere Beschäftigungsmaßnahme wenn die Loombands aufgebraucht sind und alle Puzzles gepuzzelt sind.
[ngg src=“galleries“ ids=“185″ display=“basic_thumbnail“]Mein Highlight in der Wohnung war übrigens die Waschmaschine die bis 95 Grad wäscht. Echt wahr und etwas erschütternd, oder? Huääähh, soweit ist es schon. Aber in Wellington konnten wir nur kalt waschen und alle unsere Sachen waren etwas schmuddelig, fleckig und angegilbt. Yak. Und es fehlte das Sauberkeitsgefühl.
Hah, aber nach einer Wäscheladung mit flotten 95 Grad hatten wir wieder weiße und saubere Klamotten. (Ich fühle mich schon wie Clementine.)
Wir haben die drei Tage in Waihi Beach (heißt übrigens Weiser Strand) mit vielen Strandspaziergängen, schwimmen gehen, puzzeln, Hörbuch hören, basteln, noch mehr Muscheln sammeln und rumhängen verbracht.
Am Samstag haben wir ein älteres Pärchen am Strand beobachtet, das eine sehr kurios aussehende Konstruktion an den Strand geschoben hat, ein Gefährt zu Wasser ließ, eine Schnur daran befestigte, das Ganze fixierte und den Strand wieder verließ.
Das war merkwürdig und wir konnten so gar nicht schlau daraus werden.
Eine Stunde später kamen die beiden wieder, holten das Gefährt mit Hilfe einer Fernbedienung zurück und mit ihm die Schnur und viele Fische daran. Die Kinder haben das sehr interessiert aus nächster Nähe beobachtet und waren ganz aufgeregt. Die Fische waren recht groß und natürlich noch lebendig. Ich konnte mir das gar nicht so richtig aus der Nähe anschauen auch die Kinder mussten wegschauen als die Haken herausgezogen wurden. Bei dem Gedanken schüttelt es mich immer noch ein bisschen.
[ngg src=“galleries“ ids=“186″ display=“basic_thumbnail“]Ein weiterer Besuch im Op-Shop wo wir ein nagelneues Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel und jede Menge Loombands erstanden haben rundete unseren Tag ab. Jedenfalls den der Kinder und meinen. Christian ist ja nicht so der Op-Shop-Fan. Da wir aber nicht wissen ob und wie lange die Shops noch geöffnet haben und wir ggf einige Wochen mit dem Entertainment- und Bastelkram auskommen müssen, das wir haben, machte eine kleine Shoppingtour definitiv Sinn.
Christian nahm sich am Sonntag eine Auszeit und hat sich mal einen Tag ausgeklinkt. Einfach mal nur lesen und alleine sein. Bei 24/7 mit den Kids brauchen wir zwischendurch einfach mal ein paar Stunden ohne unseren geliebten Sprechmaschinen und ihren Befindlichkeiten. Auch die Kinder genießen ab und zu eine Auszeit voneinander.
(Vor allem dann wenn sie anfangen sich mit Sachen zu bewerfen die aus Holz sind und den anderen damit am Kopf treffen. Ich nenne keine Namen aber eins der Kinder kann jetzt als Einhorn durchgehen.)
[ngg src=“galleries“ ids=“187″ display=“basic_thumbnail“]Am Montag unserem letzten Tag in Waihi Beach haben wir am Strand eine Frau mit einem ähnlichen Gerät wie dem von dem Paar zwei Tage zuvor beobachtet und uns mit 2 m Sicherheitsabstand über diese Art zu fischen unterhalten. Sie würden das zwei Mal am Tag machen, erklärte sie uns. Das wäre ein gutes Hobby als Rentnerin und hält sie fit und beschäftigt. Auf die Frage hin, was sie denn bloß mit den ganzen Fischen machen würde lachte sie nur und erklärte kurzum: „I have got a lot of friends…!“. Denn verkaufen darf man seinen Fang nicht.
[ngg src=“galleries“ ids=“188″ display=“basic_thumbnail“]Am Abend fingen wir erneut wieder an zu packen. Vorerst hoffentlich wirklich das letzte Mal für die nächste Zeit. Bitte bitte. Bei dem ganzen Gepacke findet man einfach nichts mehr wieder.
Der Morgen der Abreise war etwas hektisch. Business as usual. Restpacken und vor allem Putzen. Denn in diesem Airbnb gibt es keinen Reinigungsservice. Wäre aber dringend anzuraten. Denn nicht jeder hat Lust bei der Abreise zu putzen. (Die Unmengen an Haaren auf dem Teppichboden bei unserer Ankunft haben wir nach einer Stunde intensiven Staubsaugens eliminiert. Es schien, dass die Vormieter eher Putzmuffel waren.)
Nachdem wir noch mal zum Strand gegangen sind und uns verabschiedet haben: „Tschüss Strand, bis bald mal wieder!“ (Das ist irgendwann mal bei uns eingeführt worden und Oskar zelebriert das in herrlicher Regelmäßigkeit und viel Liebe) haben wir uns auf die vorerst letzte Etappe in Neuseeland begeben – von Waihi Beach nach Waiwera.
Das kleine Örtchen liegt 45 km nördlich von Auckland in einer kleinen Bucht. Die Strecke sollte laut Navi 2:40 h dauern. Leider hatten wir ein paar Baustellen unterwegs und wir haben etwas länger gebraucht. Etwas länger hat es auch gedauert da wir auf der Suche nach öffentlichen Toiletten an Rastplätzen vergeblich gehalten haben. Die Toiletten wurden bereits Coronabedingt geschlossen. Wo soll man dann bitte hingehen? In die Büsche? Auch die Toiletten an Tankstellen waren geschlossen. Christian ist dann mit Bleifuß (100km/h Höchstgeschwindigkeit) zur Unterkunft gefahren so dass wir es alle noch rechtzeitig geschafft haben.
Was soll ich sagen? Die Unterkunft war ein Volltreffer. Die Fotos hielten das was sie versprachen und wir waren alle sehr erleichtert und glücklich. Das Allerbeste an den vielen guten Dingen hier sind die drei Schlafzimmer. So haben die Kids ihre eigenen Zimmer und können sich mal etwas aus dem Weg gehen. Das Zweitbeste ist die Geschirrspülmaschine. So gibt es wenigstens einen Streitpunkt weniger. Ach, eigentlich ist hier alles ganz fein. Oskar sagte: “ Ach Mama, das ist ein bisschen wie zu Hause.“ Und das trifft es in der Tat.
[ngg src=“galleries“ ids=“189″ display=“basic_thumbnail“]Nach der Aufteilung der Zimmer und dem Auspacken der Taschen sind Christian und ich nach Orewa zum Einkaufen gefahren. Mit unseren schicken Masken geschmückt haben wir unsere Vorräte einmal aufgefüllt wobei man hier schon seit längerem nicht mehr als zwei Dinge pro Sorte kaufen darf. (Also Brot, Milch, Käse, Nudeln, Sauce, Reis etc, ausgenommen frisches Obst und Gemüse. Das wäre auch merkwürdig, wenn an nur zwei Bohnen oder Karotten kaufen dürfte.) So beugen die Läden Hamsterkäufen vor. Gute Idee wie ich finde. Denn eigentlich gibt es von allem genug. Außer vielleicht Mehl und Pesto. Seit Bekanntgabe des Shutdowns am 26.3. sind allerdings auch die Bier- und Weinregale etwas leerer als sonst. Die Kinder haben wir in der Wohnung gelassen und sie durften sich etwas mit ihren Lieblingsserien auf Kika amüsieren.
Die Aussicht auf den erst mal auf vier Wochen beschränkten Shutdown und die Ahnung dass wir in Neuseeland auf unbestimmte Zeit festhängen, löst auch bei Kindern gehörige Stimmungsschwankungen aus. Verständlicherweise. So eine Ungewissheit macht auch den Kindern zu schaffen.
Wir haben uns nach eingehender Inspektion von Wohnung und Umgebung dazu entschlossen, die Wohnung bis zum offiziellen Ende des Shutdowns am 26.4. zu mieten. Naja, es bleibt uns ja auch nicht wirklich viel anderes übrig, denn ab dem 26.3. darf man nicht mehr umherreisen und auch seine Nachbarschaft nicht mehr verlassen.
Fortsetzung folgt.
Das ist alles ein blöder Dreckskack. Hier leidet auch das Kind am Meisten. Geburtstag: alleine, spielen: alleine … Langeweile … Ich kann auch nicht den ganzen Tag entertainen. Euer Haus sieht toll aus – da kann man es doch ein bisschen aushalten. Macht das beste draus. Ich drücke euch. 😘
Na, da habt Ihr aber Glück mit Euerm geräumigen Haus und so schön am Meer gelegen.
Laßt die Seele baumeln. Anderwärts hängen die Leute teilweise in engen Wohnungen rum.
Das ist gar nicht mehr so lustig.
Eure Fibus
Ihr Lieben, macht das Beste aus der Situation!
Ich frage mich die ganze Zeit, was das über die Deutschen aussagt: In anderen Ländern sind Genussmittel wie Wein ausverkauft, in Deutschland das Toilettenpapier. Habe ich etwas verpasst? Kann man daraus Tütchen drehen oder Drogen machen? Für Erhellung wäre ich sehr dankbar …
Ich wünsche Euch und den Kindern alles Gute und habe jetzt mehr Zeit, Eure Fotos und Berichte zu gucken 😉
Liebe Grüße von Alex