On the road again

On the road again

September 28, 2019 0 Von Nuroma

Washington State

19.9.-23.9.2019

Nach der Verabschiedung von unseren Freunden in Seattle führte uns unser Weg in Richtung Olymic Peninsula südlich aus Seattle heraus in Richtung Tacoma.

Wir haben einen netten kleinen State Park am Hood Canal in der Nähe von Breidalick gefunden und uns entschieden hier erst mal zwei Nächte zu bleiben um zur Ruhe zu kommen. Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir am späten Nachmittag an und konnten noch etwas den Strand und den Park erkunden. Abends haben wir draußen gegessen und einen wundervollen superkitschigen Sonnenuntergang mit Blick auf die Berge des Olympic National Parc genossen. Genau das, was wir jetzt brauchten. Ruhe, Ruhe, Natur pur und noch etwas Ruhe obendrauf.

Der nächste Tag begann sehr nebelig und man konnte nicht bis ans andere Ufer sehen. Im Laufe des Vormittages klarte es auf und die Sonne ließ sich den ganzen Tag blicken. So konnten wir prima draußen sitzen und die Kinder haben mal wieder etwas in ihren Heften gearbeitet, Berichte geschrieben und auch mit Freunden zu Hause telefoniert. Das tat allen gut.

Oskar hat zwischendurch immer mal wieder etwas geschlafen und sich regeneriert. Wir Großen konnten uns auch etwas zwischendurch entspannen. Auch mal ganz schön.

Am Freitag führte uns unser Weg weiter auf der 101 über Port Angeles in den Olymic National Park, in den Regenwald. Eigentlich wollten bei den heißen Quellen in Sol Duc campen. Da wir online leider keinen Platz reservieren konnten und auch telefonisch niemanden erreichen konnten, sind wir einfach auf blauen Dunst dahin gefahren. Doof, dass das auch noch viele andere Lete gemacht haben und die FCFS-sites (First Come First Serve) schon komplett besetzt waren.

In den National Parks hier in den USA kann man in der Hauptsaison immer Plätze reservieren. Auch noch oft in der Nebensaison. Es gibt auch ein paar Sites, die nicht reserviert werden können und nach dem „Wer zuerst kommt, malt zuerst“-Prinzip vergeben werden.  Ha, wieder etwas gelernt. Das nächste Mal einfach früher losfahren und nicht so lange herumbummeln, wenn es um besondere Plätze geht.

Etwas enttäuscht, sind wir wieder aus dem Park herausgefahren und haben gleich um die Ecke einen kleinen Campground am Crescent Lake gefunden. Ganz basic ohne Strom und Wasser mitten im Wald und ganz wunderbar verwunschen. Die Bäume waren moosbehangen, viele große vermooste Steine und Farne wuchsen überall. Ein bisschen wie aus einem Märchenfilm. Man hätte denken können, dass jeden Moment Feen und Elfen um die Ecke gehuscht kommen.

Wir haben noch einen Stopp bei den Wasserfällen eingelegt, an denen man die Lachse beim Hochspringen beobachten kann. Wir haben auch jede Menge Lachse gesehen, nur leider in der Boxengasse. Sie schienen noch zu überlegen oder sich einigen zu müssen, wer sich als erster traut zu springen. Jedenfalls sah es so aus. Jemand sagte, dass noch nicht ausreichend Wasser vorhanden ist und dass die Lachse noch darauf warten. Eine Dame aus der Gegend vermutete, dass die armen Dinger sich auf dem Weg verausgabt haben und erst mal eine Ruhepause benötigen. Wie auch immer – das war schon sehr beeindruckend, so viele Lachse dort zu sehen, auch wenn sie nicht gesprungen sind.

Am Samstag haben wir uns eine Tour auf die Hurricane Ridge vorgenommen. Der Tag war wolkenverhangen und grau und wir hatten nicht viel Hoffnung auf eine gute Sicht. Auf dem Weg dorthin haben wir uns gleich morgens eine Campsite auf dem Campground‚ Heart O’the Hills“ reserviert. Jetzt, da wir wissen, wie es geht, ist es ja einfach. Der Weg nach oben, war wolkig und grau in grau, mit Nebelschwaden inklusive. Au Backe, dachen wir nur, als es auch noch anfing zu regnen. Und: Juchuuuuuu, als wir durch die Wolkendecke auf einmal in strahlenden Sonnenschein mit atemberaubender Aussicht fuhren. Das löste, jedenfalls bei mir, Freudentränen aus. Ein totales Glücksgefühl bei der Aussicht und den irren Farben, die man sich gar nicht ausdenken kann. Einfach nur schön.

Da wir alle mal wieder Hunger hatten, es war ja auch schon wieder Mittagessenszeit, gab es eine zünftige Brotzeit mit Bratwurst und Reis vom Vortag mit Aussicht.

Im Anschluss waren wir noch etwas Spazieren auf den vorgegebenen Trails. Wandern ist das nicht wirklich, denn man darf sich nur auf den Wegen bewegen. Aber trotzdem ganz fein. Wir sind alle Trails gelaufen, die da waren und bis auf 5471 ft (1667 m) gekraxelt. (Ich finde die Fuß-Zahl ja etwas beeindruckender und war bei der Umrechung ein wenig enttäuscht, dass wir nur auf 1.667 m waren – allerdings für uns Bewohner der Norddeutschen Tiefebene eine dennoch beachtliche Höhe.)

Pollies Highlight war die Begegnung mit einem Reh, dass ganz nah am Wegesrand stand und sich nicht ein bisschen bewegt hat als wir vorbeigelaufen sind.

Wir waren uns am Ende des Tages aber alle einig dass der gesamte Tag ein einziges Highlight war. (Auch wenn es ab dem späten Nachmittag durchregnete – was auch der Tatsache geschuldet war, dass wir uns immer noch im Regenwald befanden.)

Am Sonntag sind wir dann auch bei Regen losgefahren und haben uns mit Ziel ‚Rialto Beach’ auf den Highway 101 in Richtung Westen begeben. Je weiter wir in Richtung Küste kamen, desto heller wurde es und der Regen hörte schließlich ganz auf, als wir den Strand erreichten. Perfektes timing!

An dem mit Treibholz übersäten Steinstrand haben wir kurz Halt gemacht um uns danach auf den Quileute Oceanside Parc um die Ecke einzumieten. Der Park wird vom Stamm der Quileute, einem der 7 Stämme der First Nation, die sich die Olymic Peninsula teilen, betrieben.

Wir hatten einen Platz mit Meerblick und sind lange am Strand spazieren gegangen. Dabei konnte wir Pelikane beim Fischen beobachten, Robben in den Wellen toben und ein Reh am Strand entlang gallopieren (es sah allerdings eher wie joggen aus) sehen.

Den krönenden Abschluss bildete der mal wieder superkitschige und hyperromantische Sonnenuntergang. Wunderschön. Einfach nur: Seufz.

In der Nacht auf Montag fing es zur Abwechslung mal wieder an zu Regnen. Und das blieb dann auch den ganzen langen, lieben Tag so. Auf dem Weg zu unserem nächsten Halt in Bruceport County hielten wir bei strömendem Regen nur kurz an, um uns, mit den Niagara-Falls-Regencapes bewappnet die riesigen Zedernbäume der Gegend anzusehen und um unsere Vorräte aufzufüllen und zu Tanken.

Als wir den Campingplatz erreichten checkten wir beim Camphost ein. Einem bärtigen zahnlosen sehr lustigen Mann mit Latzhose, der uns vor den Waschbären warnte und uns den einzigen Platz mit Ausblick zuwies.

Das war wirklich nett gemeint. Der Platz war ganz prima und idyllisch unter Bäumen gelegen. Allerdings nicht vorteilhaft bei Regen. Wenn der Regen sonst rhythmisch auf das Dach prasselt, dann variieren Tropfengröße und Tropfgeschwindigkeit doch enorm unter Bäumen. Doppelt verstärkt durch Windböen.

So konnte Pollie einfach nicht in Ihrem Hochbett über der Fahrerkabine einschlafen (da man dort direkt unter dem Dach schläft ist der Regen viel lauter) und krabbelte in unser Bett. Ich erbarmte mich und tauschte mit ihr. Dummerweise ohne meine Ohropax und so wurde ich immer wieder durch die Prasselattacken des Regens geweckt.

Und mal wieder etwas gelernt: Bei Regen sollte man nicht unter Bäumen campieren – es sei denn man mag es laut … 

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