Aus die Maus.
Waiwera–Bremen
17.5.-25.5.
Auch wenn unsere Reise vorbei ist wollen wie euch unsere durchaus illustren Erfahrungen vom Rückflug nicht vorenthalten. Es ist der letzte Bericht der Reise. Vielleicht folgt aber noch einmal der ein oder andere Beitrag hinterher. Mal sehen.
Los geht der Bericht am Sonntag, den 17.5. unserem Abreisetag. Ein letztes Auf- und Ausräumen, Doppel- und Dreifachcheck von Schränken, auf und unter Betten, in der Waschküche und allen anderen Staumöglichkeiten. So schnell werden wir wohl nicht zurückkommen, falls wir etwas vergessen haben.
Wir schienen alles dabei zu haben. Unsere restlichen Lebensmittel haben wir an Oliver, Angella und Gloria von unten weitergereicht. Die drei haben ja noch eine ganze Zeit in Neuseeland bis sie zurück nach Hause können.
Ngaire, Max und Minnie kamen vorbei um zu winken. So sind wir alle noch mal zusammen an ‚unseren’ Strand und haben uns ein weiteres Mal verabschiedet.
[ngg src=“galleries“ ids=“241″ display=“basic_thumbnail“]Und dann ging es wirklich und in echt los zum Flughafen nach Auckland. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl mich von außen zu beobachten, denn es fühlte sich total merkwürdig an, dass wir tatsächlich nach Hause fliegen sollten. Wir fuhren quer durch Auckland und genossen noch einmal die Aussicht mit blauem Himmel.
[ngg src=“galleries“ ids=“242″ display=“basic_thumbnail“]Je näher wir dem Flughafen kamen desto leerer wurde es auf den Straßen. Kaum noch Autos, Busse, Taxis oder Menschen. Unseren Mietwagen haben wir auf einem menschenleeren Parkplatz vor dem Flughafen abgestellt. Überhaupt wirkte alles wie ausgestorben. Keine Menschenseele zu sehen. Bei Betreten des Flughafens wurden unsere Papiere und Reisedaten überprüft. Sehr unheimlich. So einen Geisterflughafen haben wir noch nie gesehen. Bis auf unseren Check-in-Schalter war alles abgesperrt und völlig verlassen.
Der Check-in dauerte etwas länger als sonst, da unsere Papiere gefühlt dreimal überprüft wurden. Die nette Dame am Schalter ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und händigte uns nach einer gefühlten Ewigkeit unsere Boardkarten aus. Etwas erleichtert waren wir schon, als wir ohne Komplikationen durchgecheckt wurden. Auch unser Gepäck wurde bis nach Frankfurt durchgecheckt. Das hätte ich unter keinen Umständen noch mal wieder durch die Gegend karren oder schleppen wollen. Wir haben mit Qatar Airlines nämlich pro Person 30 Kilo Freigepäck. Und: wir haben es gnadenlos ausgereizt. (Allein an Muscheln und anderen Souvenirs aus der Natur waren 6 Kilo dabei – habe ich nachträglich gewogen)
Während unserer Wartezeit in der Schlange schnappten wir so einiges auf von den Leuten in der Reihe hinter uns: dass sie ihre Flüge nicht antreten konnten, weil sie nicht nach Australien einreisen durften. Von kurzfristigen Stornierungen, die erst am Flughafen bekanntgegeben wurden. Von Leuten, die nur mit Handgepäck unterwegs waren und ihr Gepäck zurückgelassen haben oder von anderen die erst einen Tag zuvor ihr Wohnmobil verkauft haben. Vorrangig befanden sich Deutsche in der Warteschlange. Aber auch Franzosen, Australier und Polen konnten wir sprachlich ausmachen.
Spooky ist das Wort was den ganzen Rückflug wohl am Treffensten beschreibt. Der ganze große Flughafen in Auckland war verlassen. Nur die paar Leute, die mit uns in den Flieger nach Sydney steigen wollten lungerten dort herum. Die meisten mit Masken.
[ngg src=“galleries“ ids=“243″ display=“basic_thumbnail“]Ausgebucht war der Flug nicht. Erstaunlicherweise herrschte an Bord keine Maskenpflicht und auch nicht alle Flugbegleiter von Air New Zealand haben auf dem 3.5 Stunden langen Flug Mundschutz getragen. Naja, in Neuseeland gab es ja auch in den letzten Wochen kaum noch Neuinfektionen, da war anscheinend nicht viel zu befürchten.
In Sydney auf dem Flughafen wurden die Passagiere in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Transitpassagiere, also wir, durften zuerst austeigen. Wir mussten uns im Flughafengebäude in einer Reihe aufstellen, wurden mit einer Passkontrolle von einer Liste abgehakt um anschließend durch eine Sicherheitskontrolle in den Transitbereich zu gelangen. Dabei wurde genauestens von den Beamten darauf geachtet, dass der Abstand von 1,5 Metern eingehalten wurde.
Trotz angespannter Atmosphäre waren die Beamten immer noch recht freundlich und mit dem typisch australischen Galgenhumor bewaffnet.
Auf dem Weg zu unserem Gate sind wir durch einen abgesperrten Duty-free-Bereich gewandert. Gefühlt war der Weg endlos. Und auch die vier Stunden Stop-over schienen überhaupt nicht vorüber zu gehen. Ein Glück hatten wir ausreichend Snacks im Gepäck, die wir während der Wartezeit mummeln konnten.
[ngg src=“galleries“ ids=“244″ display=“basic_thumbnail“]Der Flug mit Qatar Air von Sydney nach Doha hatte eine ganz andere Qualität. Die BordbegleiterInnen waren alle in weißen Schutzanzügen, Mundschutz und Schutzbrillen gekleidet und zwar den gesamten 15-Stunden-Flug lang. Das Ganze glich einem Sciencefiction-Szenario eines schlechten Katastrophenfilms. Und wir waren mittendrin.
[ngg src=“galleries“ ids=“245″ display=“basic_thumbnail“]Nach anfänglicher Irritation hatten wir uns aber schnell daran gewöhnt. Nur die Kommunikation war recht schwierig. Die Bordbegleiter konnten uns durch unsere Masken schlecht verstehen, was durch die Tatsache ihrer Papierkapuzen über den Ohren nicht grade erleichtert wurde. Umgekehrt genauso. Wir haben es alle mit Humor genommen und uns mit Händen und Füßen verständigt. Der Service war wirklich gut und alle waren sehr bemüht es den Passagieren trotz allem so angenehm wie möglich zu gestalten.
Glücklicherweise saßen wir in zwei hintereinanderliegenden 3er-Reihen und hatten jeweils einen Platz in der Mitte frei. Was für ein Luxus! So konnten sich die Kinder wenigstens über zwei Plätze hinlegen und etwas schlafen. Oskar schien jedoch Aufholbedarf an Medienzeit gehabt zu haben und hat fast durchgehend Filme geschaut. Christian und ich haben eher mäßig geschlafen. Uns beide plagten extrem unschöne Kopfschmerzen, die einfach nicht verschwinden wollten. Erst in Doha machten sie sich langsam aus dem Staub.
Trotz des verspäteten Starts in Sydney sind wir fast planmäßig in Doha gelandet und haben am nächsten Gate auch gleich Heide (die zur gleichen Zeit in Melbourne gestartet war) gefunden. Die war etwas früher gelandet und wartete schon auf uns. Nach recht kurzer Wartezeit durften wir schon wieder an Board des nächsten Fliegers.
[ngg src=“galleries“ ids=“247″ display=“basic_thumbnail“]Wir hatten diesmal Plätze an der Außenseite gebucht und Heide saß mit Christian und Oskar in einer Reihe. Pollie und ich saßen in der Reihe davor.
Den 6-Stunden-Flug von Doha nach Frankfurt haben wir auf einer Pobacke abgesessen. Und an die Kostümierung des Kabinenpersonals und an die dementsprechende ungewöhnliche Kommunikation hatten wir uns schon gewöhnt.
Planmäßig landeten wir am Montag, den 18.5.20 um 14.15 Uhr in Frankfurt. Auch hier war es recht leer. Zügig sind wir durch die Einreise- und Passkontrolle gerutscht. Der auf den ersten Blick mürrische Beamte entpuppte sich als doch recht nett. Er bestand nicht mal darauf, dass wir unsere Masken absetzen – das passt schon, meinte er trocken. Na, wenn er meint. Wir warteten auch vergeblich auf eine Belehrung bezüglich Meldung beim Gesundheitsamt, Einhaltung der Quarantäne oder direkter Heimreise ohne Umwege oder ähnliches. Sehr merkwürdig. Als wenn es den ollen Virus überhaupt nicht geben würde.
So begaben wir uns zur Gepäckausgabe, wuchteten unsere wirklich sehr schweren Taschen vom Band, stapelten diese gekonnt auf einen Trolley und begaben uns in die Ankunftshalle.
Dort wartete schon Tanja, Christians Schwester aus Braunschweig, auf uns. Sie holte Heide ab, um sie nach Hause nach Dörnten zu bringen. Das war schön von einem bekannten Gesicht, wenn auch unter Maske versteckt, empfangen zu werden.
Tanja hat uns netterweise für jeden 2 tolle Stoffmasken mit Wunschmotiv genäht und mitgebracht. Ein Träumchen!
Nach einem gemeinsamen Steh-Kaffee in der Ankunftshalle haben wir vier uns auf den Weg zum Gleis gemacht um unseren Zug nach Bremen zu bekommen.
Wir haben uns für einen Zug ohne Umsteigen entschieden. Mit den schweren Taschen wollten wir gern aufs Umsteigen verzichten. Nicht nach mittlerweile fast 40 Stunden Reisezeit nach der unsere Kräfte langsam aber sicher schwanden.
Im Zug mit allem Gepäck angelangt, begaben wir uns auf die Suche nach einem Abteil oder wenigstens vier zusammenhängenden Plätzen. Hier machten wir das erste Mal wieder Bekanntschaft mit nicht ganz so freundlichen Einheimischen. Christian fragte in einem Abteil, in dem nur ein einzelner Herr saß, freundlich nach, ob wir uns dazu setzen könnten. Anstelle einer freundlichen Absage, wurden wir angeblafft, dass das Abteil zu klein sei um ausreichend Abstand zu halten. Recht hatte er ja, allerdings hätte man das auch netter sagen können.
Als wir also unser Gepäck ins nächste Großraumabteil geastet und beim Schaffner bezahlt hatten, brauchte ich dringend einen Kaffee und machte mich 10 Minuten nach Abfahrt des Zuges auf den Weg ins Bordrestaurant. Dabei kam ich an dem Abteil des Herren vorbei, der uns so rüde eine Absage erteilt hatte und fand es leer vor. Ich habe ihn im Gespräch mit der Schaffnerin an der Tür vorgefunden mitsamt seinem Gepäck.
Hm. Hätte er ja mal sagen können, dass er die nächste Station aussteigt und wir dann das Abteil haben können. Aber daran dürfen wir uns nun wohl auch wieder gewöhnen. Das Miteinander und der nette und fürsorgende Umgang ist hier einfach etwas anders als in Neuseeland. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.)
Trotzdem waren wir etwas bedröppelt und angesäuert ob seines unfreundlichen Benehmens.
Den Rest der Fahrt konnten wir aber durchaus genießen. Wir ratterten gemächlich am Rhein an Weinbergen entlang und haben die Aussicht auf Schlösser, Burgen und die Lorelei genossen und uns ein bisschen wie in Neuseeland gefühlt. Natürlich ohne die Burgen und Schlösser, die sind dort eher nicht aufzufinden.
[ngg src=“galleries“ ids=“246″ display=“basic_thumbnail“]Die Kinder haben etwas geschlafen und wir haben etwas gedöst. Nach langen 5 Stunden sind wir um 21:10 Uhr am Hauptbahnhof eingetrudelt. Eine kurze Taxifahrt später durch unsere Stadt konnten wir es dann kaum noch erwarten nach Hause zu kommen.
Die Überraschung war groß als wir ein Begrüßungsplakat an der Haustür vorfanden.
In der Wohnung ging es mit Überraschungen weiter: Blumen, Briefe, Karten, Wein, Brot und Süßes. Und im Kühlschrank warteten auch noch Leckereien. Ganz ganz großartig. Wir haben uns gefreut wie Bolle und sind erst mal durch die Wohnung gelaufen und haben alles in Augenschein genommen. Vor lauter Aufregung, und wohl auch aufgrund des Jetlags, sind wir erst um 0:30 Uhr im Bett gewesen. Geschlafen haben wir allerdings recht gut und auch verhältnismäßig lange.
Überhaupt haben wir uns recht schnell wieder dem nordeuropäischen Tag-Nacht-Rhythmus angenähert und angepasst. Das Ankommen hat allerdings länger gedauert, bzw. dauert noch an.
Obwohl wir nun schon seit etwas über zwei Wochen wieder zu Hause sind (jedenfalls physisch), fühlt es sich noch merkwürdig an. Einerseits ist es so wie immer – als ob wie nie weggewesen sind – andererseits ist es ganz fremd und surreal hier zu sein aber niemanden wirklich sehen zu können.
Unsere Kartons haben wir erst teilweise ausgepackt. Die Kinder haben sich gleich am ersten Tag auf ihre Kartons im Keller gestürzt und konnten es gar nicht abwarten alle ihre Sachen auszupacken. Nach den ersten 2-3 Kartons stelle Pollie aber auch schon treffend fest, dass man soviel Krams eigentlich gar nicht braucht und dass sie ja 10 Monate mit einem Rucksack ausgekommen ist. Gute Erkenntnis, Pollie. Sie hat auch gleich sehr viel aussortiert und ausgemistet. (Allerdings sieht man das ihrem Zimmer nicht wirklich an. Man könnte vermuten die Kartons wären einfach nur ausgeleert worden.)
Unserem Garten und dem Balkon hat unsere Anwesenheit auch gut getan. Wir haben ihm viel Aufmerksamkeit gewidmet und viel zurückgeschnitten, gepflanzt und rumgetüdelt. Wir freuen uns über die ganzen Vögel im Garten und lauschen ihrem vielfältigen Gesang. Das hört sich nach zu Hause an.
Wir lassen es langsam angehen. Tag für Tag kommen wir ein bisschen mehr an und nehmen unser Haus wieder mehr mit unserer Energie ein. (Und leider auch unserem Chaos.) Wir sortieren täglich aus und verschlanken uns in vielen Bereichen. Allein bei dem Gedanken an den ganzen Krams und die Karton die noch auf uns warten wird mir ganz anders. Aber es muss ja auch nicht alles wieder seinen Weg zurück zu uns finden.
Hauptsache wir finden uns hier wieder zurecht, kommen weiter Stück für Stück an und hören auf unser Gefühl es alles schön langsam angehen zu lassen. Mal schauen, wie lange wir diesmal für’s Ankommen brauchen. Bei unserer letzten großen Reise hat es fast vier Monate gebraucht um wieder im hier und jetzt zu landen.