Fein in Waiwera.

Fein in Waiwera.

April 8, 2020 1 Von Nuroma

Hier sind wir nun: gewollt gestrandet in Waiwera. Es hätte uns ganz sicher schlimmer treffen können. Viel schlimmer. Die Nachbarn versichern uns fast täglich dass Waiwera ein Geheimtipp und ein kleines Stück Paradies ist. Recht haben sie. Aber so was von. Also mal vorweg genommen und auf den Punkt gekommen: Uns geht es gut.

Je länger der Lockdown dauert desto mehr realisieren wir wie viel Glück wir hatten diese Wohnung zu finden und auch noch so lange bleiben zu können.

Waiwera unser neuer Heimathafen im Exil liegt am Hibiscus Highway Richtung Norden und ist eingebettet in eine Bucht mit vielen Wasserläufen. Sehr schön und sehr idyllisch. Wäre noch toller wenn wir die Gegend auch noch erkundigen könnten. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Falls sich bereits jemand beim Lesen der Berichte aus Neuseeland gefragt hat warum so viele Ortsnamen mit Wai beginnen und zum Teil so lustige Namen tragen kommt hier die Antwort: viele Orts- und Straßennamen haben Maori Namen.

Waiwera setzt sich so zusammen: Wai bedeutet Wasser, Flüssigkeit, Saft. Wera heißt heiß. Waiwera bedeutet somit heißes Wasser. Und das ist hier Programm.

Bis vor ca. zwei Jahren gab es in dem verschlafenen Örtchen einen recht großen „Hot Water Spa“ mit Rutschen, verschiedenen Pools und Wellnessbereich. Der ist aber geschlossen und sieht ziemlich abgerockt aus. Da scheint auch in Zukunft nichts mehr zu passieren. Auch am Strand fließt heißes Schwefelwasser ins Meer und bei uns im Garten gibt es einen großen Holzbottich, der mit dem nach Pups riechenden heißen Quellwasser gefüllt werden kann. Soll ja super für die Haut und überhaupt für alles sein. Geruchstechnisch beim ersten Mal eine Herausforderung.

In Waiwera ist es sehr ruhig. Hier wohnen nur wenige Leute. Der Ort besteht hauptsächlich aus Ferienhäusern und –wohnungen. Den berühmten Kiwi-Batches.

Wir kennen mittlerweile einige der Nachbarn die hier wohnen und man grüßt sich nett und hält ein Pläuschchen mit gebührendem Sicherheitsabstand. Sehr nett alle. Sie scheinen sich auch an uns gewöhnt zu haben und wundern sich nicht mehr über uns Fremde nachdem sie mitbekommen haben dass wir hier gestrandet sind.

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Seit dem 25.3. ist in Neuseeland der nationale Notstand ausgerufen. Und seit dem 26.3. geht hier nicht mehr viel. Totaler Lockdown. Nur noch Supermärkte und Apotheken haben geöffnet. Wir dürfen zwar noch vor die Tür und auch noch an den Strand gehen aber nach Möglichkeit unsere Nachbarschaft nicht verlassen.

Das tun wir hin und wieder dann aber doch mal – nämlich um einkaufen zu gehen. Das können wir in Orewa, dem nächstgrößeren Ort. Dort gibt es immerhin zwei Supermärkte. Das sind dann unsere Superhighlights ansonsten kommt hier der Lagerkoller immer mal wieder zum Ausbruch.

Orewa scheint ein ganz nettes Örtchen zu sein wenn alles geöffnet ist. Jede Menge kleiner Läden und Restaurants. Vielleicht werden wir es ja noch im Betrieb erleben dürfen.

Wir gehen fast jeden Tag Joggen und zwar immer um den Pudding. Eine Runde ist ein Kilometer. Oskar schafft es mittlerweile auf drei Runden und ich schaffe leider auch nicht mehr. (Meine Kondition war auch schon mal besser.) Aber wir haben ja jetzt sehr viel Zeit und können fleißig trainieren. Christian läuft fleißig seine fünf bis sechs Runden. Nur Pollie können wir nicht so richtig zum Laufen animieren. Sie kann diesen täglichen Auslauf aber mit am besten gebrauchen, da sie eindeutig zu viel Energie hat und die entlädt sich dann leider in nicht so schicken Bahnen.

Im Anschluss an unsere Laufrunden sind wir bei Hochwasser im Meer schwimmen gegangen. Das hat noch geschmeidige 21 Grad und es lässt sich gut aushalten. Die Kinder haben ihre Schnorchelmasken ausgiebig im Einsatz gehabt. Wir haben uns Bali nach Neuseeland geholt und sogar am Strand liegen können. (Das ist seit dem 4.4. nun auch verboten. Auch Schwimmen gehen darf man nicht mehr.)

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Aber wir gehen trotzdem noch an den Strand damit die Kinder einmal am Tag buddeln und sich erden können. Nur in der Bude hocken ist nichts. Für niemanden. Wir entdecken jeden Tag etwas Neues. Seien es Seesterne in den Rockpools, Kormorane beim Fischen, jede Menge Austernfischer, Albatrossjunge mit Eltern und kleine Plover. Wir sammeln wie jeden Tag Müll und finden dabei wunderschöne Stücke Treibholz und Muscheln. (Unsere Fundstücke heben wir uns für die Tage mit schlechtem Wetter auf.)

Der Tidenhub ist hier ganz beträchtlich und bei Ebbe könnte man vermuten, dass wir an der Nordsee sind. Da muss man schon ein Stückchen laufen bis man ins Wasser gehen kann. Überhaupt spielt das Wetter ganz prima mit. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 22 Grad und die Sonne bleibt uns auch noch treu und scheint fleißig. Zwischendurch gibt es mal ein paar Wolken und Schauer. Die sind bisher aber die Ausnahme.

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Wir haben uns sagen lassen dass das nicht das normale Herbstwetter in der Region ist. Das wäre deutlich kühler und feuchter. So genießen wir jeden Sonnenstrahl jeden Besuch am Strand und jeden Spaziergang den wir trocken bleiben.

So gut wie es das Wetter mit uns meint zürnt uns der Kamera-Beauftragte im Universum. Oskars neue Kamera ist beim Schnorcheln aufgegangen und voll Wasser gelaufen. Sehr ärgerlich. Denn nun ist wohl auch dieses gute und erst 2 Wochen alte Stück auf seinem Weg in die ewigen Kamerajagtgründe. Wir versuchen sie noch zu trockenen und lassen sie in Ruhe – aber so richtig gut sieht das nicht aus.

Dementsprechend wenige Bilder wird es leider von Waiwera von Oskar geben.

Bei unseren täglichen Rundgängen sind uns die ganzen Teddys die in den Fenstern sitzen oder hängen aufgefallen und wir haben uns gefragt was das auf sich hat.

Die Antwort bekamen wir als wir uns unerlaubterweise aus unserer Hood entfernt haben. Oma Marlies hat Oskar zum Geburtstag ein Paket nach Wellington geschickt. Das hat uns leider nicht mehr rechtzeitig erreicht, so dass unser netter Vermieter aus Wellington das Paket an unsere jetzigen Vermieter weitergeschickt hat.

Die wohnen in Forest Hill einem Vorort von Auckland ca. 30 Minuten von uns entfernt. Hiroko hat unser Paket in ihrem Briefkasten deponiert so dass wir es kontaktlos abholen konnten. Sie kam aber noch raus um uns kurz zu begrüßen. Als ich nach der Bewandnis der Teddys fragte, klärte sie mich auf, dass es als Aufmunterung und zum Entertainment der Kinder ist. Das was die Regenbögen in den Fenstern in Bremen sind die Teddys in den Fenstern in Neuseeland.

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Am Abend haben wir das Paket beim Videochat mit Oma aufgemacht. Oskar war super glücklich mit seinem Geschenk. Endlich wieder ein Buch. Er ist seitdem fleißig am Lesen und kaum noch aus seinem Zimmer zu bekommen.

Wir haben uns hier nun nach fast zwei Wochen häuslich eingerichtet. Im Supermarkt habe ich eine Kuchenform erstanden denn Christians Geburtstag steht noch im April an und so ohne Geburtstagskuchen ist das ja nichts. Geschenke gibt es dummerweise auch nicht, denn kaufen kann man ja nichts mehr. Auch bestellen können wir nichts denn eine Postadresse hat das Haus nicht. Wir müssen mal schauen wie wir das managen können dass wir auch Post empfangen können.

Da wir nicht auf Christians Geburtstag warten wollen um mal wieder einen Kuchen zu essen backe ich schon vorher fleißig. Einen Mixer gibt es hier auch nicht. (Scheint nicht zur Standardausstattung einer Ferienwohnung zu gehören.) Unseren tollen Uralt-Mixer aus dem Op-Shop in Wellington haben wir leider dort gelassen da wir ja nicht mit einer Verlängerung gerechnet haben.

Den Teig rühre ich jetzt so wie Annodazumal mit dem Schneebesen zusammen. Da es auch keine Waage gibt ist die Zusammensetzung jedes Mal anders. Bisher hat sich da noch keiner beschwert und es hat jedes Mal geschmeckt. Vor allem das erste mal. Die Butter war dummerweise gesalzen so dass der Kuchen eher interessant als richtig gut schmeckte. Das Mehl für den Kuchen habe ich übrigens in unserem lokalen Krämerladen (man nennt die hier Dairy) bekommen. Ein Sechser im Lotto. Der Inhaber hat improvisiert, einen 20 Kilo Sack gekauft und umgefüllt. Normale Mehl-Pakete gibt es wie in Deutschland schon länger nicht mehr zu kaufen. In dem Lädchen gibt es fast alles. Und alles mit sportlichen Preisen. Die Preise erfährt man allerdings erst auf Nachfragen oder wie wir an der Kasse mit der Rechnung. Die Überraschung war dann recht groß. Aber es ist ja für einen guten Zweck. Support your local dealer.

Seit zwei Tagen haben wir uns dem exzessiven Osterbasteln hingegeben. Eier auspusten und anmalen. Im Supermarkt hatte ich Glück und habe noch buntes Bastelpapier und Filzer ergattern können. Das haben wir großzügig zu Hasen, Tulpen, Schmetterlingen und Vögeln gefaltet und die Fenster damit dekoriert. Wir haben kleine Körbe mit Henkeln gebastelt und sie mit Papierblumen und Hasen gefüllt und sie bei den Nachbarn an die Türen gehängt.

In unseren Gesprächen mit den Nachbarn – der Altersdurchschnitt dürfte hier bei Mitte 60 liegen – haben wir erfahren dass viele von Ihnen ihre Enkelkinder schon länger nicht gesehen haben und sie vermissen. Da unsere Kinder ihre Omas nicht sehen können und vermissen und sie nicht mit Basteleien beglücken können haben wir gedacht dass es ja ganz nett ist die Nachbarn damit zu versorgen.

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Das Feedback war sehr positiv. Alle haben sich gefreut und sich am nächsten Tag bedankt. Das Ehepaar vom Anfang der Straße hat uns mit englischen Büchern und einem Scrabblespiel versorgt und einem Batzen Mathezettel. Er ist pensionierter Lehrer und hat in seinen Unterlagen noch so einiges gefunden für unsere Kids.

Die Leute sind einfach so nett hier. Alle kümmern sich um die anderen.

Im Supermarkt werden an der Schlange draußen ältere MitbürgerInnen sofort vorgelassen so dass sie sich gar nicht anstellen müssen. Da wird auch nicht diskutiert oder gemeckert. Das ist ganz selbstverständlich. Irgendwie sind die Werte hier noch anders gelagert. Es wird viel Wert auf das soziale Miteinander gelegt. Jeder schaut etwas über den Tellerrand und nicht nur auf seine kleine Suppenschüssel. Natürlich gibt es auch Ausnahmen (wie überall.) Das macht den Lockdown grade auch liebenswerter.

Auch wir als Familie sind noch mal zusammengerückt –falls das noch mehr geht. Dadurch dass wir nichts mehr auf dem Schirm haben, nicht mehr anschauen wollen oder irgendwo hinfahren können haben wir auch nicht das Gefühl etwas zu verpassen.

Wir starten den Tag wieder zu viert im Bett, trinken Kaffee (also natürlich nur die erwachsenen) und die Kinder lesen uns aus ihren Büchern vor. Dann kommen die Nachrichten und Mails von zu Hause und so langsam starten wir in den Tag mit unserer Laufrunde und dem Frühstück gefolgt von Basteln, Schularbeiten, Lesen und spielen. Hörbücher sind auch grade hoch im Kurs und wir lauschen mit Begeisterung den Geschichten der Muskeltiere aus Hamburg.

Die haben wir bei der Onleihe der Bibliothek entdeckt und sind ganz glücklich über eine weitere Quelle außer Spotify. Dort hören wir zwar auch viele Hörbücher aber es gibt eben nicht alles.

Wir haben zu Beginn der Reise einen „Gute Laune“-Soundtrack angelegt der sich im Laufe der Reise stetig erweitert hat. Den hören wir grade hier immer wieder – vor allem wenn es launetechnisch brenzlich wird. (Mindestens einmal pro Tag.) Den Link dazu poste ich einfach mal mit – Vielleicht hebt es ja auch bei euch die Laune ein wenig: Vier sind mal weg – Good Mood

Die neueste Beschäftigung am Strand ist übrigens die Herstellung von Matschbällen die mit großer Begeisterung seitens der Kinder ins Wasser oder auf unsere Beine geworfen werden. Was soll’s. Hauptsache die Kids bleiben bei Laune und sie können ihre Energie loswerden. Beim Buddeln nach gutem Sand für die Matschkugeln findet man gern mal eine flossige Überraschung…

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Wir hoffen dass es euch allen gut geht, ihr noch guten Mutes seid und jeden Tag so nehmen könnt wie er kommt. Vielen Dank für eure Nachrichten auf diversen Kanälen und eure Reisebegleitung. Nicht mehr ganz so lang und dann können wir uns wieder live und in Farbe sehen.