Schnell geht anders
Hausboottour in Brandenburg 7.-14.8.2021
Ach, war det schön, wa. Herrlich, ganz ehrlich. Eine Woche auf dem Hausboot auf der Havel und Seitenkanälen bei den herzlich ruppigen Brandenburgern mit Berliner Schnauze und jeder Menge Charme hat uns sehr gut gefallen.
Leider hatte uns der Alltag nur zu schnell wieder und daher folgt der Bericht einen Monat später.
Aber mal von Anfang an: Ich habe mal wieder eine Packliste erstellt. Erwähnte ich das schon? Die mag ich wirklich gerne, denn erst einmal fertiggeschrieben kann ich mich an denen wunderbar entlanghangeln und abarbeiten. Mittlerweile habe ich einige Variationen von Packlisten – fürs Campen, fürs Glampen, für die Übernachtungsparty im Zelt auf Parzelle, für die Weltreise und nun noch für den Urlaub auf dem Hausboot. Und jede ist ein bisschen anders.
Jedenfalls ging es am Samstag den 7.8.21 los in unser nächstes Abenteuer. Ich bin um 7:30 Uhr aufgewacht und gleich aufgestanden. Mich hielt nichts mehr im Bett. Meine Liste war noch nicht komplett abgearbeitet und in meinem Kopf stapelten sich die „To-do’s“.
Nach diversen Wutanfällen (nicht von den Ü40ern) und Heulattacken (die nur innerlich und von mir) haben wir es geschafft alle um 11:30 Uhr im bis oben vollgepackten Auto zu sitzen um in Richtung Hennigsdorf bei Berlin zu fahren. Puh, das war mal wieder aufreibend für alle. Am meisten ging die Anspannung wohl von mir aus. Wie gehabt bin ich jedes Mal vor einer Reise beim Packen leicht gestresst. Und ich habe das unbestimmte Gefühlt, dass es mit fortschreitendem Alter nicht unbedingt besser wird.
Im Auto schwand die Anspannung dann recht schnell und wir freuten uns wie Bolle auf die Woche auf dem Hausboot. Wir hatten den Verkehr allerdings komplett unterschätzt. Vor Hamburg gab es diverse Staus und das Navi leitete uns netterweise drum herum – quer durch Marmsdorf durch kleine, enge Kopfsteinpflasterstraßen. Merkwürdige Verkehrsführung. Auch hier staute sich der Verkehr, was Anwohner verwundert mit dem Kopf schütteln ließ. So viel Verkehr hatten die da wohl lange nicht mehr gesehen. Auch wir waren recht erstaunt über die vorgeschlagene Route.
Auf alle Fälle war die Gegend dort ganz hübsch anzusehen. Kommt man ja sonst auch eher nicht so hin.
Nach einem weiteren Stau wegen einer Baustelle – warum auch immer die Leute beständig bremsten obwohl die Bahn frei war, sind wir zwar etwas erledigt aber in freudiger Erwartung gegen 16:30 Uhr in der Marina von Hennigsdorf eingetroffen.
Dort haben wir recht flott unser Boot mit kleiner Einweisung übergeben bekommen, haben das Auto ausgepackt, uns auf dem Boot häuslich eingerichtet und flux war der Tag schon vorbei.
Wir waren angenehm überrascht, ob der Ausstattung, der Einrichtung und des Platzangebotes. Die Aufteilung ist ein bisschen so, wie im Camper. Auch die kastige Form erinnert ein wenig daran.
Trotz toller Küchenzeile, mit allem was man so benötigt, haben wir aufs Kochen verzichtet und haben uns eine leckere Pizza vom Italiener in der Marina geholt.
Kurz einkaufen war ich dann vorher in Hennigsdorf-City. Uns fehlten zum Glück noch ein paar Basics wie Salat, Brot, Käse und Bier – die Dinge haben wir dummerweise zu Hause im Kühlschrank liegen lassen. (Hoffentlich erwartet uns dann keine explosive Biobombe wenn wir nach Hause kommen.)
[ngg src=“galleries“ ids=“367″ display=“basic_thumbnail“]Hennigsdorf nach Oranienburg 8.8.2021
Die erste Nacht an Bord war, nennen wir es, interessant. Weil wir den Kindern das komfortable Schlafzimmer mit kompletter Verdunklung überlassen haben, nächtigten wir in der Wohn-Ess-Küche. Will heißen: wir bauten jede Nacht den Tisch und die Sitzecke in ein Bett um. Dummerweise ist uns nicht klar gewesen, dass die große schöne Glasfront zum Bug hin weder über Rollos noch über Vorhänge verfügt, so dass wir im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Präsentierteller lagen. Aber MacGyver hat mit einem Spannbettlaken, einem Schrubber und einem Sofakissen wenigstens für einen Sichtschutz gesorgt. Also: die erste Nacht war eher bescheiden. Es hat wie verrückt geregnet, etwas geschaukelt und war tierisch hell, da die Leuchten auf den Bootsstegen direkt in unser Bett geleuchtet haben. Ach ja, die Millionen von Mücken, die sich auf das frische Blut gestützt haben und eine dicke Party an Bord gefeiert haben, sollen nicht unerwähnt bleiben.
Aber, dass kennen wir ja schon – die erste Nacht an einem neuen Ort ist bei uns meist eher recht unruhig.
Nach einer kurzen Einweisungsfahrt um 9 Uhr, bei der wir das Boot, seine Manövrierfähigkeit (vergleichbar mit einem ein Kleiderschrank bei Glatteis) erproben durften, Anlegemanöver und Tipps fürs Schleusen kennengelernt haben, durften wir in See stechen. Na gut, wir sind losgetuckert, denn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 7 km/h kann man nicht so richtig Strecke machen. Runterkommen für Fortgeschrittene.
Erst einmal sind wir auf den Nieder Neuendorfer See getuckert um dort Ankern zu üben. Auf dem Weg haben wir lustige Wassergefährte gesehen: Ein Stand-Up-Paddling-Bord mit Fahrrad oben drauf – sehr lustig anzuschauen. Wir haben mitten auf dem See geankert, gechillt und Mittag gekocht: lecker Würstchen mit Salat. Gegen 15:00 Uhr haben wir uns in Richtung Oranienburg begeben. Das führte uns nach Norden wieder auf der Havel an Hennigsdorf vorbei, dann irgendwann links in den Oranienburger Kanal und in unsere erste Schleuse in Pinnow. Die Aufregung war recht groß. Wir hatten nämlich schon einige Schauergeschichten von Hobbykapitänen in Schleusen mit diversen Umfällen gehört. Und wir wollten uns nicht in die Reihe der Pleiten, Pech und Pannen einreihen. Das Schleusen hat erstaunlicherweise ganz gut geklappt. Christian war am Steuer, Pollie vorne und Oskar und ich hinten. Etwas aufregend war es schon. Nachdem wir das geschafft haben sind wir euphorisch zum Stadtanleger Oranienburg geschippert. Auf dem Weg dahin haben wir unterwegs sogar eine Schlange im Wasser gesehen. Aber zum Glück schön weit weg. In Oranienburg haben wir noch ein Plätzchen für die Nacht zum Anlegen ergattert. Was wir bis dato nicht wussten, dass es auch für Boote Liegeplätze for free gibt. Toll, da fühlten wir uns gleich ein wenig wie im Wohnmobil in Neuseeland. Aber auch nur ansatzweise. Die Ähnlichkeit mit einem Wohnmobil erwähnte ich ja schon. Mit 9,3 m länge, 3 m Breite und circa 2,50 m Höhe bietet es wirklich viel Platz für uns vier. Auch oben auf dem Sonnendeck können wir entspannt zu viert liegen und total abchillen (O-Ton Kinder). Nur richtig wendig ist das gute Stück nicht.
[ngg src=“galleries“ ids=“376″ display=“basic_thumbnail“]Oranienburg nach Kremmen 9.8.2021
(Fahrzeit inklusive Schleusen 4 Stunden)
Um kurz vor sieben war ich wach. Ich habe mir meine Yogamatte geschnappt und habe die morgendliche Ruhe genutzt um am Anleger meine steifen Glieder zu dehnen. Nach einem flotten Frühstück, einer Katzenwäsche und reichlich Koffeinzufuhr sind wir weiter in Richtung Neuruppin auf den Ruppiner Kanal gefahren.
Auf dem Weg sind wir profimäßig durch zwei Schleusen gefahren. (Tiergartenschleuse und Schleuse Hohenbruch)
Der Ruppiner Kanal verlangte uns so einiges ab. Es war schon recht abenteuerlich auf dem Weg. Der Kanal war, wie der Schleusenwärter am Tiergarten uns aufklärte, verkrautet. Unter Verkrautung konnten wir uns erst mal herzlich wenig vorstellen. Er riet uns unseren Bootshaken zur Stelle zu haben um die Verkrautung schon vorne am Bug aus dem Weg zu schaffen. Naja, dachten wir, ist wohl etwas übertrieben. Allerdings wurden wir eines Besseren belehrt und waren dankbar für den Tipp.
Allerdings stellte sich heraus, dass „stellenweise verkrautet“ die Untertreibung des Jahres war. Da half auch der Bootshaken nicht wirklich mit dem zur Seite schieben.
Als die erste Stelle auf uns zu kam war auch gleich unsere Motorschraube hinten mit Algen, Schilf und Seerosengrün zugesetzt. Auch vorne am Bug verfing sich das ganze Grünzeug und ließ uns noch langsamer werden.
Das ging dann munter die nächsten Stunden so weiter. Von wegen entspannt durch die Gegend schippern. Wir sind abwechselnd von vorne nach hinten gesprintet um den Motor zu checken, wenn die Schraube verkrautet war, den Rückwärtsgang einlegen, um die Schraube wieder frei zu geben und dann noch vorne den Weg frei zu machen. Hard work.
Zum Glück kam auf halber Strecke die Sonne heraus und lachte auf uns herab – und uns hoffentlich nicht aus. Leider haben wir heute keine Fotos von den Eisvögeln machen können die wie kleine blaue Blitze über den Kanal geflogen sind. Dafür konnten wir Graureiher weiße Reiher, Schwäne und einen süßen grünen Frosch vor die Linse bekommen. Einen Adler konnten wir auch nur so erspähen. Schön hier, wirklich schön.
Wir waren heilfroh als wir nach intensiven vier Stunden Fahrt ohne Motorschaden in Kremmen beim Eisvogel Wasserwanderrastplatz angekommen sind.
Nach einem Blick auf unsere Vorräte, die schon wieder merklich geschrumpft waren, sind wir bei strahlendem Sonnenschein zu Fuß nach Kremmen zum nächsten Supermarkt gelaufen. Die Kinder futtern den ganzen lieben Tag lang unglaubliche Mengen in sich hinein und uns buchstäblich die Haare vom Kopf.
Es war doch eine ganz schöne Ecke, die uns über Felder und lustige Kleinstadttsiedlungen führte. Weil wir an dem ein oder anderen Haus angehalten haben um Fotos von der Gesamtkulisse zu machen wurden wir misstrauisch von den Anwohnern beäugt. Nach einem Einkauf im kleinen Supermarkt und einem Eis auf die Hand aus der Kühltheke sind wir wieder zurückgeschlendert und haben auf dem Rückweg noch leckere Tomaten am Wegesrand gekauft. Nach einem „Little Dip“ im See haben wir unsere Liegewiese auf dem Dach im Sonnenschein genießen können, bevor plötzlich heftiger Wind und Regen einsetzte. Der Sonnenuntergang war dann wieder traumhaft. No filter needed.
[ngg src=“galleries“ ids=“512″ display=“basic_thumbnail“]Kremmen nach Neuruppin 10.8.2021
(4 Stunden Fahrt inklusive einer Schleuse.)
Aufgewacht mit Sonnenschein. Die Temperaturen waren zwar etwas frisch, ich habe trotzdem meine Matte geschnappt und auf den Steg geschmissen. Ein traumhafter Blick aufs Wasser mit wabernden Nebelschwaden und so richtig lautem Vogelgezwitscher. Später zog es dann leider zu und es war wieder ganz schön frisch. Gut, dass wir jede Menge Decken mitgenommen haben. Beim Wasserwanderrastplatz in Kremmen war auch ein Hausbootverleih und die Mieter bekamen heute ihre Einweisung. Oh je, ob wir uns auch so ungeschickt angestellt haben? Auf jeden Fall haben wir zugesehen dass wir schleunigst Land gewinnen. Leinen los und auf zur nächsten Etappe. Unterwegs trafen wir dann auch auf zwei Hausboote aus Kremmen – das eine wollte es einfach nur langsam angehen lassen und ließ uns freundlich überholen, das zweite Boot mit zwei Damen an Bord winkte uns auch auf halber Strecke vorbei und ließ uns überholen. Die beiden, doch sehr unbedarften Damen, trafen wir dann vor der Schleuse in Altfriesack wieder, wo sie uns erst fast rammten, dann den Kanal blockierten um daraufhin planlos in die Schleuse zu schippern. Nach der Schleuse sahen wir schleunigst zu, dass wir ein paar Meter zwischen uns brachten.
In der Marina „Boot City Neuruppin“ hatten wir einen Liegeplatz vorreserviert. Leider sind die Leute, deren Platz wir einnehmen sollten, erst gegen 16:30 Uhr von ihrem Stadtspaziergang zurückgekommen, so dass wir in der Slip-Anlage zwischenparken mussten. War aber ganz interessant. Genau gegenüber an der Uferpromenade wurde eine neue Spundwand eingezogen. Und gar nicht mal so laut wie man meint. Die riesen Metalldinger wurden mit einer Maschine in den Boden gedrückt. War aber reichlich kommunikationsintensiv. Die Arbeiter diskutierten und lachten jede Menge in dem für uns recht hart und harschklingendem Brandenburger Dialekt. Hart aber herzlich. Die Kinder haben ihre aufblasbaren Tiere bemüht und waren im See Plantschen. Abends sind wir im griechischen Restaurant Syrtaki essen gewesen. Essen gut, Service flott und Ambiente okay.
Ein leckeres Eis zum Abschluss und ein Spaziergang durch die Dämmerung durch die Stadt rundeten in diesen Tag ab.
Neuruppin war abends wie leer gefegt und die Bürgersteige hochgeklappt. Aber auch in der Dämmerung konnte man sehen wie schön Neuruppin ist. Großzügig angelegte Straßen, große Carrees und Plätze und auch die Bürgersteige, Straßen und Häuserzüge erinnert ein bisschen an Berlin. Sehr kaiserlich das Ganze. Hat uns wirklich gut gefallen diese Ecke. Auch wenn es für unseren Geschmack etwas zu übersaniert war. Wir stehen dann doch gerne auch mal auf etwas runtergerocktere Sachen, die wir nach einigem Herumwandern entdeckten und fototechnisch natürlich festhalten mussten.
Die Gewitterwarnung, die wir schon vom Hafenmeister für den Nachmittag mit auf den Weg bekommen hatten hatte sich nicht bewahrheitet. Dachten wir. Und: falsch gedacht. Gerade als wir gegen 21:00 Uhr das Boot erreichten, fing es wie verrückt an zu wehen. Und kurz darauf an zu blitzen und zu donnern. Dann setzte sintflutartiger Regen ein. Wow. Und wir mittendrin und auf dem Wasser. Das Hausboot blieb trocken – von Innen jedenfalls. Die Persenning hielt dicht und nach zwei Stunden flaute der Sturm ab und das Gewitter zog von dannen. Puh, das war aufregend und durchaus etwas beängstigend den Elementen so ausgesetzt zu sein.
[ngg src=“galleries“ ids=“513″ display=“basic_thumbnail“]Neuruppin nach Kremmen 11.8.2021
(5 Stunden inklusive Ankern mit Schwimmen und schleusen)
Heute haben wir bis 8:30 Uhr geschlummert. Bei bedeckten grauen Himmel und 13° haben wir in Ruhe Kaffee im Bett genossen, sind langsam wach geworden um dann noch mal einen Kaffee hinterher zu trinken. Nach intensivem Lamentieren sind Oskar und Christian zum Bäcker gelaufen um Schrippen zu kaufen. Pollie und ich haben uns nach dem darauf folgenden entspannten Frühstück unsere Vorräte dann noch mal aufgestockt. Es fehlte plötzlich schon wieder so einiges. Um 12:00 Uhr haben wir abgelegt und so langsam klarte sich auch wieder der Himmel auf und die Sonne lachte auf uns herab. Und zwar so sehr, dass wir einen Badestopp auf dem Ruppiner See eingelegt haben. Klares kühles Wasser in das wir vom Bootsrand gesprungen sind. Unfassbar schön und erfrischend. Leider war der Stopp nur kurz, da wir noch eine lange Strecke vor uns hatten und die Schleusenzeiten von Altfriesack einhalten mussten. Genächtigt haben wir wieder am Eisvogel Wasserwanderrastplatz in Kremmen.
[ngg src=“galleries“ ids=“514″ display=“basic_thumbnail“]12.8.2021 Kremmen nach Oranienburg (4 Stunden inklusive Schleusen)
Nach einer ganz guten Nacht sind wir recht zeitig aufgebrochen da wir wussten, dass wir durch die verkrauteten Kanäle zurück mussten. So tuckerten wir mit unseren 7 Km/h durch den Ruppiner Kanal, sind immer wieder zwischendurch angehalten um das Grünzeug das sich am Bug oder in der Schiffsschraube verfangen hat zu entfernen. Diesmal war alles nicht mehr ganz so wild, da wir ja schon wussten was auf uns zu kam. Auf der Strecke haben wir auch die Verursacher der Hauptverkrautung gesehen: Es waren Boote, die das Schilf zurückschneiden und dann beim Abtransport und Aufräumen des Kanals nicht alles erwischt hatten.
In Oranienburg haben wir wieder am Stadtanleger fest gemacht und sind in die Stadt gelaufen. Pollie haben wir nur mitbekommen da wir sie mit der Aussicht auf ein Eis gelockt haben. (Es geht doch nichts über eine anständige Bestechung) In Oranienburg sind wir etwas durch die Gegend gelaufen, haben die Oranienburg bestaunt, zumindest von aussen. An Neuruppin kommt die Stadt aber nicht richtig ran. Anschliessend haben wir Eis gegessen und sind gemütlich zurück gelaufen. Es folgte noch ein kleiner Spaziergang am Kanal mit Sichtung einer Blindschleiche. Die aufdringlichen Mücken haben uns dann recht schnell aufs Boots getrieben um früh ins Bett zu gehen.
[ngg src=“galleries“ ids=“515″ display=“basic_thumbnail“]13.8.2021 Oranienburg nach Hennigsdorf
Um 6:15 Uhr sind Christian und ich aufgestanden, die Kinder durften liegen bleiben. Es war ausgesprochen frisch, wir fröstelten etwas vor uns hin und mummelten uns in unsere Decken und warmen Jacken. Wir sind flott, soweit es natürlich flott ging, zur Schleuse nach Pinnow gefahren. Die Schleusenzeiten sind innerhalb der Woche sehr unglücklich. Zwischen 7:30 Uhr und 8:00 Uhr, 12:30 Uhr bis 13:00 Uhr und zwischen 17:30 Uhr und 18:00 Uhr. So sind wir dann wirklich sehr, sehr früh und vor dem ersten Kaffee zur Schleuse nach Pinnow getuckert.
Dort waren erstaunlicherweise auch schon zwei andere Boote vor uns. Ein Glück war sonst nicht viel los, so dass wir alle drei schnell durchgeschleust worden sind. Dann sind wir weiter auf den Nieder Neuendorfer See gefahren. Da die Wettervorhersage für diesen Tag 30° und Sonne versprach wollten wir schnell dorthin zum Ankern und zu schwimmen. Und das haben wir ausgiebig getan. Wir haben uns auf dem Sonnendeck gesonnt, sind schwimmen gegangen, haben gegessen und das Wetter genossen. Gegen Mittag frischte der Wind auf als wir alle auf dem Dach lagen. Plötzlich stellten wir fest, dass wir ab und auf andere Boote zutrieben. Oh weia. Schockschwere Not. Unser Anker hatte sich gelöst. Puh, grade noch rechtzeitig festgestellt haben wir den Anker gelichtet und sind zurück an unseren alten Platz gefahren. Beim erneuten Anker werfen haben genau daruf geachtet, dass er richtig fest ist. So konnten wir noch den Rest des Nachmittags geniessen, bevor wir in die Marina nach Hennigsdorf gefahren sind. Dort haben wir angefangen zusammen zu packen und schon mal ein paar Sachen ins Auto zu bringen. Abends sind wir in der Marina essen gegangen und haben die Woche auf dem Boot bei einer Pizza noch mal Revuepassieren lassen. Ein kleiner Beigeschmack war, dass unsere bösen Mückenstiche, die nach der ersten Nacht in der Marina gut verheilt waren wieder unter erneuten bösen Mückenattacken in Hennigsdorf gelitten haben.
[ngg src=“galleries“ ids=“516″ display=“basic_thumbnail“]14.8.2021 Hennigsdorf nach Berlin nach Bremen
Um 10:00 Uhr haben wir unser Boot abgegeben und haben ausgecheckt. Anschliessend haben wir auf Sebastian und Tanja gewartet mit denen wir uns auf ein Frühstück treffen wollten. Ob der Nähe zu Berlin war das naheliegend. Außerdem wollten die beiden sich die Hausboote anschauen, ob das nicht was für Ihren nächsten Urlaub wäre.
In Berlin-Hermsdorf haben wir gefrühstückt, viel gequatscht und sind dann irgendwann Richtung Bremen aufgebrochen und diesmal rasch durchgekommen. Die Woche ging wirklich schnell vorbei und so sehr wir es genossen haben so sehr genießen wir es auch wieder zu Hause mit viel Platz um uns herum zu sein. Und obwohl wir nicht mehr auf dem Boot waren blieb uns mehr als die Erinnerung – wir litten alle noch gute drei bis vier Tage unter dem Schaukeln und etwas Schwindel und hatten nicht nur beim Liegen das Gefühl der Boden schwankt und bewegt sich.
Im Nachhinein sind wir uns jedenfalls alle einig: Das war ein toller Urlaub und ein tolles Erlebnis, das wir jederzeit wiederholen würden. Vor allem landschaftlich hat uns Brandenburg sehr positiv mit seiner Vielfalt an Flora und Fauna überrascht und begeistert.
Ganz abgesehen von der totalen Entschleunigung, die sich bei uns innerhalb eines Tages eingestellt hat.

Und ihr seid sicher, dass ihr micht nicht adoptieren wollt ;-).
Beneidenswert aber es sei euch gegönnt.