Manchmal kommt es eben anders
8.-15.1.2020
St. Kilda – Fitzroy – Adelaide
Nach dem Auschecken in St. Kilda haben wir wie in guten alten Zeiten einen Stopp am Spielplatz gemacht und einen Kaffee getrunken. Die Kinder haben gespielt und wir haben unseren Tag etwas geplant. Kann ja nur hilfreich sein. Nachdem Oskar sich bei den Geräten mehrmals den Kopf gestoßen hat und darüber sehr aufgebracht war (Das Kind ist aus manchen Spielplätzen einfach schon größentechnisch herausgewachsen.) haben wir zu zweit einen Spaziergang am Strand gemacht und mal wieder etwas Müll gesammelt.
Nachdem der Ärger beim Spazierengehen verraucht war sind wir aufgebrochen und nach Fitzroy in die Brunswick Street gefahren, eine unserer Lieblingsstraßen in Melbourne. Seit 20 Jahren hat sich hier kaum etwas verändert. Klar kommen und gehen die Geschäfte und Restaurants, das Gros ist jedoch geblieben. Es erinnert uns sehr an das Bremer Ostertor in den besten Jahren. Eine bunte Mischung an Menschen, Cafés, Restaurants und Boutiquen. Viel Secondhand und Vintage und Ungewöhnliches. Das Flair ist geblieben und wir haben auch ein paar Geschäfte gefunden die es schon seit 20 Jahren gibt.
Weil wir schon wieder hungrig waren sind wir bei Thai Thani eingekehrt. Einem kleinen und feinen Thai-Restaurant. Tatsächlich hat es auch Pollie geschmeckt. So langsam freundet sie sich mit asiatischem Essen an. Gezwungener Maßen denn wir anderen drei essen das sehr gern und wenn wir essen gehen ist es meist Thai oder Vietnamesisch. Da wir ja auch noch in den asiatischen Raum reisen wollen ist es von Vorteil wenn man auch die Landesküche mag.
Nach dem leckeren Essen sind wir nach Nunawading gefahren, haben unser meistes Gepäck untergestellt da wir nur mit Handgepäck nach Adelaide fliegen wollten und bei Thorsten einen Kaffee getrunken. Dann ging es mit einem Uber-Auto zum Flughafen und in den Flieger nach Adelaide. Wir sind erst um 17 Uhr geflogen und dementsprechend spät gelandet.
Abends haben wir noch schnell das Nötigste eingekauft und sind in die gemietete Wohnung gefahren. Da haben wir mal wieder Glück gehabt und ein nettes Appartement erwischt. Über Airbnb haben wir die Wohnung schon letztes Jahr im Frühling gemietet da wir schon wussten wann wir nach Adelaide fliegen.
Mein Vater lebt in Adelaide und wir wollten Weihnachten und Pollies Geburtstag nachfeiern. Im November hatte er seine langerwartete und noch länger geplante Hüft-OP und anstatt kurz nach Weihnachten zu kommen hatten wir vereinbart dass wir kommen wenn er wieder zu Hause und auf den Beinen ist.
Doch leider kam es ganz anders als gedacht. Ich war schon im Dezember sehr kurzfristig in Adelaide da es ihm nach der Hüft-Op nicht gut ging und er nach seiner Entlassung notfallmäßig wieder ins Krankenhaus musste. Da befand er sich immer noch als wir im Januar nach Adelaide kamen. Da kam eine Menge zusammen was zu erklären jetzt zu weit führen würde. Lange Rede kurzer Sinn: Er kann sich nach einen weiteren Eingriff nicht mehr selbst versorgen und muss nach massivem Gewichtsverlust aufgepäppelt werden. Nun wartet er auf einen Platz in der Kurzzeitpflege um danach ein dauerhafter Gast in einem Pflegeheim zu werden. Wir hoffen jetzt auf einen Platz in dem Pflegeheim gegenüber von seiner Unit da dort alle seine Freunde wohnen die ihn dann besuchen können. Es ist sowieso toll wie sich seine Freunde sich vor Ort um ihn kümmern.
So haben wir ihn jeden Tag im Krankenhaus besucht und versucht ein paar Dinge zu Organisieren. Seine persönlichen Sachen aus seiner Wohnung mussten einmal durchgesehen und sortiert werden. Das habe ich so gut gemacht, wie ich konnte. Dads Nachbarin Eileen kümmert sich um den ganzen Rest und ist auch die Ansprechpartnerin vor Ort für die Pflegeheime und die Orga. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie sich um alles kümmert und alles regelt.
So traurig das auch war – ich bin sehr froh, dass wir grade jetzt vor Ort sein konnten und auch noch viel Zeit miteinander verbringen konnten – wenn auch anders als geplant. Die Kinder haben sich gefreut ihren Grandpa zu sehen und darauf bestanden dass sie mindestens einmal pro Tag mitkamen. Und natürlich war die Freude von Grandpa auch groß die kleinen Großen zu sehen. Es gab eine Menge selbstgemalter Bilder und Karten mit denen wir die Schränke zugekleistert haben. So sah es schon um einiges gemütlicher aus.
Wir haben trotz ausgiebiger Besuche im Hospital auch einiges von Adelaide gesehen und einiges unternommen. Weil es schönes Wetter war haben wir die verschiedenen Strände Adelaides besucht. Wir waren im Zoo (nicht so dolle) und im Museum, sind durch Glenelg geschlendert und durch die Innenstadt gelaufen. In der Rundle Mall der bekanntesten Einkaufsstraße haben wir uns wie zu Hause gefühlt – es gab dort bronzene Schweinefiguren, so wie in Bremen in der Sögestraße. Wallanlagen haben wir auch vorgefunden. Bei einem Schwedischen Bekleidungsspezialisten haben wir kurz gestöbert und Pollie kam aufgeregt aus der Kinderabteilung mit einem Kleid in Größe 170 auf mich zugerannt. Sie besitzt das gleiche Kleid, bloß in diversen Nummern kleiner. Als wir das gute Stück damals gekauft haben war ich ganz neidisch und habe mich beschwert, dass es so etwas nicht in meiner Größe gibt. Ich habe herzlich gelacht als Pollie mir das Kleid in die Hand drückt und gefordert hat dass ich es anprobiere. Ganz ehrlich: dass ich in eine Kleidergröße 170 gepasst habe ist… ich weiß es nicht. Es ist jedenfalls verdammt lange her. Doch Pollie bestand auf eine Anprobe. Was soll ich sagen – das Kleid passte. Ich konnte es gar nicht fassen. Nach einer weiteren Diskussion und die Frage an Pollie ob ihr das nicht peinlich wäre, wenn wir das gleiche Kleid tragen kam nur die trockene Antwort: „Nö, dann sieht man wenigstens dass wir zusammengehören! Und jetzt kauf’ es endlich!“ Na gut, überredet.
Adelaide ist insgesamt und für die Wetterverhältnisse eine unglaublich grüne Stadt. Über 45% des Stadtkerns besteht aus Grünanlagen und Unmengen an Sportanlagen. Außerdem sieht man kaum Hochhäuser. Adelaide ist im Gegensatz zu Melbourne (4,7 Mio Einwohner) und Sidney (über 5 Mio Einwohner) mit ca. 1,3 Mio Einwohnern gefühlt eine verschlafene Kleinstadt. Das Stadtgebiet dehnt sich über eine Fläche von 1826 km2 aus. Daher verteilen sich die Bewohner des großen Dorfes mit Straßenbahn auch ganz prima so dass man nicht das Gefühl hat sich in einer Millionenstadt zu befinden.
Hier geht alles etwas sutje zu. Hektik ist eher nicht angesagt. Das ist mein Gefühl zu der Stadt, das mag noch mal anders sein wenn man länger hier ist. Auch die Leute sind unglaublich nett, zuvorkommend und etwas relaxter als z.B. in Melbourne. Auch das liegt wohl an der Größe der Stadt.
Bei meinem Aufenthalt im Dezember habe ich in einer Seitenstraße in der Nähe vom Krankenhaus eine unglaublich gute Vietnamesische Snackbar gefunden. In der waren wir auch diesmal. Und das nicht nur einmal – ich konnte von der noodle bowl gar nicht genug bekommen. Auch der Rest der Familie war ganz angetan von dem Essen, dass zudem auch noch recht günstig war.
Nach einer Woche, die mal wieder zu schnell vorbeizischte hieß es dann Abschied nehmen. Aber „Auf Wiedersehen“ means no Bye Bye. Oder wie man im Australischen so schön sagt: See ya later!
Dank der modernen Technik und dem neu besorgten Handy können wir ja immer in Kontakt bleiben, Fotos schicken und via Skype uns auch sehen.
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