Bye bye Camper
14.-26.11.2019
Von Burleigh Heads nach Melbourne.
Es herrscht totale Trockenheit auf dem roten Kontinent. Obwohl wir nach wie vor an vielen grünen Orten und Gegenden vorbeikommen ist es knochentrocken. Und das fast überall. Die Auswirkungen spiegeln sich unter anderem in Wasserrestriktionen und Firebans wider. Überall stehen Schilder auf denen das Feuerrisiko angezeigt wird. Und fast überall steht der Pfeil bei hoch oder sehr hoch. Auf den Campingplätzen wird darum gebeten sich mit dem Duschen kurz zu halten. Drei Minuten lautet die Empfehlung. In einigen Städten ist die 4. Stufe der Waterrestriction schon in Kraft getreten. Die Einschränkungen im Gebrauch mit Wasser variieren je nach Territorialgebiet und Staat. Das bedeutet zum Teil: keine Blumen oder Rasen wässern (nur mit Grauwasser), kein Fensterputzen, kein Auto waschen, keine Pools füllen. Dementsprechend traurig und vertrocknet sehen in vielen Orten die Gärten und Grünstreifen aus. Und es heißt natürlich auch sorgsamer und verantwortungsvoller Umgang mit Trinkwasser.
Die Trockenheit endet im Ernstfall oft in Feuer. Allerdings liegt die Ursache für die meisten Feuer in der Dummheit und verantwortungslosem Handeln einiger Menschen. Und einigen Fällen ist auch Brandstiftung der Grund für die Feuer. Warum in aller Welt kommt man darauf zu zündeln, wenn es solch verheerende Ursachen für Flora und Fauna und für die Existenz von Menschen haben kann?
Seit dem wir in Burleigh Heads waren sind wir fast täglich mit dem Rauch der durch die Feuer entsteht konfrontiert. Und manchmal war das ganz schön bedrückend und beklemmend, wenn man auf dem Highway kilometerlang durch dichten Rauch gefahren ist. Da konnte man die Gefahr fast körperlich spüren. Vor allem, wenn wir durch Gebiete gefahren sind, in denn alles schwarz und verkohlt war und in denen es vereinzelnd noch qualmte. Auch die Kinder wurden dann ganz still. Dank einer App vom NSW-Fire-Department konnten wir alle Feuer in unserer Umgebung und auch landesweit sehen und uns über möglich Sperrungen von Highways oder Landstraßen informieren.
Nach unserer Stippvisite in Brisbane sind wir also am 14.11. nach Burleigh Heads an der Gold Coast gefahren um dort Lisa und Andrew zu besuchen. Wir kennen die beiden mittlerweile seit 20 Jahren, seit dem wir das erste Mal zusammen in Australien waren. Bei jedem Besuch in Australien sehen wir uns, egal wie. Irgendwie bekommen wir das hin. Die beiden sind von Melbourne aus an die Gold Coast gezogen – nicht nur wettertechnisch total nachvollziehbar. Zuletzt haben wir die beiden in Bremen gesehen als sie uns dort vor zwei Jahren besucht haben.
Eigentlich hatten wir nur zwei Tage dort eingeplant, sind aber, weil es so nett bei ihnen war, gleich drei Tage geblieben. Die beiden wohnen direkt an der Esplanade in einem Wohnhaus im 11 Stock mit unfassbar schönem Blick aufs Meer und die Bucht. Hach, da wären wir auch gern noch länger geblieben. Die beiden wollten nichts davon hören, dass wir im Camper schlafen und sie mussten uns auch nicht großartig überreden für die Tage bei Ihnen zu übernachten. Das war toll mal wieder in einem echten Bett zu schlafen. Einfach herrlich morgens aufzuwachen ohne die Sprungfedern am ganzen Körper zu spüren.
Auch die Kinder waren ganz happy mal wieder in einem echten Haus zu schlafen. Noch glücklicher waren sie allerdings mit Webber, dem Labrador der beiden. Er schien auch recht glücklich über den Besuch zu sein, denn er wich den Kinder kaum von der Seite. Nachts kam er an ihre Luftmatratzen um sich zu vergewissern, dass sie noch da sind.
In der ersten Nacht erschreckte sich Pollie so sehr darüber, dass sie nur nach langem und sehr gutem Zureden wieder in ihr Bett krabbelte. Die nächsten Nächte war dann Webber nicht mehr ganz so aufgeregt und ließ die Kinder schlafen.
Die Tage haben wir mit Strandspaziergängen, Surfen (wir hatten eine 2-stündige Surf-Stunde zu Dritt), Boogiboarden, noch mehr Strandspaziergängen, viel Reden und Essen verbracht und uns wirklich sehr gefreut Lisa und Andrew wiederzusehen.
Gern wären wir noch geblieben doch unsere Agenda trieb uns weiter Richtung Melbourne und wir haben die beiden am 17.11. nachmittags verlassen um die Nacht im nur 50 km entfernten Brunswick Heads zu verbringen. Auf dem kurzen Weg dorthin haben wir die Grenze zu New South Wales überquert und waren mir nichts dir nichts eine Stunde weiter in der Zeit. Queensland ist zwar auf dem gleichen Längengrad von NSW und Viktoria, verzichtet aber auf die ‚Daylightsavings’ also die Umstellung von Winter auf Sommerzeit und umgekehrt.
Über den Nachmittag zogen bereits verheißungsvolle Regenwolken am Himmel auf, die sich gegen Abend immer mehr verdichteten und sich nachts mit Blitz und Donner leerten. Endlich Regen. Das brauchte die Region so dringend. Allerdings war es nur ein kurzes Gastspiel und am nächsten Morgen schien wieder die Sonne und der Regen schien gar nicht da gewesen zu sein. Lange her, dass wir uns über Regen gefreut haben.
Wir sind frisch und munter am nächsten Tag um 10 Uhr losgedüst um in Byron Bay zu stoppen und zu shoppen. Dort in der City angekommen war unsere Laune, die noch eben gut gewesen war, schlagartig im Keller. Zu viele Touristen und Staus überall auf den Straßen, was vermutlich in so einem Touristenort normal ist. Wir waren urplötzlich agro und mies drauf. „Schnell weg!“, dachten wir nur und sind fix zum Cape Byron Lighthouse gefahren, dem östlichsten Punkt Australiens. Da war es schön. Und recht leer. Nach einem Spaziergang dort und unserem obligatorischen zweiten Frühstück sind wir weitergefahren nach Lennox Head, einem verschlafenen alternativen Örtchen an einem der 7-Mile-Beaches. Hier waren wir im Opp-Shop, im Eisladen und sind anschließend noch schnell am Strand schwimmen gewesen.
Das Wasser war kühl und erfrischend und die Strömung nicht Ohne. Wir haben uns in die Wellen gestürzt und sind gut durchgespült worden. (Den Sand haben wir trotz Stranddusche noch abends an diversen Körperteilen wiedergefunden.)
Im Anschluss an die Abkühlung stand noch ein Einkauf bei unserem Lieblingsdiscounter ALDI auf dem Programm (Uns gingen die Spekulatius aus.) sowie ein Besuch des Visitorcenters der Thursday Plantation, der ältesten Teebaum-Plantage und Hersteller diverser Produkte des nützliches Teebaumöls. (Natürlich inklusive Einkauf.)
Bei so viel Programm haben wir auf dem Campground in Evans Head nur noch einen Strandspaziergang geschafft und ein flottes Abendessen.
Und dann gab es Ameisenalarm im Hochbett. (Klingt etwas wie ein Titel der Drei Fragezeigen…) Ausgerechnet auf Pollies Seite, sie ist von den sechsbeinigen Insekten nicht wirklich angetan, wimmelte es nur so von Ameisen. Notdürftig haben wir die Tiere entfernt so dass Ruhe in unserem Schuhkarton einkehren konnte.
Am nächsten Morgen beim Einpacken und Aufräumen hörte man vom Hochbett nur entsetztes Quieken – die Ameisen waren wieder da, diesmal mit mehreren Hundertschaften. Schön war das wirklich nicht. Nach dem Auschecken sind wir auf den nächsten Parkplatz und haben das Nest, das sich unter der Matratze befand eliminiert. Nicht nett, aber notwendig, denn wir hatten ja immer noch sieben Tage vor uns in dem Camper.
Von Evans Head sind wir mit einem Zwischenstopp in Grafton weiter nach Nambucca Heads gefahren. Grafton ist wegen seiner Yaccaranda-Baum-Alleen bekannt. Die Bäume blühen wunderbar blau-lila und das im Oktober/November. Leider war es viel zu trocken in Grafton und fast alle Bäume waren verdorrt und braun. Der Zwischenstopp hat sich dennoch gelohnt denn das Städtchen ist recht alt und sehr charmant mit seinen vielen historischen Gebäuden. Nach einem weiteren Stopp an der ‚Big Banana’ in Coffs Harbour haben wir uns auf dem Campingplatz eingefunden und mit unserem Nachmittagsprogramm begonnen: Schularbeiten, Wäschewasche, Aufräumen und Kochen. Klingt spannend oder? Fast wie zu Hause. Die Routine hilft uns aber dabei nicht ganz zu verlottern.
Auf den nächsten Tag freute ich mich schon sehr. Freunde, die ich letztes Jahr auf einem Workshop in Deutschland kennen gelernt habe sind auch zur gleichen Zeit in Australien und leben und arbeiten für ein paar Monate auf einer Farm in Willina. Mit denen wollten wir uns in Forster treffen, um dann gemeinsam auf die Farm zu fahren und dort zu übernachten.
Wir waren zusammen schwimmen, sind zu einer Düne spazieren gegangen und haben auf dem Weg dorthin an den Klippen entlang Delfine gesehen. Anschließend waren wir zusammen für das Abendessen einkaufen, um dann aufs Land zu fahren.
Ach, war das schön dort. Mitten im Nirgendwo haben wir auf dem Bergplateau unseren Camper bei friedlich grasenden Kängurus geparkt. Wir haben leckeres BBQ gemacht und bis spät in die Nacht gequatscht.
Am nächsten Morgen (es war plötzlich alles wieder voll Rauch, da hat wohl der Wind wieder gedreht) haben wir mit Ihnen gefrühstückt, weiter gequatscht und einen Rundgang über die Farm gemacht. Im letzten Jahr haben sie eine Hütte auf dem Grundstück gebaut und machen bei ihrem Aufenthalt jetzt den Innenausbau.
Leider konnten wir nicht bleiben, da wir in den nächsten fünf Tagen noch schlappe 1000 Kilometer schaffen mussten.
Die erste große Etappe und Etappenziel nach 250 km war Sydney. Dort haben wir am nächsten Morgen im Botanischen Garten geparkt und sind zum Sydney Operahouse gelaufen, haben eine Runde herum gedrehtund sind schnell zum legendären Bondi Beach gefahren. Leider hatte sich der Himmel bis dahin schon komplett zugezogen und es wehte eine steife Brise. Außerdem wehte keine Lifeguard-Flagge am Strand: No flag – no swim. Zudem war das Wasser auch so kalt, dass keinem von uns nach einem Ausflug ins Wasser war. Pollie verlangte sogar nach ihrer Daunenjacke und fror wie verrückt. Wir haben uns dann auf den Weg durch den Stau der Großstadt auf den Princess Highway nach Ulladulla gemacht. Die Fahrzeit betrug 4:30 Stunden für 220 km. Puuuuhhh, das dauert!
Der 23.11. war unser vorletzter Tag im Camper. Wir hatten uns entschlossen eine Übernachtung früher, also schon am 25.11. in Melbourne anzukommen um bei Thorsten (Christians Bruder) und seiner Familie zu übernachten. Dort wollten wir den Camper entspannt auszupacken und säubern.
So haben wir uns für diesen Tag eine Strecke von 250 Kilometern vorgenommen. Unsere Mittags- und Auslüftungspause haben wir mit einem Zwischenstopp beim ‚Australia Rock’ verbunden. Das ist eine Felsformation mit einem Loch in der Mitte das wie der Australische Kontinent geformt ist. Außerdem hatten wir eine sehr erfolgreiche Muschelsuche am Strand. (Die Kinder haben die schönen Schätze aus dem Meer eimerweise in den Camper geschleppt. Allerding unter der Prämisse diese am Abend auszusortieren.) Nach einer 3,5 stündigen Fahrt sind wir in Eden angekommen. Dort waren es nur noch 23 Grad und wir Frostis haben das erste Mal seit Wochen lange Hosen und Pullover getragen. Je weiter wir nach Süden kommen, desto kühler (für Australische Verhältnisse) wird es.
Nach einem Strandspaziergang, mit Muschelsuchverbot, ging auch dieser Tag zu Ende.
Letzte Station: Lakes Entrance. Der Tag hatte es in sich – jedenfalls für mich. Das Eis, das wir am Tag zuvor hatten, schien mir nicht bekommen zu sein. Ich bin mit Kopfschmerzen und Übelkeit aufgewacht und mein Magen spielte verrückt. Es wurde auch im Laufe des Tages nicht besser und wir sind die 3 Stunden in einem Rutsch nach Lakes Entrance durchgefahren.
Ich habe mich nur noch hingelegt und geschlafen, geschlafen und geschlafen. Die Kinder waren im Pool, auf dem Spielplatz und haben in ihren Aufgabenheften gearbeitet. Und das ohne Murren und Knurren. Anschließend ist Christian mit ihnen Eis essen gewesen während ich weiter geschlafen habe. Die Drei haben auch das Abendessen zusammen gekocht. Aber auch das mussten sie leider alleine verdrücken, denn? Richtig, ich habe geschlafen.
Am nächsten Tag, am Montag, den 25.11. war ich dann allerdings wieder fit. Wir sind bei sehr frischen 12 Grad aufgewacht. Brrr, das war eindeutig zu kalt, vor allem in der Nacht und besonders für uns. Außerdem roch es schon wieder nach Rauch. Anscheinend ist in der Nähe ein Buschfeuer ausgebrochen, zumindest sahen wir große Rauchwolken über den angrenzenden Bergen, als wir wieder unterwegs waren.
Um 10 Uhr waren es immerhin schon 16 Grad und wir traten unsere letzte Tour im Camper an. Ich muss gestehen, dass da ein mittelgroßes endlich dazugehört. Nach nunmehr 12 Wochen im Camper (einschließlich der Zeit in Kanada und den USA) sind wir sehr, sehr campermüde und freuen uns auf eine immobile Pause in vernünftigen und herkömmlichen vier Wänden.
Mit einem Tank und Einkaufstopp in Traralgon mit plötzlichen 31 Grad und der Weiterfahrt über Warralgul (30 km weiter und auf einmal wieder 9 Grad kühler) haben wir unser Ziel um 17 Uhr erreicht. Hipp hipp hurray!
Unsere Nichte Indira, die so alt ist wie Pollie war schon zu Hause und gab uns eine Hausführung. Als wir vor 5 Jahren das letzte Mal hier waren stand noch das alte Haus da. Das war eindeutig zu klein für vier Personen und wurde vor anderthalb Jahren abgerissen und neu gebaut. (Ein sehr beliebtes Verfahren, da die Grundstückspreise sehr hoch sind und das An- und Ausbauen oft teurer ist als neu zu bauen.)
Nach und nach trudelte auch der Rest der Familie ein. (Für Nichtwissende: Zum australischen Part der Familie gehören: Thorsten (Christians älterer Bruder), Shala (seine Frau), Zaleha (älteste Tochter, 13 Jahre) und Indira (jüngste Tochter, 8 Jahre).
Die Kinder haben sich sofort zusammengefunden und miteinander gespielt und Spaß gehabt. Und auf einmal konnten unsere Kinder Englisch sprechen. Juchuuuu! Dann waren die letzten 10 Jahre bilingual doch nicht ganz vergebens.
Den Abend haben wir entspannt zusammen verbracht und sind müde und glücklich in wundervoll bequeme Betten gefallen.
Am Dienstag haben Christian und ich den Camper ausgeräumt und geputzt während sich die Kinder mit Basteln und Malen beschäftigten. Es gab so viel auszuprobieren und zu entdecken in der neuen Umgebung. Die Cousinen waren in der Schule. Und so hatten die Kids sturmfreie Bude und vollen Zugriff auf alle Spielsachen.
Und dann hieß es „Bye bye Camper“, es war schön mit dir und es ist jetzt auch schön dich abzugeben!
Christian hat ihn zur Camperstation gebracht und sich danach mit Thorsten in Melbourne City getroffen und ein Bierchen darauf getrunken. Cheers.
Wie immer: Fortsetzung folgt.
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Ihr Lieben!
Puh, so tolle Fotos! Und puh: Wir vermissen euch ganz doll!!!!
Dicken Knutscher an euch von Luuk&Sandra