Happy Op-Shopping

Happy Op-Shopping

Dezember 22, 2019 2 Von Nuroma

Wir (also Pollie,Oskar und ich) lieben Op-Shops. Ehrlich. Es ist noch keine Obsession aber wir geben jedem dieser Shops eine Chance uns zu überraschen.

Op-Shops sind karitative Secondhandladen und in Australien gibt es davon unglaublich viele davon. Und das fast in jedem Ort. Auch in den winzigsten Dörfern, bestehend aus Pub, Grocery Store und Bäckerei haben wir welche entdeckt.

Sie gehören zur Heilsarmee, zu Lebenshilfe-Hotlines oder Tierorganisationen.

Wenn man die Op-Shops betritt vermutet man nicht, dass man sich in einem Secondhand Laden befindet. Die Läden sind super sortiert, aufgeräumt und ansprechend dekoriert. Die Ware die dort hängt ist in einem tipptopp Zustand und es macht einen Heidenspaß die Regale zu erkunden und sich durch die Klamotten zu wühlen. Und es ist wirklich unfassbar was man dort an Schätzchen finden kann. Doof nur dass ich das nicht alles mitnehmen kann. Oder gleich die Shops ganz mitnehmen. Es gibt dort alles von Küchenzubehör über Möbel, Deko, Bettwäsche, Klamotten für alle Größen bis zu Spielsachen und Bücher. Und alles ist gespendet. Wahnsinn. Das wäre toll, wenn es so etwas auch in Deutschland geben würde.

In den Op-Shops arbeiten nur Freiwillige. Alle sind immer supernett und bedanken sich für die Einkäufe. Egal welche Summe man ausgegeben hat.

Dummerweise sind wir bisher in jedem Laden fündig geworden.

Pollie haben wir komplett mit Sommerkleidung eingedeckt. Dabei waren: ein Jumpsuit, zwei Kleider, eine kurze Hose, eine lange Hose, ein Longsleeve, Flipflops und ein Wetsuit. Sie selbst konnte einem Kuscheltierdelfin für 1 Dollar nicht widerstehen.

Auch für Oskar haben wir einen Wetsuit erstanden. Und er wollte Pollie in nichts nachstehen und hat sich ein riesiges Faultierkuscheltier gekauft.

Ich habe zwei Kleider und einen Pullover erstanden. Im Gegenzug haben wir aber auch schon diverse Klamotten die zu klein waren oder einfach nicht getragen wurden in die Spendenbox gepackt.

Dieses Schicksal wird auch die Wetsuits erwarten, wenn wir Australien verlassen. Wahrscheinlich aber erst in Neuseeland. Denn da wird das Wasser wohl noch etwas kälter sein als hier. Auch dort gibt es auch jede Menge Op-Shops. Yippiee!

Warum wir überhaupt Wetsuits gekauft haben? Nein, wir sind nicht unter die Surfer gegangen. Noch nicht. Es ist nur so, dass je weiter man Richtung Süden kommt desto niedriger sind die Temperaturen von Luft und Wasser.

Betrug die Wassertemperatur in Cairns noch kuschelige 26 Grad beträgt die Temperatur des Ozeans im Süden Victorias nur noch um die 15-17 Grad. Da macht Plantschen oder längeres Verweilen auf Boogieboards nur Spaß wenn man etwas wärmer eingepackt ist.

Aber selbst das ist nicht so spaßig bei Außentemperaturen zwischen 13 und 17 Grad, Regen und Sturm. Auch die paar Sonnenstunden, bzw. Minuten machen ein Bad im Meer nicht attraktiver. Wir geben die Hoffnung nicht auf und nutzen jede trockene Minute um draußen zu sein.

Seit unserer Ankunft am 27.11. auf Phillip Island ist das Wetter sehr beständig gewesen. Beständig wolkig bis stürmisch. Temperaturen zwischen 13 und 31 Grad. (Die 31 Grad hatten wir bisher nur an zwei Tagen.) Die Durchschnittstemperatur lag eher so bei 15-18 Grad. Selbst für diese Region und die Jahreszeit eindeutig zu kalt. Wenn der Wind hier von Süden weht kommt die eisige Luft vom Südpol direkt frei Haus geliefert. Und da der Wind konstant von WSW oder SO kam war es hier entsprechend frisch.

Während es hier in den letzten drei Wochen herbstlich stürmisch und kühl war, leidet der Rest des Landes unter der andauernden Trockenheit. In New South Wales brennt es und in Sydney kann man vor lauter Qualm die Harbour Bridge nicht mehr sehen. Bisher sind tausende von Quadratmetern Wald und unfassbar viel Wildlife den Flammen zum Opfer gefallen. Es ist kein Ende in Sicht. Der Premierminister machte trotz alledem Urlaub auf Hawaii und es liegen dem Parlament Pläne für die Bohrung nach Öl in der Bass Strait zwischen Australien und Tasmanien zur Abstimmung vor. Braunkohle wird weiter abgebaut und exportiert, frei nach dem Motto: Wenn wir es nicht machen, machen es andere. Auch hier wird der Klimawandel negiert. Den gibt es in dem Land mit dem größten Ozonloch ja angeblich nicht. (Wobei der Premier grade eingeräumt hat, dass die Trockenheit und vielleicht auch der Klimawandel an den Feuern Schuld sind.)

Ich habe bisher geglaubt, dass Australien ganz weit vorn ist im Thema erneuerbare Energien, Recycling, Plastikvermeidung und Umweltschutz. In den letzten zwei Monaten habe ich mich leider eines Besseren belehren lassen. Schade. Es wäre so schön, wenn sich weltweit etwas mehr bewegen würde. (Sorry, da habe ich mich wohl thematisch etwas hinreißen lassen.)

Aber noch mal zurück zu unserer Location. Phillip Island ist eine Insel in der Western Port Bay südwestlich von Melbourne. Luftlinie sind es ca. 80 Kilometer. Wir hatten das große Glück in dem Haus von Christians Eltern wohnen zu können, die sich hier vor 25 Jahren ihr Feriendomizil „Pad’s Paradise“ gebaut haben. (Wieso, weshalb, warum am anderen Ende der Welt ist eine zu lange Geschichte die den Rahmen hier sprengen würde. Daher nur die Kurzform: Christians Bruder Thorsten hat vor über 30 Jahren Australien besucht, sich nicht nur in das Land verliebt, hat geheiratet und ist hier geblieben. So kam es zustande, dass Hartmut und Heide, Christians Eltern, hier ein Haus gebaut und mehrere Monate im Jahr verbracht haben.)

Wir waren 1999 das erste Mal auf Phillip Island und sind seitdem relativ regelmäßig wiedergekommen. Es ist ein bisschen wie ein Zuhause am anderen Ende der Welt. Wir wissen wo wir hingehen können, kennen noch ein paar Leute, mögen die Landschaft und das Klima hier. Meistens jedenfalls – also das Klima.

Pad’s Paradise ist direkt an einem Naturschutzgebiet an der Küste gelegen. Der nahe Strand ist ein Naturstrand und wird hauptsächlich von den Anwohnern genutzt. Hier ist wenig los und der Strand sieht jeden Tag anders aus. Abhängig vom Wind und Gezeiten ist mal mehr und mal weniger Seegras vorhanden. Der Strand ist auch das Zuhause der Hooded Plover, vor dem Aussterben bedrohte kleine Vögel. In den Dünen auf dem Weg zum Strand brüten die Mutton Birds (Sheerwater), die den weiten Weg aus Alaska fliegen um hier zu brüten. Außerdem sieht man hier jede Menge Ibisse, Austernfischer und Möwen. Nicht zu vergessen die kleinen Wallabies, die man auf dem Weg zum Strand am Nachmittag entdecken kann. Ach ja, und Icky, der Echidna (ein Schnabeligel mit engem Verwandschaftsgrad zum Schnabeltier), der uns oft mit seinem Besuch beehrte und munter den Weg zum Strand mit Löchern auf der Suchen nach fetter Beute versehen hat. Ein weiteres wirklich lustiges Tier dieses Kontinents.

 

Gleich nach unserer Ankunft sind wir als allererstes an den Strand gegangen. Wie immer war er superschön. Der mitgebrachte Eimer für Muscheln füllte sich in Nullkommanichts. (Wir wissen gar nicht wohin mit den ganzen schönen Fundstücken. Mitnehmen können wir sie leider nicht alle, da bräuchten wir einen extra Koffer oder auch zwei.)

 

Wir haben die ersten zwei Tage genutzt um einmal alle unsere Reisetaschen auszupacken, auszusortieren und zu waschen. Die zu kleingewordenen Klamotten der Kinder sind in die Spendenbox des Op-Shops gewandert und auch die Sneaker von Oskar sind ersetzt worden. (Schuhgröße 43 mit noch etwas Luft nach vorne.)

 

Der Muff von drei Monaten Wohnmobil hing in den Klamotten. Auch das latente Gefühlt, dass die Sachen nicht so richtig sauber aus den, zum Teil nur kaltwaschenden, Toploadern auf den Campingplätzen kommen sind.

So haben wir als erstes einen Waschmarathon gestartet. (Nein, Waschen ist nicht unsere Lieblingsbeschäftgung, aber wat mutt dat mutt.)

Zum Wochenende kamen Thorsten, Shala, Zaleha und Indira zu uns und brachten meine Mama mit auf die Insel. Die war Freitagnacht in Melbourne gelandet und Thorsten hat sie netterweise am Samstag vom Hotel am Flughafen abgeholt. Die Freude war sehr groß. Vor allem Pollie und Oskar freuten sich sehr über ihre Oma die sie schon seit vier Monaten nicht gesehen haben. Ein Stück zu Hause in der Ferne. Die vier Kinder haben sich auch wieder toll verstanden und viel zusammen gespielt.

Am Samstagabend haben wir noch fleißig den Adventskalender gebastelt und aufgehängt. Dieses Jahr gibt es ihn als Brottüten aus Papier. Allerding erst einmal nur Nummer 1-12. Der Rest wird sukzessive aufgehängt. Dafür werden die ersten Tüten wieder verwendet und die Nummern werden einfach ergänzt. Bei den 20er-Zahlen wird es dann etwas schwieriger, aber das wird schon irgendwie gehen.

Leider wollten die Kinder keinen gekauften Schokikalender sondern wieder einen „selbstgemachten“. Hmpf – schade eigentlich, es wäre viel einfach gewesen. Letztes Jahr wollten sie unbedingt noch einen fertigen aus dem Supermarkt.

Am 1. Dezember konnte nicht nur das erste Tütchen aufgemacht werden. Wir haben auch den Geburtstag meiner Mama gefeiert und gaaaaanz viel Kuchen gegessen. Inge, eine Freundin von Christians Eltern kam auch vorbei und stattete uns einen kurzen Besuch ab. Nach der Kuchenvöllerei sind die australischen Padeffkes zurück nach Melbourne gefahren und es kehrte etwas Ruhe ein.

Insgesamt haben wir es in den letzten dreieinhalb Wochen recht ruhig angehen lassen. Die Tage dümpelten zum Teil nur so dahin. Ausschlafen, Hausaufgaben machen, lesen, Strandspaziergänge und viel spielen.

Ein paar Ausflüge haben wir aber auch unternommen. Wir sind unter anderem zu den Nobbies gefahren. Dort haben wir Zwergpinguine in ihren Höhlen und durch das Fernglas die dicken Robben in Australiens größter Robbenkolonie auf den vorgelagerten Felsen chillen sehen.

Es war an dem Tag so unfassbar windig dort, dass wir unsere Mützen und Kapuzen festhalten mussten, damit sie nicht weggeweht wurden. Die Wellen waren riesig und es war sehr beeindruckend wie sie mit aller Kraft gegen die Felsen krachten. Ein ohrenbetäubender Krach war das. Einfach schön diese Naturgewalt. Es fühlte sich etwas an wie zu Hause an der Nordsee.

Beim obligatorischen Besuch im Koala-Sanctuary haben wir so viele Koalas von weitem und nahem gesehen wie noch nie zuvor. In dem Koala-Park leben die Tiere in einem weitläufigen Gelände auf ihren Lieblings-Eukalyptusbäumen. Dort sieht man auch  Wallabies und Rosellas, Kookaburras und Galas. Die Begeisterung war allerdings bei den kuscheligen Koalas am größten. Mit vielen Quietschern und „Sind die niiieeeeedlich!“ und „Wieeee süüüüüüß!“ haben wir viel Zeit beim Beobachten der wirklich unfassbar niedlichen Tiere verbracht.

Auch die Pelikan-Fütterung in San Remo war ein Highlight. Die Pelikane kommen schon seit Ewigkeiten dorthin und werden um 12:00 kurz gefüttert. Meist verlassen sie die Fütterung schon nach ein oder zwei Fischen und gehen, bzw. schwimmen wieder ihrer Wege. Die Vögel sind aber auch echt zu lustig anzuschauen, wenn sie an Land watscheln. Und es ist sehr erstaunlich sie zu beobachten, wenn sie sich in die Lüfte erheben und elegant fliegen. Die Tiere sind ca. 1,20 cm groß, können bis zu 50-60 Jahre alt werden und pro Tag 12 Stunden in der Luft sein, ohne Pause zu machen. (Das sind die nicht verifizierten Aussagen des Menschen der die Fütterung durchgeführt hat.)

Mein persönliches Highlight an diesem Tag waren allerdings nicht die Pelikane sondern die großen Stachelrochen die sich in der Bucht tummelten. Riesengroß und wunderschön. Sie schwammen ganz nah am Strand entlang haben dort den Sand aufgewirbelt und Kleinstlebewesen aufgescheucht. Faszinierend. Fabelhaft. Fantastisch. Ich hätte dort stundenlang zusehen können.

Ein paar Mal haben wir uns der Garten- und Grundstückspflege von Pad’s gewidmet. Heckenschneiden, Rasenmähen, Häckseln, Moosentfernen, Fegen, Beete machen – all das, was eben so anfällt im Frühjahr. Die Kinder waren auch fleißig dabei und so haben wir in kurzer Zeit viel geschafft.

Da Pad’s Paradise während der australischen Sommerferien oft vermietet, auch dieses Jahr. Für die Vermietung haben wir fleißig geputzt, geschrubbt und dekoriert und haben am 15.12. das himmlische Fleckchen verlassen und sind in ein Ferienhaus am anderen Ende der Insel gezogen.

Ich sag’s mal so: Die Airbnb-Bewertung wird nicht so gut ausfallen. Das Haus an sich ist prima für 5 Leute. Auch nett und geschmackvoll eingerichtet. Nur die Sauberkeit und der Zustand des Hauses lassen zu wünschen übrig. Durch die Fenster konnten wir nicht kucken, da sie so dreckig waren. Der Kühlschrank und alle anderen Schränke bedurften einer Reinigung, vom Staub mal ganz abgesehen. Zudem stehen noch Farbeimer, Werkzeug und anderes Arbeitsmaterial herum. Die kürzlich stattgefundene Renovierung scheint noch nicht so ganz abgeschlossen zu sein.

Vielleicht haben wir es auch etwas zu sehr mit der deutschen Gründlichkeit… es half aber nichts, wir konnten nicht aus unserer Haut – es musste eine Grundreinigung der Küche her bevor wir irgendwelche Lebensmittel verstauen konnten. Ein Glück waren wir ja schon im Training und haben das ratzfatz in Rekordzeit erledigt. Vor allem Dank meiner Mama, die dem Kühlschrank gründlich zu Leibe gerückt ist und Christian, der bei den Fenstern für Durchblick gesorgt hat. (Falls alle Stricke reißen können wir immer noch einen Hausmeisterservice für Ferienhäuser aufmachen. Das scheint hier zu fehlen.) Mit quietschenden, unbequemen Betten kennen wir uns ja auch schon aus. Ach, was soll’s. Wir sind ja nur eine Woche hier und machen wie immer das Beste draus. Und das Beste ist die Nähe zum Strand von Cape Woolamai. Der ist nur ein Steinwurf entfernt und einfach wunderbar.

Am 22.12. verlassen wir Phillip Island vorerst und fahren nach Melbourne um dort Weihnachten mit Thorsten und seiner Familie zu feiern.

Apropos Weihnachten: Wir wünschen euch eine schöne Weihnachtszeit und einen tollen Start in ein gesundes neues Jahr 2020.

PS: Noch mal ein kleiner Nachtrag zu den Temperaturen. Seit ein paar Tagen tobt eine Hitze übers Land und es werden landesweit Hitzerekorde gebrochen. In South Australia wurden Temperaturen von über 49 Grad gemessen und bei uns ist die Temperatur von gestern 18 Grad auf 38 Grad geklettert. Für morgen sind dann allerdings wieder 17 Grad angesagt.

 

[ngg src=“galleries“ ids=“28″ display=“basic_thumbnail“]