Lissabon

Lissabon

August 23, 2019 1 Von Nuroma

Nach zwei Wochen totaler Ruhe und Entspannung erwartete uns in Lissabon das komplette Kontrastprogramm. Wir haben ein Minihaus in Ajuda, in der Nähe des Botanischen Gartens und abseits des Zentrums, gemietet. Hier wohnen hauptsächlich Lisboetas und um die Ecke gibt es ein paar kleine Geschäfte, Bäckereien, Cafés und Restaurants. Ein perfekter Ausgangspunkt für Unternehmungen und Trips in die Altstadt. (Und fern ab vom Rummel) Am Montagabend wollten wir eine Kleinigkeit essen gehen, stellten dann fest, dass Montags, wie bei uns, Ruhetag in vielen Gastronomien ist. Schlussendlich und nach 30 Minuten Herumirren sind wir in Belem fündig geworden. Sogar mit einigen vegetarischen Gerichten zur Auswahl, was hier durchaus nicht selbstverständlich ist.

Am Dienstag Morgen hat es dann erst mal so richtig im Karton gewackelt und der Haussegen hing so richtig schief. Die Kinder zickten nicht nur sich gegenseitig an und bewarfen sich mit einem Potpourri an Schimpfwörtern, nein, sie weiteten das auch auf uns aus. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich zickte munter mit. Und weil ich den Kanal so etwas von voll hatte, habe ich etwas gemacht, was ich die ganzen letzten zehn Jahre nicht getan habe: Ich habe mit den Kindern Deutsch geredet – den ganzen Tag lang. Das war merkwürdig für mich und vor allem für die Kinder. Die Stimmung wurde nicht so richtig besser, aber meine Botschaft schien angekommen zu sein und das Gezicke und Gemecker wurde eingestellt.

Um leichter ins Stadtleben und nicht gleich in die Menschenmassen zu kommen, haben wir mit dem Besuch des Botanischen Gartens und dem Schloss begonnen. Das hat sich wirklich gelohnt und war ein seichter Einstieg. Der Botanische Garten ist, wie vieles hier, etwas heruntergekommen, verwunschen, sehr charmant und man kann seine ursprüngliche Schönheit erahnen. Im Schloss gab es einen Rundgang durch die teilweise original erhaltenen Räume mit tollen Ölgemälden.

Für die nächsten Tage haben wir uns dann in die Altstadt gewagt. Bei 31 Grad und wirklich vielen vielen Menschen haben wir nicht lange ausgehalten und sind nach 2 Stunden wieder Richtung Ajunta gefahren.

Mit einem Tagesticket für die Öffentlichen Verkehrsmittel haben wir uns am nächsten Tag fortbewegt. Das Thermometer kletterte auf 33 Grad und wir haben die klimatisierten Busse, Trams und U-Bahnen sehr genossen. Wir wollten mit der berühmten Tram 28E einmal durch Alfama und Chiaro fahren. Dafür stand im Reiseführer, dass man am besten am Startpunkt Martim Martiz einsteigen sollte, da die Bahn unterwegs zu voll sei. Gesagt, getan. Nur mit der Riesenschlange an Menschen, die wohl auch diesen Insidertipp in ihrem Reiseführer gelesen haben, hatten wir nicht gerechnet. Auch nicht mit der Dreistigkeit einiger Menschen, die sich einfach dazwischen und vordrängelten.

Nach über einer Stunde Wartezeit in der brütenden Sonne durften wir endlich in einen der kleinen Wagons steigen. Und, was soll ich sagen – es war ein Erlebnis. Die kleine Bahn donnerte in einem Affenzahn die engen Gassen hoch und runter. Rechts und links der Strecke war zum Teil nur ein halber Meter Platz zu den Häuserwänden. Wir überlegen allerdings noch, ob sich das Anstehen dafür gelohnt hat.

Auf jeden Fall waren wir von Oskars und Pollies Geduld und Ausdauer sehr erstaunt und beeindruckt. Wir sind nämlich neben dem Fahren mit dem ÖPNV auch noch etwa zu Fuß gelaufen. Schlappe zehn Kilometer. Ohne Murren und Knurren haben die Beiden das mitgemacht. Als wir ihnen am Abend sagten, wie toll wir das finden, sagte Pollie trocken: „Wir werden eben immer teenagerricher.“ Recht hat sie.

Für unseren letzten Tag in Lissabon haben sich die Kinder einen Besuch am Strand gewünscht. Nach einem Bad im Meer mit Sandpanade sind wir über die Brücke über den Tejo zum Jesus-Monument gefahren und haben die Aussicht genossen und die Kinder die Akühlung an der Wasserinstallation.

Nach einem Besuch des Waschsalons und des nebenanliegenden Supermarktes, habe ich meiner Lieblingstätigkeit Taschenpacken gefrönt.

Erstaunlicherweise ging wieder alles in die drei Taschen, die am Schluss 23 kg, 22 kg und 22 kg gewogen haben. Geht doch! Wie das ging ist mir allerdings schleierhaft.

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