Endlich verbunden.
Woche 2 21.1.-29.1.23
Yippieh – seit dem 21.1. sind wir endlich digital wieder mit der Welt verbunden und können ganz generös mit der Außenwelt kommunizieren, Fotos hochladen und vor allem telefonieren oder sogar Video-Calls machen. Verrückt, wie man das wieder zu schätzen weiß, wenn es nicht selbstverständlich ist. Da wir in den letzten Wochen auf unsere mobilen Daten angewiesen waren und die in unserem australischen Vertrag nicht all zu üppig sind, mussten wir gut haushalten, um mit den 6 GB im Monat hinzukommen. Zumal wir ja häufig mit dem GPS unterwegs sind, was einfach sehr viele Daten verbraucht.
Leider konnten wir das noch nicht so ganz auskosten, denn wir haben mal wieder gepackt. Wir wollten eine Nacht bei Thorsten auf dem Berg in Healesville verbringen um dort in der Nähe zu einem Rodeo-Event zu gehen. Zaleha wollte nicht mit sondern hat sich für den Abend zum Zelten drei Freundinnen eingeladen und auf Dusky aufgepasst, der nicht mit durfte. Vor dem Rodeo haben wir gegrillt und Darren ist mal wieder vorbeigekommen. Diesmal nur er alleine, ohne seine Kids, die bei ihr Mutter waren.
[ngg src=“galleries“ ids=“543″ display=“basic_slideshow“]Das Event stellte sich als eine Riesenveranstaltung heraus, auf der sich unfassbar viele Leute tummelten. Das Interessanteste dabei waren die Zuschauer. Wirklich viele außergewöhnliche Typen, weiblich wie männlich waren hier zu sehen. Klamottentechnisch ging es hier durch sehr sehr viele geschmackliche Interpretationen des Jackeroo-Country-Looks (Jackeroo ist das australische Pendent zum Cowboy.
Wow, und es hatten sich viele unfassbar schlecht frisierte Männer versammelt, dass man gar nicht wusste, wo man zuerst hinschauen sollte. Australiens Männerköpfe sind fest im Griff des ‚Mullet‘, dem australischen Pendant zum Vokuhila, einem Haarschnitt, den nur die wenigsten tragen können. Also nur gut, vielleicht 1 % der Bevölkerung.(Das ist meine subjektive Einschätzung). Der Mullet wird hier beschrieben mit: ‚Business in the front, party in the back‘. Ich kann dem nicht mal ansatzweise zustimmen, denn auch von vorne sieht das nicht nach Business aus. Aber gut, die 80er sollen auch ihr Revival haben.
Die Bullenreitmaschine erfreute sich großer Beliebtheit und Indira hat ihr Glück versucht und sich wirklich wacker geschlagen. Dafür hat sie Thorsten aber auch lange genug bequatscht.
Christian hat sich bis zum Sonnenuntergang mit seiner Kamera auf dem Gelände herumgetrieben und seine Modelle haben sich zum Teil freudig für ihn Pose gestellt und waren recht gesprächig und freundlich.
Überhaupt war die ganze Stimmung unter den tausenden von Zuschauern sehr gelassen, friedlich und familiär, obwohl der Alkoholpegel bei unserer Ankunft gegen ca. 19 Uhr schon recht hoch war. Die Anwesenden schienen eher am Feiern und Zusammensein vor Ort zu sein als so richtig Interesse am eigentlichen Rodeo zu zeigen. Obwohl ich die Faszination die das Rodeo auf Leute
einerseits nachvollziehen kann, sollte andererseits das Tierwohl nicht vergessen werden. Darüber habe ich mir ehrlich gesagt, da wir vorher noch nie auf einem Event wie diesem waren, kaum bis keine Gedanken gemacht. Denn wenn man mal vom Barrelracing absieht, ist Bullenreiten und Rodeo nicht grade tierfreundlich.
Auf jeden Fall hat uns das Rodeo einen buntgefächerten Einblick über die feiernden Leute im ländlichen Bereich unserer vorübergeheden Wahlheimat gegeben.
[ngg src=“galleries“ ids=“544″ display=“basic_thumbnail“]Am Sonntag haben wir uns wieder auf den Weg nach Hause gemacht. Nach Hause, schön, oder? Das fühlt sich nämlich auch so an. Wir haben Thorsten, Indira und Zaleha in Healesville gelassen, da die Mädels am Montag wieder zurück zu ihrer Mutter nach Nunawading fuhren und Thorsten ins Büro nach Melbourne musste und erst am Montagabend wieder zu uns kommen würde.
Da wir in weiser Voraussicht noch mal den Anhänger dabei hatten, haben wir noch weitere Beute an der Straße gemacht und sogar noch das ein oder andere am Straßenrand gefunden. So viel, dass wir den Anhänger wieder bis zum Anschlag voll hatten und einfach nichts mehr weiter reinpasste. Viele schöne Projekte für die nächsten Wochen.
A propos Wochen: Die letzte Woche der Ferien ist angebrochen und so langsam machen sich bei den Kindern die gemischten Gefühle ganz dolle breit. Ein Gemisch von „Ich habe so gar keinen Bock.“, „Ich habe Angst, dass ich nichts verstehe oder mich keiner mag.“ oder „Ich will wieder in meine Klasse nach Hause.“ Puh, da sind wir als Eltern noch mal ganz schön gefordert gewesen um unterstützend, geduldig und verständnisvoll zu sein. Wahrscheinlich nicht immer richtig umgesetzt, jedoch sehr bemüht. Also wir. Denn nicht nur die Kinder waren aufgeregt, sondern auch wir ein bisschen mit.
Aber wie immer galt auch hier unser fast dauerhaft genutztes Mantra: ‚Wird schon.‘ Das hat uns jetzt schon so gut durch die letzen Monate gebracht und ja auch irgendwie funktioniert, das wird es auch weiterhin tun – ganz bestimmt.
Und wie das alles funktioniert – als wenn ein dicker Knoten geplatzt ist. Unsere Kaffeemaschine ist gleich am Montag geliefert worden und wir, also Christian und ich, haben uns wie verrückt gefreut, denn Thorsten würde in den nächsten Tagen wieder nach Pad’s Paradise ziehen und seine Kaffeemaschine mitnehmen. Wer Christian und mich kennt, weiß, dass wir zwei Kaffeetanten sind und einen guten Espresso bzw. Cappuccino stets zu schätzen wissen. Naja eigentlich ist Christian ja der Kaffeenerd bei uns im Haus. Er dreht und stellt Mühle und Maschine so lange ein und probiert Kaffeesorten aus, bis das Ergebnis für ihn perfekt ist. Dann erfreue ich mich des tollen Ergebnisses und über jede Menge guten Kaffee. Also wieder ein Projekt.
Am Dienstag hat Christian mit dem Hochdruckreiniger unsere beiden Barbeques bearbeitet und auf Hochglanz poliert. Einer würde bei uns ein neues Zuhause finden, der andere wird nach Healesville zu Thorsten auf das Grundstück gehen und wohl als Ersatzteillager dienen. Ein Spaziergang zum Strand war danach auch noch drin.
[ngg src=“galleries“ ids=“545″ display=“basic_thumbnail“]Ein weiteres Projekt ist der Esstisch, den wir hier um die Ecke an der Straße gefunden haben und der bei uns ein zweites Leben bekommen wird. Er hat eine recht eigenwillige Form und das Holz sieht nicht wirklich schick aus. Also haben wir entschieden, dass er ein Make-over bekommt. Er wurde geschliffen und dann weiß lackiert und sieht jetzt, wie ich finde, super aus. (Fotos folgen)
Den Rest der Woche haben wir, neben diversen Upcycling-Projekten, mit Einkaufen der Schulsachen für Oskar und Pollie (Schuluniformen und Schulsachen) und viel Entspannen verbracht.
Am Donnerstag, den 26.1. war Australia Day – ein nationaler Feiertag. Thorsten war kurz für zwei Tage in Pad’s Paradise und ist dann wieder zu uns gezogen, da das Haus über das lange Wochenende wieder vermietet war.
Eigentlich sollte Lisa aus Sydney anreisen und hier mit uns das lange Wochenende verbringen. Leider hat sie noch mal eine Virusinfektion erwischt und so lag sie mit Fieber im Bett anstatt hier auf der Insel zu sein. Sehr schade, denn wir waren am Australia Day bei den Nachbarn von Thorsten in Ventnor zum Grillen eingeladen. Also nicht bei den Nachbarn, Rob und Margot, sondern bei deren Sohn Adam, seiner Frau Wendy und der Tochter Kylie. Eingeladen heißt hier, man bringt seinen Kram selber mit. Also auf alle Fälle die Getränke, die man trinken möchte und auch etwas zu essen. Erstmal gewöhnungsbedürftig. Vor allem, wenn man in Deutschland sozialisiert ist. Da kauft man alles ein, kocht und macht und tut und dann kommen die Gäste und bringen vielleicht Blumen oder eine Flasche Brizzeliges mit.
In Australien ist es komplett anders. Hier bringen die Gäste ihre eigene Verpflegung komplett mit. Warum? Ganz einfach. Das Ganze ist aus der Geschichte Australiens entstanden. In den Anfängen war der rote Kontinent recht spärlich besiedelt, die Stations (Farmen) lagen recht weit auseinander und das Geld war eigentlich bei den meisten recht knapp. Wurde gefeiert und eingeladen, dann stand das Zusammensein und die Gesellschaft im Vordergrund. Und weil man auf dem Land ja nicht allzu viele Leute außerhalb der eigenen Farm sah, war das größte Geschenk der Einladung, das Wiedersehen und die Zusammenkunft. Da war es ganz klar, dass man sich selber um das eigene Essen und trinken gekümmert hat, damit die Gastgeber das nicht auch noch übernehmen müssen. Eine ganz nette Tradition – wenn man dann weiß, wie und worum es geht und es vor allem als deutscher Gastgeber nicht missversteht und sich beleidigt fühlt, wenn die Gäste ihr eigenens Essen und Trinken komplett mitbringen.
In dieser Tradition haben wir zum Grillen am Australia Day unser Grillgut, Salat und Getränke mitgebracht. Die Kinder haben sich, nach kurzer Auftauzeit prima miteinander beschäftigt und Karten gespielt, zum Strand gegangen und miteinander abgehangen. Da ich gefahren bin, konnte ich den Unterhaltungen nach einem gewissen Pegel nicht mehr so ganz folgen und wir sind gegen 23 Uhr schließlich nach Hause gefahren.
Am Sonntag sind wir endlich zum Koala Sanctuary gefahren. Eine kleine Tradition bei unseren Aufenthalten auf der Insel. Im Sanctuary werden verletzte Koalas aufgenommen, gepflegt, aufgepäppelt und, wenn alles gut läuft, wieder ausgewildert. Manche von ihnen kommen aus New South Wales aus den Gebieten, wo die Buschbrände 2019/2020 so gewütet haben, andere sind aus dem Umland oder direkt von der Insel.
Sie haben jede Menge Auslauf und können sich auf einem recht großen Areal frei bewegen. Ein wirklich netter Ort, wären die bekloppten Touristen nicht da. Überall steht, dass man sich in der Nähe der Koalas leise verhalten soll, sie nicht bedrängen und erst recht nicht anfassen soll. Verstehen kann ich ja schon, dass man in Verzückung gerät, wenn sich einem einer dieser unfassbar niedlich, plüschigen Koalas nahe kommt und man nur die Hand ausstrecken muss, um die zu berühren. Ich könnte auch ausflippen, so süß sind die. Aber anfassen tue ich sie trotzdem nicht. Pollie und Oskar haben sich über die Anfassbesucher tierisch aufgeregt und haben darauf bestanden, dass die Ranger darüber informiert werden. Die konnten leider auch nichts mehr erreichen, da die Großfamilie mit dem Streicheln und Quitschen schon aufgehört hatte.
Den Sonntag haben wir bei der Brauerei ‚Rusty Waters‘ ausklingen lassen. Auch eine kleine Tradition. Die Brauerei beherbergt auch ein Restaurant, dass bis dato eine sehr gute Küche und Service hatte. „Hatte“ ist das Schlüsselwort. Auch hier ist der Fachkräftemangel zu spüren. Die Öffnungszeiten sind sehr begrenzt und es gibt nur zwei Zeitfenster in denen man sich zum Dinner anmelden kann. Das Restaurant bleibt des öfteren geschlossen da Personalmangel herrscht. Der Service war nicht das, was wir von dem Laden kennen aber das Essen war ok. So sind wir gesättigt und müde nach Hause gefahren. Pollie hat noch ihre Lunchbox für den nächsten Tag gepackt, da für sie die Schule am Montag beginnen würde. Oskar hatte noch einen Tag Schonfrist und dürfe noch mal ausschlafen.
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So schöne Erlebnisse! Wie gerne würde ich euch besuchen kommen. 🥰 😘 Liebe Grüße!
Once again a great story. Can almost feel the Aussie Air. Thanks