In echt noch viel schöner

In echt noch viel schöner

Oktober 24, 2019 1 Von Nuroma

Kalifornien

11.-19.10.2019

Es ist ganz erstaunlich und haut uns fast täglich wieder um – die Landschaft. Alles, was wir bisher auf Fotos, in Filmen und Dokus gesehen haben und uns schon so beeindruckt hat, verblasst neben der Realität. Wir sind immer wieder dankbar, überrascht und fasziniert dass es diese Landschaften und Orte wirklich und echt gibt und wir das alles sehen und genießen dürfen. 

Unser ursprünglicher Plan für die USA war an der Küste von Washington über Oregon nach Kalifornien auf der 101 und später auf dem Pacific Highway One zu reisen, um dann zum Grand Canyon zu fahren.

Dadurch, dass es hier so viel Natur und so viele unglaubliche schöne Nationalparks gibt, hatten wir zeitweise das Gefühl etwas zu verpassen. Eigentlich müsste man noch hier hin und sich dies und jenes anschauen. Dazu kommt noch, dass wir so viele Sightseeing-Empfehlungen bekommen, so dass wir hin und hergerissen waren zwischen der selbstgeplanten Route und den unzähligen anderen Möglichkeiten. Schlussendlich sind wir zu unserer eigentlichen Routenplanung zurückgekommen. Jedenfalls fast.

Man kann einfach nicht alles sehen und wir haben bereits in den letzten vier Wochen schon so unglaublich viele schöne Dinge gesehen und erlebt, dass das allein schon eine Weile dauert, bis das so ankommt.

Außerdem stellen wir grade fest, dass wir etwas reisemüde werden, uns nach einem festen Wohnsitz sehnen und besonders die Kinder gern mal wieder ein eigenes Zimmer hätten.

Unsere letzte Woche im sonnigen Kalifornien haben wir daher umgeplant und unsere Route noch mal modifiziert. Wir hatten den Yosemite Nationalpark ja schon kurzfristig aus dem Programm genommen um ausreichend Zeit für den Grand Canyon zu haben.

Nach unserem Teerplocken-Desaster-Tag haben wir uns am 11.10. entschlossen früh abzureisen um ganz pünktlich zum Check-in um 14 Uhr beim nächsten Campground zu sein.

Da kurzfristige Online-Reservierungen für die State Parks nicht möglich sind, waren wir schon um 11:30 Uhr beim nächsten Campground und haben tatsächlich einen Platz für zwei Nächte bekommen. Ein Platz mit Meerblick, direkt am Strand. Ein Träumchen. Nach dem Einparken und Blick aus dem Fenster schwammen ein paar Delfine ganz nah am Strand vorbei. Ein gutes Zeichen, fanden wir. Die Kinder waren völlig aus dem Häuschen. Mit unserem neuen Fundstück, dem Boogieboard, bewaffnet, haben wir den Tag am Strand verbracht. Die Delfine schwammen im Laufe des Tages noch einige Male hin und her und auf den vorgelagerten Felsen dösten Seelöwen und sonnten sich oder tummelten sich im Wasser. Dösen, schwimmen und dazu buddeln und lesen standen auf unserer To-Do-Liste. Die war ganz einfach und entspannt abzuarbeiten.

Und es fühlte sich richtig wie Urlaub an. Allerdings habe ich etwas länger gebraucht, um abzuschalten, da ich immer das Gefühl hatte, ich müsste jetzt die nächste Route und den nächsten Platz raussuchen.

Am nächsten Tag war es dann schon viel leichter sich treiben zu lassen. Außer etwas Einkaufen, Wäschewaschen und Hausaufgaben haben wir nichts auf dem Schirm gehabt. Ich habe sogar mal wieder die Ruhe zum Lesen gefunden.

Am Sonntag den 13.10. haben wir uns auf den Weg in die Wüste gemacht.

Wir hatten uns doch gegen die lange Fahrt zum Grand Canyon entschieden. Da war keinem von uns danach. Auch wenn es landschaftlich bestimmt wieder großartig gewesen wäre. Nach genauerem Hinsehen hatten wir nämlich festgestellt, dass wir mindestens 4-5 Tage für das Hin- und Zurückfahren und den Aufenthalt einplanen mussten.

Christian hat ausgiebig recherchiert und haben einen Rundflug mit dem Flugzeug über den Grand Canyon gebucht. Das würde nur 3 Tage in Anspruch nehmen und man hätte auch eine bessere Sicht über den Canyon. So sind wir bis kurz vor Las Vegas in die Wüste gefahren, um dort einen Rundflug zu machen. Gebucht haben wir den Flug für Montag Mittag.

Übernachtet haben wir auf einem Campground mitten in der Mojave-Wüste im Nirgendwo. Der Ort heißt Magical Nipton und besteht aus dem Hotel California, einem Café, einem Trade Post und dem Campingplatz. Auf dem Campground konnte man auch kleine Hütten und Tipis mieten. Dazwischen stehen Kunstinstallationen herum und das Ganze wirkt sehr surreal. Das Örtchen (die Bezeichnung ist für die Ansammlung der 4 Häuser auch noch zu groß) liegt an einer Bahnstrecke und es herrschte dort eine totale Ruhe. Dachten wir. Als jedoch in der Ferne ein Zug auftauchte und laut tutete war es mit der Ruhe geschehen.

Der Zug war bestimmt einen Kilometer lang und ratterte und knatterte ziemlich nah an dem Campground entlang. Hm, dachten wir, so oft wird das ja hier auch nicht passieren. Etwas falsch gedacht. Die Züge fuhren und tuteten im Stundentakt die ganze Nacht durch und gefühlt auch durch unseren Camper.

Es war einer der abgefahrensten und besondersten Plätze an denen wir bisher übernachtet haben. Es herrschte eine ganz spezielle Stimmung, die schwer zu beschreiben ist. Die Stille und die Weite in Kombination mit den Kunstobjekten und den Tipis erinnern an die Kulisse eines surrealen Roadmovies. Wenn das mit den Zügen nicht gewesen wäre, wären wir gerne noch eine Nacht geblieben.

Am Montag Morgen fuhren wir zum Boulder City Airport. Dort bestiegen wir gegen 13 Uhr eine Cesna und flogen über den Hoover Staudamm, den Lauf den Colorado Rivers bis zur Westkante des Grand Canyon. Wow. Das war unbeschreiblich schön. Unfassbar, wie so etwas Schönes einfach da ist und wie alt es ist und wie riesig. Beim Anblick dieses Wunderwerkes der Natur liefen mir nur noch die Tränen. So gefühlsduselig wie ich hier auf die Natur reagiert habe bin ich ja sonst nicht. Aber das hat mich wirklich sehr berührt und geflashed.

Wirklich ein Land der Superlativen – auf alle Fälle landschaftlich.

Wir haben diesen Flug total genossen, bis auf Pollie. Ihr wurde leider während des Fluges etwas schlecht und sie wurde ganz grün um die Nase. Das Highlight ihres Tages war somit nicht der Flug sondern der Pool unseres Campingplatzes in Boulder City. Bei 28 Grad trockener Hitze kam die Abkühlung genau richtig.

Zum Sonnenuntergang haben wir noch einen kleinen Ausflug nach Las Vegas gemacht. Wir wollten einmal kurz etwas Bling Bling- Atmosphäre schnuppern und sind den „Strip“ mit unserem WoMo einmal hoch und runtergefahren. Parken war mit unserem Schlachtschiff ziemlich unmöglich und das Gewimmel und die Menschenmassen zogen uns auch nicht grade magisch an. So cruisten wir, die Kinder staunend mit offenem Mündern, durch das Glitzerland und freuten uns anschließend über die Dunkelheit und Ruhe auf dem Campground.

Da wir auf dem Weg zur Küste ganz in der Nähe von Palms Springs und Warm Desert Springs vorbeikamen entschlossen wir uns noch einen Zwischenstopp einzulegen und die warmen Quellen zu genießen. Auf dem Campground, den wir uns ausgesucht und gebucht hatten, gab es ausreichend Becken in verschiedenen Temperaturen. Entspannung pur.

Der Weg dorthin führte uns meilenweit durch die Wüste, durch verlassene und sehr einsame Ortschaften. Das Städtchen 19-Palms brüstete sich „Trump-City“ zu sein. Energetisch ganz gruselig. Wir haben dort nur schnell getankt und haben uns fix aus dem Staub gemacht.

Für die nächsten zwei Tage haben wir uns noch mal einen State Park in Cardiff-by-the-Sea ausgesucht. Ein entspannter Campingplatz voller Surfer direkt am Strand. Auch hier läuft eine Bahnstrecke entlang der Küste. Es ist aber nicht ganz so laut.

Bei unserer Ankunft war es total nebelig und dabei heiß und schwül. Komische Kombination, die ich so bisher noch nicht erlebt hatte.

Wir haben angefangen unsere Sachen zu sortieren, die Taschen aus- und wieder einzuräumen und den Camper zu säubern. Irre, was da so an Dreck und Krams zusammenkommt. Und toll, was man so wieder findet, was verloren geglaubt war.

Außerdem konnten wir so einige Klamotten der Kinder ausstortieren, die zu klein geworden waren. Die habe ich gleich zu einem Thrifty-Shop gebracht und gespendet.

Neben dem Packen war aber auch noch ausreichend Zeit zum Lernen, Lesen und Schwimmen gehen.

An unserem letzten Tag im Camper, am 18.10. sind wir nach Newport gefahren, um dort eine Whale-Watch-Tour zu machen. Wale waren Fehlanzeige, dafür haben wir aber drei Arten Delfine gesehen, die munter ums Boots herumsprangen. Das war ein großer Spaß für alle.

Nachts haben wir in Orange County auf einen Campingplatz gestanden, der zu einem Messegelänge gehört. Der Wachmann verriet mir, dass dies ein Geheimtipp im Raum LA ist. Er ist rundum bewacht und sicher und dazu wirklich günstig.

So konnten wir am nächsten Morgen schnell zur Mietwagenstation fahren um danach im Konvoi zur Camperabgabe zu fahren. Unser Flug ging erst um 21 Uhr und wir wollten noch etwas Sightseeing in Los Angeles machen.

So sind wir im Samstagsverkehr zum Observatory gefahren um das berühmte Hollywood-Sign zu bestaunen. Danach haben wir uns auf den Walk auf Fame gestürzt und anschließend noch kurz zur Union Station und Olivera Road.

Dann haben wir uns nur zum Flughafen begeben und eingecheckt. Gut dass wir so früh da waren, denn nach dem Einchecken stellte Christian fest, dass seine Lesebrille fehlte. Auch dem Durchwühlen aller Taschen blieb sie verschwunden.

Also ist er noch einmal zurück zur Autovermietung gefahren und hat das gute Stück dort zum Glück gefunden.

Daraufhin konnten wir sehend und entspannt durch die Sicherheitskontrolle kommen und haben pünktlich unseren Flieger nach Australien bestiegen. Mal sehen wie das mit dem 14:45 Stunden-Flug wird.

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