Camping in Kanada
Camping in Kanada scheint eine eigene Religion zu sein. Wir staunen jeden Tag über die Besonderheiten und Abstrusitäten, die uns auf den Campsites begegnen.
Je größer desto, ja was? Die RVs, so werden die Wohnmobile hier genannt, kennen kaum eine Größenbeschränkung oder Grenze. Wenn wir dachten, dass wir mit einer recht großen Kiste (ca. 8 Meter lang) unterwegs sind, wurden wir schon an der Abholstation eines Besseren belehrt. Während wir munter unser neues Zuhause einräumten, fuhren zwei bis drei vieeeeel größere Teile an uns vorbei. Also richtig groß! Zwei davon mit extra Anhänger auf dem ein kleines Auto stand. Es gibt aber auch Wohnwagen in der Größenkategorie, die werden dann von truckartigen Gefährten gezogen, für die man bestimmt in Deutschland einen LKW-Führerschein benötigt. Das Irre ist, dass die Dinger nicht nur lang, breit und hoch sind, sondern auch noch ausklappbar zu den Seiten. Wow. Da bekommt das Wort: mobiles Zuhause noch mal eine ganz andere Bedeutung.
Wenn man hier über einen Campground geht, ist dass ein wenig wie auf einer Messe für Highend-Campingausstatter. (Jedenfalls stelle ich mir das so vor)
Natürlich gibt es auch die ganz normalen Zelte und kleineren oder mal mini Wohnwagenmodelle. Dann ist aber auf alle Fälle ein Profi-Outdoor-Grill, eine große Kühlbox und in manchen Fällen eine Wasserfilteranlage dabei.
Auf vielen Campgrounds gibt es, wie überall auf der Welt, Dauercamper – auch hier sehr beliebt. Dann stehen vor den Trailern, Zäune, festinstallierte gezimmerte Veranden mit kompletter Wohnzimmereinrichtung. Gartenzwerge, Engel, Flamingos und künstliche Blumen haben wir auch schon gesehen.
Die Krone hat dem ganzen ein Platz in Batiscan aufgesetzt, auf dem wir mal wieder, den letzten Platz an dem letzten Wochenende der Ferien bekommen haben.
Unglaublich. Wir waren sprachlos und staunten nur fassungslos um uns herum. Die Leute fuhren mit Kind und Kegel (und oft mit Hund) mit Golfcards durch die Gegend. (Wahrscheinlich zum Toilettenhäuschen oder zum Waschen, wer weiß das schon). Es fuhr eine Bimmelbahn über das Gelände und ein Wagen mit Lautsprecherdurchsage für die anstehenden Aktivitäten herum.
Englisch war Fehlanzeige und Freundlichkeit auch. Auf ein freundliches Bonjour und ein Lächeln kam rein gar nichts zurück. Wir wurden argwöhnisch beäugt in der, wohl eingefleischten, Camperkommune. Das war ein Tag, an dem ich mich nach Hause gewünscht habe. „Scotti beam me home, pronto bitte“ Die Kinder fanden es nicht ganz so schlimm, da es dort eine Menge Spielplätze, eine Wasserrutschlandschaft und einen künstlichen See mit Strand gab. Ich war heilfroh, als wir das Gelände wieder verlassen haben.
Und neulich sind uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als der Typ von gegenüber seinen Wohnwagen per Fernsteuerung aus seinem Stellplatz manövriert hat und nebenher gegangen ist – wie Gassi gehen. Es stellte sich später heraus, dass er drei Plätze weiter gezogen ist. Wie abgefahren ist das denn, bitte?
Auf einem anderen Platz, einem Family Parc irgendwo im Nirgendwo, fuhren ein paar kleine Mädchen mit einem pinken Elektroauto durch die Gegend. Also zum Spielplatz, zum Pool und zur Hüpfburg. Mädchen im Alter von 5/6 Jahren. Kreisch. Da mussten wir zweimal hinkucken, und uns die Augen reiben. Unfassbar. Selbst Pollie und Oskar fanden das etwas eigenartig und beabachteten das Treiben staunend mit offenem Mund.
Wir haben hier aber auch schon wirklich schöne Plätze gehabt. Unser Favorit ist der Platz von Capitan Hommard, der direkt am Strand liegt. Dicht gefolgt von dem Nationalpark Kouchibouguac und dem von der Weinverkostung bei Mont Joli. Aber auch der letzte den wir die letzen beiden Tage vor Toronto hatten war toll. Direkt am Lake Ontario mit Blick aufs Wasser.
Preis- und Ausstattungstechnisch gibt es auch so einige Unterschiede und die Preise pro Übernachtung variieren von 30 bis 90 Dollar die Nacht. Wobei wir die total übertriebenen 90 Dollar notgedrungen zahlen mussten, da auf unserer Strecke von Montréal nach Toronto auf der Höhe Kingston nur noch ein Platz da war, der einen Late-Night-Check-in hatte. (Wir waren mal wieder sehr spät dran.)
Das war ein KOA-Campground, der von der Ausstattung nicht schlecht war, aber auch nicht besser als andere Campgrounds, auf denen wir waren und weitaus weniger bezahlt haben.
A propos Ausstattung. Um mal ein Bild von der Ausstattung unseres Campers zu bekommen:
Wir haben jeder ein Set Bettwäsche und Handtücher bekommen. Wir haben 4 Hartplastikbecher, 4 Kaffeebecher, 5 flache Teller (seit gestern nur noch 4) und 4 Müslischalen, 1 Pfannenwender, 1 Kelle, 1 Dosenöffner (der nicht funktioniert), 1 großes Messer (leider stumpf), 1 kleines Messer (noch viel stumpfer), je 4 Mal Messer, Gabel, kleine und große Löffel, 2 Bratpfannen, 2 Töpfe, 1 Nudelsieb, 1 Salatschüssel und 1 Teekessel. Die Messer hat McGyver mit einen Stein geschärft, den Oskar aus einem Fluss mitgenommen hat.
Dazu Geschirrhandtücher, die nicht trocknen und natürlich der Besen, ohne den hier nichts gehen würde. An das leicht Schmuddelige und Sandige habe ich mich so langsam nach 3 Wochen gewöhnt. Nützt ja nix – wir haben ja noch weitere 12 Wochen im Camper vor uns. Das war jetzt nur die Aufwärmphase.
Dazu gemietet haben wir uns dann noch einen Toaster, ohne den auch nicht geht. Das Brot ist so labberig, das man es nicht ungetoastet essen kann.
Pollie fragte schon vor einer Woche, wann es denn mal wieder richtiges Brot geben würde. Ach ja, das dauert wohl noch etwas länger, bis es wieder Brot von Schröder, Thräm oder Effenberger gibt. Vielleicht backen wir ja in Australien, wenn wir mal wieder Zugriff auf eine komplette Küchenausstattung haben.
Wir sind gestern in Toronto angekommen.
Bericht der Fahrt hierher folgt in Kürze.
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Uiuiuiu
DAS hat mit campen nicht viel zu tun, oder?
Jesus. Irgendwie sind die Campingausflüge in meiner Erinnerung mehr so improvisierte Love & Peace Veranstaltungen gewesen, nicht Bigger, Faster & Higher…okay, Luft nach oben ist immer. Dabei hätte ich gedacht, die Kanadier sind Ihren amerikanischen Nachbarn, was Nachhaltigkeit angeht, eine Nase voraus . In Sachen „mein Camper, der Camper meiner Kiids, etc., scheint das nicht der Fall zu sein.
Nichtsdestotrotz , genießt die Augenblicke😉
Und ich wünsche Euch, dass Ihr bald wieder lecker Brot zwischen die Zähne bekommt🙏🏻
Hier trudelt inzwischen eine Art Indian Summer alias Herbst ein….
Liebste Grüße
Katja
Ich finde euren Camper am schönsten! Aber da kann man schon staunen! Bin schwer beeindruckt (im negativen), aber glücklicher Weise hat Canada ja auch wunderschöne Seiten (wo du uns ja so schön dran teilhaben lässt).
Wir drücken euch und ich werde Milou mal morgen die Bilder zeigen. Viele Küsse xx
Sind die Kinder schon gewachsen ? Die Beiden sehen so groß aus , auf den Fotos…..
Auf dem einen Camper steht Sanibel, vielleicht hättet Ihr mal reingehen sollen, da gabs bestimmt lecker Cocktails ( in Gedenken an Die Höfen ,-)