Den Umständen entsprechend gut.

Den Umständen entsprechend gut.

März 29, 2020 2 Von Nuroma

Roadtrip Nordinsel von Wellington nach Opotiki.

16.-20.3.20

Wir sind mit den Berichten etwas im Rückstand. Hier kommt schon mal der erste Teil unserer Route von Wellington nach Auckland. (Dort sind wir mittlerweile schon seit einer Woche und es geht uns gut.)

Wie ja schon in einem anderen Post geschrieben, haben wir uns entschieden erst einmal hier zu bleiben und nicht am 26.3. weiter nach Bali zu fliegen oder zurück nach Australien zu fliegen oder vorzeitig nach Hause zu kommen. Vorsorglich haben wir uns rechtzeitig eine Unterkunft nördlich von Auckland vom 26.3. bis zum 11.4. gebucht, um danach weiter zu sehen, wie sich die Dinge hier in Neuseeland so Corona-technisch entwickeln. Und diese Entwicklung schien zunächst sehr langsam und die Situation sehr entspannt zu sein. Den Umständen entsprechend entspannt waren auch wir.

Alle unsere Unterkünfte von Wellington bis nach Auckland waren schon lange fest gebucht und wir waren trotz allem guter Dinger. Pro Tag hatten wir eine Reisezeit von ca. 3 Stunden geplant. Recht ordentlich aber machbar.

Wir waren also mal wieder unterwegs – allerdings diesmal im Auto.. Ein ganz neues Erlebnis für uns und sehr abenteuerlich. All unser ganzes Gedöns war im Kofferraum, auf der Rückbank bei den Kindern und im Fußraum verstaut. Wir hatten völlig unterschätzt und auch verdrängt, dass wir nun keine anderen Staumöglichkeiten mehr hatten und auch keinen Extraplatz fürs Essen. Schon ein kleiner Unterschied zwischen Camper und Auto. Aber bisher haben wir ja noch alles hinbekommen. Auch diesmal, Das Auto war proppevoll bis oben hin.

Am 16.3. morgens haben wir Wellington verlassen obwohl wir gerne noch geblieben wären. Unsere erste Unterkunft war in Palmerston North. Mitten auf der Nordinsel aber recht gut zu erreichen. Auf dem Weg dorthin wollten wir eigentlich das Neuseeländische Stonehenge besichtigen. Es stellte sich leider heraus, dass das montags geschlossen ist. Schade. Da wäre ich gern hingegangen. Es ist eine Maori Interpretation des originalen Stonehenge in England.

Dafür haben wir einen Stopp im Puheka Wildlife Reserve gemacht, da die Kinder unbedingt noch mal Kiwis sehen wollten. Die konnten wir leider nicht in der freien Natur sehen (die Vögel sind nachtaktiv) sondern nur im Kiwi-Haus. Dort konnten wir einen kleinen Albino-Kiwi bei der Futtersuche beobachten. Ein drolliges rundes Federbüschel das wie wild im Boden herumpickte.

Die Kakas haben wir auch noch beobachten dürfen. Die werden dort einmal am Tag gefüttert und haben die Touristen munter von oben mit Glück versehen…

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Wir fuhren durch dichtbewachsene grüne Berge und fühlten uns etwas wie in Hawaii. Es sah schon fast tropisch aus. Herrlich grün und wunderbar anzuschauen.

Als wir endlich in unserer Unterkunft ankamen waren wir etwas verdutzt. Wir hatten mit etwas anderem gerechnet. Unsere Unterkunft befand sich in einem Privathaus in einem reinen Wohngebiet und war ein B&B. Das Badezimmer teilten wir uns mit einem anderen Gast. Abschließen konnten wir unser Zimmer auch nicht. Eine ganz neue Erfahrung.

Unsere Gastgeber waren Hone und Maha, ein nettes Maoripärchen. Im Haus wohnten außerdem noch 3 Gastschüler aus dem nahegelegenen Sportcollege die sie als Gasteltern betreuen und auf das Leben als Leistungssportler vorbereiten. Maha hat ein Moku, eine traditionelle Gesichttätowierung, ist eine sehr imposante Erscheinung und arbeitet als Lehrerin und Hone hat 25 Jahre in der Erwachsenenbildung gearbeitet und kümmert sich nun hauptsächlich um die Vermietung und um den Haushalt. Beide waren total herzlich und haben uns in ihrem Haus wie Familie aufgenommen. So viel Gastfreundschaft überforderte uns ein bisschen nach so langer Zeit des Auf-sich-selbst-gestellt-sein. Zudem machte die Enge des Hauses mit den ganzen Menschen darin einen Abstand fast unmöglich.

Da die Küche sowieso schon voll war haben wir uns kurzerhand entschlossen noch mal Thai essen zu gehen. Eine gute Idee fanden wir alle vier. Als wir nach einem Hausschlüssel fragten, sagten die beiden nur, sie würden nie abschließen. Falls doch mal jemand einbrechen sollte dann würde der/diejenige offensichtlich bedürftiger sein und die Dinge die dringender benötigen als sie. Mal eine ganz andere Sicht der Dinge.

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Wir sind früh zu Bett gegangen und haben eine recht kurze Nacht gehabt. Da wir im Erdgeschoss schliefen und die Familie und die Gastkinder (eher Gastteenies) oben drüber, sind wir um 6 Uhr mit der Familie mit aufgewacht. Das Haus ist halt sehr hellhörig und wir hatten das Gefühl, dass alle durch unser Zimmer laufen.

War ja nur für eine Nacht.

Am Frühstückstisch haben wir uns noch fast zwei Stunden mit Hone über Gott und die Welt unterhalten. Naja, eher über die Maori, die Traditionen und Neuseeland – und ein bisschen die Welt. Das war toll und erinnerte mich sehr an meine Maori-Workshops mit Aunti Wai, Pa Dave und auch Tiki.  Alle drei sind bzw. waren Heiler und haben in Europa Teachings und Workshops gegeben. Ich mag die Art zu denken und die alten Traditionen die immer noch in vielen Familien aufrecht erhalten werden.

Hone erzählte aber, dass die Regierung und die Pakeha (die Weißen) leider nicht genug auf die Erfahrung und das Wissen der Maori hören und zurückgreifen und dass er das besonders im Bildungssektor erfahren hat. Vor ein paar Monaten hat er dann beschlossen seinen Job aufzugeben, da er genug vom Kampf gegen Windmühlen hat. Sehr bemerkenswert. Unsere Unterhaltung war insgesamt sehr inspirierend und beschwingt und mit viel neuem Input sind wir an die Küste zur Artdeco-City Napier gefahren.

Dort war unsere Unterkunft sehr ernüchternd. Da ich nach günstigen Zimmern, Motels oder auch B&Bs geschaut habe ist mir das Ambiente wohl durchgerutscht. Wir sind im Spanish Lady Sunset Motel gelandet. Was soll ich sagen: Der Name ist Programm. Ein etwas heruntergekommenes Motel aus den 70er Jahren im shabby Look. So schräg das es schon wieder cool war. Beim Betreten der Unit herrschte erst mal betretenes Schweigen – auch von Kinder Seite. Dann haben wir uns schnell berappelt und haben die Vorteile gesehen. Es gab nämlich insgesamt 4 Schlafmöglichkeiten und Oskar hat darauf bestanden mal wieder alleine im Zimmer schlafen zu können. Dann zwar im Wohn-Ess-Bereich aber das war ihm total egal.

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Die Temperaturen sind im Laufe der letzten Tage gesunken und es war im Raum empfindlich kühl so dass wir das erste Mal die Heizung angeschaltet haben.

Nachdem die Kinder drinnen ultraschnell einen Lagerkoller mit Weinen und Schreien  bekamen sind wir gaaaaanz schnell raus und in die Stadt bzw. an die Promenade gefahren und spazieren gegangen. Hilft ja immer um die Nerven zu beruhigen – von allen.

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Es wird auffällig leerer. Auf den Straßen und auch in den Städten. Der Besitzer des Motels beklagte auch viele Stornierungen da seit dem 16.3.2020 alle Sport- und Großveranstaltungen abgesagt wurden. Auch private Feiern über 100 Personen wurden untersagt. Das wird wohl erst der Anfang sein. Die Infektionszahlen sind bisher bei 4 Fällen Neuseelandweit gewesen.  Aber die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt ja eine schnelle Entwicklung.

Am Mittwoch führte uns die Route ins Teletubbie-Land. Wir fuhren ewig lang durch grüne geschwungene Hügellandschaften und konnten uns daran gar nicht sattsehen. Unterwegs sind wir dann auf einer Landstraße mitten in eine Schafherde gekommen und waren umringt von hunderten von Schafen. Unsicher was wir nun tun sollten leitete uns der Schäfer an, einfach langsam weiter zu fahren. Was wir auch taten. Das war wie im Film und ein sehr neuseeländisches Erlebnis.

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Wir hatten mitten im Nichts einen Farmstay gebucht. Das Haus lag in unmittelbarer Nähe eines Schafscheererschuppens und diente wohl auch als Unterkunft für selbige.

Es gab 2 Schlafzimmer. Eines mit 4 Doppelstockbetten und eins mit 2 Einzelbetten.

Da wir mitten in den Bergen und die Räume wohl schon länger nicht benutzt wurden hatte unsere Vermieterin uns netterweise auch schon die Heizung angestellt und den Ofen in der Küche vorbereitet. Ich, als Pyromanin der Familie, habe das Ding auch gleich angefeuert damit es wärmer in der Bude wurde. Man muss sich das Haus so vorstellen: einfach gemauert, nicht isoliert und Fenster schließen nicht richtig so dass es munter durch die Ritzen zieht.

Wir haben uns unsere dicken Socken und mehrere Lagen an Klamotten angezogen und unter Decken gekuschelt. Außerdem haben wir für den Abend die Wärmflaschen aktiviert um die Betten vorzuheizen.

Der Blick aus jedem Fenster aus jedem Raum war phantastisch. Hügel, Kühe und Schafe so weit das Auge reichte. Mittendrin im Teletubbieland waren Vogelgeschwitscher, Muhen und Mähen so ziemlich die einzigen Geräusche die wir hörten. Abgesehen von den Viehtransportern die die Straße hoch und runter fuhren. Das kleine Häuschen gehörte zur Mahaanui Station einer 615 Hektar großen Viehfarm die voll im Betrieb ist.

Da es keine Straßenbeleuchtung gab war es nachts richtig dunkel. So richtig dunkel. Die Kühe muhten die ganze Nacht durch (wie die Vermieterin uns später erzählte, wurden am Tag zuvor die Kühe von ihren Kälbern getrennt). Trotz des Gemuhes haben wir alle seit langem mal wieder richtig gut geschlafen.

Als aller erstes habe ich morgens den Ofen angeheizt denn die Temperaturen in der Wohnküche waren so wie die draußen – geschmeidige 9 Grad. Bis der Ofen die Küche wärmte krabbelten wir zurück in unsere Betten.

Der Sonnenaufgang war unbeschreiblich. Oskar und Christian haben wie verrückt aus den Fenstern heraus fotografiert und sind immer wieder herausgelaufen um Fotos zu machen. Es war aber auch zu schön. Wie der Nebel sich über den Bergen waberte und als die Sonne langsam aufging war es zum verrückt werden schön. (Die Menge an Fotos belegt das eindeutig).

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Leider mussten wir um 11 Uhr schon wieder los um zu unserer nächsten Station in der Bay of Plenty zu fahren. Endlose auf und ab führende Serpentinen führen uns durch den dichten Regenwald des Urewera Nationalparks. Zwei Fotostopps mit kleinen Wanderungen und eine Auffrischung des Vorrates beim Supermarkt in Opotiki (Hier waren übrigens Pasta, Reis, Haferflocken, Kartoffeln, Cornflakes und Haferflocken sowie sämtliche Reinigungsmittel ausverkauft.) sind wir in unser Domizil für die nächsten zwei Tage angekommen. Hier wollten wir Freunde treffen die im Urewera Nationalpark in der Nähe von Whakatane wohnen.

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Die gebuchte Unterkunft war auch eine kleine Überraschung. Wir hatten ein Familienzimmer mit privatem Badezimmer gebucht. Das entpuppte sich als sehr rustikal eingerichtete Cabin mit Badezimmer das in einem Extragebäude lag ebenso wie die Küche, die auch im Außenbereich lag. Ein bisschen so wie auf einem Campingplatz. Nach dem ersten Schock haben wir uns schnell gefangen. Das Ganze war traumhaft gelegen und hatte direkten Zugang zum Strand. Der wiederum war irre lang und voll mit Muscheln und wunderschönem Treibholz. Vom Strand aus hatten wir einen tollen Blick auf den noch sehr aktiven Vulkan Whakaari (White Island) in der Bay of Plenty. Der räucherte munter vor sich hin und ist unlängst ausgebrochen. Dabei sind im Dezember 2019 mindestens 8 Leute umgekommen die am Krater Wanderungen gemacht haben.

Unsere Gastgeber Titihuia und Alan waren sehr nett und hilfsbereit und freuten sich sehr darüber, dass Oskar bei seinen Spaziergängen Müll gesammelt hat. Und das nicht nur einmal. Er hat insgesamt vier Mal Tütenweise Glas und anderen Kram mit nach Hause gebracht. Sehr zur Freude von den beiden die sich überschwänglich dafür bedankten.

Es gab hier jede Menge Boogieboards und auch Surfboards die wir uns einfach leihen konnten. Oskar und ich haben uns morgens Boards geschnappt und haben unser Glück versucht. Bei mir ist es beim Versuchen geblieben. Das Board das ich hatte war zwar total cool nur leider für mich als Anfänger zu klein. Ein Longboard wäre wohl besser gewesen. Wir hatte trotzdem jede Menge Spaß und das Wasser war auch gar nicht so kalt. Der Temperaturunterschied zur Südinsel ist schon erheblich und erfreulich für uns.

Leider hat das mit dem Treffen mit Tekahanuku und seiner Familie nicht geklappt da sich die beiden nicht rechtzeitig zurückgemeldet haben. Schade. Wir hatten uns sehr auf ein Wiedersehen gefreut. So haben wir einen kleinen Trip nach Opotiki gemacht. Das Örtchen wirkte wie ausgestorben und es war etwas spooky. Fast deprimierend. Auch die Menschen waren lange nicht so freundlich wie wir es bisher hier erlebt haben. Wir haben in zwei Op-Shops gestöbert und noch ein paar warme Klamotten und ein Puzzle für die bevorstehenden Wochen erstanden und sind schnell wieder in unsere Enklave am Strand gefahren.

Alan hatte Oskar und mich für den Abend eingeladen eine Tour mit seinem Buggy am Strand zu machen und noch mehr Müll zu sammeln. Alan ist farbenblind und übersieht bei seinen Touren am Strand die ganzen bunten Plastikteile. Daher wollte er uns mit dabei als Unterstützung haben. Wir haben fette Beute gemacht. Das größte Fundstück war ein Autoreifen den wir mit einer Kette und dem Wagen herausgezogen haben.

Außerdem hatte Oskar am Vormittag ein großes Warnschild an der Lagune gefunden, das am Eingang vom Strand steht und schon seit zwei Wochen fehlte. Am Ende unserer Tour haben wir das Schild noch beim Strandwächter abgegeben. Na der wird sich freuen dass das Schild wieder da ist.

Belohnt wurden wir mit einem superkitschigen Sonnenuntergang im Fototapetenlook.

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Der Rest der Fahrt vom 20.-24.3.20 folgt in Bälde.