On the road

On the road

August 26, 2019 0 Von Padeffke

Am Montag, den 19.8. durften wir endlich unseren Camper beziehen. Yippieeehhh! Große Freude auf allen Seiten. 

Und nach etwas über einer Woche haben wir uns langsam an das Nomadenleben auf kleinstem Raum gewöhnt. Nicht so ganz einfach zu viert beständig den ganzen Kram unter Kontrolle zu haben, der wie von Zauberhand aus den Schränken und Taschen zu krabbeln scheint und dauernd im Weg herum liegt. Auch der Dreck verdoppelt sich in kurzerhand und ihm und dem Sand Herr zu werden ist recht schwierig, denn wir verfügen als einziges Reinigungsutensil nur über einen Besen, der an Bord war.

Mit einem Softstart und einer kurzen Route von Upper Sackville nach Peggy‘s Cove haben wir die erste Nacht recht unruhig verbracht. Die Kinder haben zusammen im Alkoven über der Fahrerkabine geschlafen. Leider gibt es kein Auffangnetz dort, so dass Pollie ständig wach war, mit der Angst, dass Oskar sie aus dem Bett drängelt.

Zum Glück kann man den Tisch einklappen und dort auch noch ein Bett basteln. Da schläft Oskar jetzt ganz prima allein und kann vor sich hinwühlen. (Und fällt nicht so tief, wenn er sich selbst nachts aus den Bett drängelt)

Gewöhnungsbedürftig war es auch etwas, dass der Camper bei jeder Bewegung schaukelt und ächzt. Wenn Pollie sich vorne im Bett herumdreht, wackelt der ganze Camper. Dreht sich Oskar, schaukelt es etwas heftiger. Und wie sich der Wagen bewegt, wenn wir Erwachsenen uns umdrehen, gleicht es einem mittleren Erdbeben.

Nun doch noch mal zurück zu unserer bisherigen Route: erste Station King Neptune’s Campground in Peggy‘s Cove. Dort konnten wir erneut die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Kanadier genießen. Wir kamen mit einer Familie aus Montreal ins Gespräch, die uns gleich anboten, bei Ihnen vor dem Haus zu stehen, falls wir keinen Campground in der Nähe von Montreal finden sollten. Wir bekamen auch noch jede Menge Tipps für nette Ecken und schöne Strände.

Am zweiten Tag ging es weiter nach Lunenburg, einem alten Fischerdorf mit hübschem Stadtkern und Bootsbau-Tradition. Einen Zwischenstopp legten wir vorher beim Leuchtturm von Peggy’s Cove ein, dem wohl meistfotografierten Leichtturm in Kanada, so heißt es. Wird wohl stimmen, denn die Reisebusse dort ankamen, spuckte Wagenladungen voll Touristen aus, die fleißig fotografierten und dann schnell wieder in die Busse stiegen. Ein schönes Fleckchen Erde ansonsten und die bunten Holzhäuser, die sich um die Bucht tummeln fügten sich harmonisch in die felsige Landschaft ein.

Der kleine Campingplatz am Little Lake, kurz hinter Luxemburg, machte die Kinder glücklich, da er über einen Pool verfügte. Denn bei 27 Grad nur im Camper sitzen, machte den beiden nicht so richtig Spaß. Und auf der Fahrt kamen wir auch leider an keinem Strand vorbei.

Da der Platz etwas abseits der Route lag und recht leer war, hatten wir den Pool ganz für uns. Der Sonnenuntergang über dem See entschädigte uns für die Mückenschwärme, die über uns herfielen.

Der nächste Stopp führte uns zum Crescent Beach, an dem wir eigentlich wild campen wollten. Eine deutsche Familie, die wir dort angesprochen haben und die in Toronto leben, riet uns jedoch davon ab. In Kanada würde man das nicht so gerne sehen und auf einem Campingplatz wären wir auf der sicheren Seite. Schnief – ich hatte mich so darauf gefreut mal wieder alleine irgendwo am Strand aufzuwachen, also ganz ohne andere Leute.

Übernachtet haben wir dann im Risser’s Beach Park, einem der vielen State Parks. War auch ganz schön und vor allem ruhig. Die Kinder konnten hier noch mal im eiskalten Wasser am Strand schwimmen gehen. Ich habe nur mal kurz meinen dicken Onkel eingehalten und fing an zu frieren.

Am vierten Tag mussten wir etwas Strecke machen, da wir uns bisher eher von Toronto entfernt haben als darauf zuzufahren.

Vom Risser‘s Park ging es Richtung Norden Nova Scotias zum südlichen Ufer der Bay of Fundy, nach Truro. Für die knapp 250 km haben wir über 3 Stunden benötigt. Durch die vielen Landstraßen, auf denen man zum Teil nur 60 km/h fahren kann, kamen wir nur langsam voran. Außerdem ist es so schön überall, dass wir einige Fotostopps einlegen mussten.

Pollies Fuß war durch die Mückenattacke vom See ganz schön angeschwollen und sie konnte schlecht bzw. gar nicht laufen, so war sie nicht böse darum, mal nur im Camper zu sitzen und die Füße still zu halten. Für die Strecken, die wir zu Fuß zurücklegen mussten, wurde sie im Wechsel von Christian und mir getragen.

Von Truro trug uns die Landstraße zum Hopewell Cape zu den Flowepot Rocks. Bei Flut sehen die Felsen wie kleine Inseln aus, bei Ebbe ragen die Blumentopf-Felsen komplett aus dem Wasser. Der Tidenhub ist hier bis zu 17 m, haben wir uns aufklären lassen. Am Abend waren wir noch mal bei bedecktem Himmel und bei auflaufendem Wasser dort und am nächsten Morgen sind wir recht früh wieder dort gewesen, in der Hoffnung den Reisebussen zuvor zu kommen.

Hat geklappt. Allerdings hat es geregnet und ziemlich geweht, so dass die erste Sicht auf die Blumenpötte nicht ganz so gut war. Wir sind trotzdem weitergelaufen und schwuppdiwupp klarte es auf und die Sonne zeigte sich für bestes Fotowetter. Fast 4 Stunden hielten wir uns da auf und wanderten zischen den Felsgiganten mit Pflanzenbewuchs umher. Es wurde zwar dann auch voller, aber wir waren total glücklich und zufrieden mit diesem Ausflug. Selbst Pollie, die ein kleiner Sightseeingmuffel ist, war ganz begeistert.

Von Hopewell Cape fuhren wir weiter nach Bouctouche, in New Brunswick. Auf einem abgelegenen Campingplatz mit Weinanbau fast direkt am Meer, fanden wir einen nettes ruhiges Plätzchen. Hier, im Arkadier-Siedlungsgebiet weht überall die Französische Flagge und hier spricht man auch Französisch. Allerdings eines, das ich kaum verstehen kann , da es ein sehr eigenwilliger Akzent ist. Aber verständigen klappt ganz gut. Und mit jedem vierten verstandenen Wort lässt sich ja schon einiges zusammenreimen.

Unser Patron des Platzes, ein Franzose aus Marseille, fuhr mit seinem Quad und einer Klingel um 18 Uhr über den Platz und bimmelte zur Weinverkostung. Ein nettes Get-Together aller Camper auf dem Platz. Es gab den Wein von den Reben, neben dem Platz, einen Holunderbeerwein und einen Blaubeerwein. Man konnte Sirup, Marmelade und grobe Würste mit Kräutern erstehen, sowie Obstler und Kräuterlikör.

Ganz ehrlich: der Wein war gruselig und mich hat es richtig geschüttelt. Der einzige, der ok war, war der Blaubeerwein. Gekauft haben wir am nächsten Tag aber nur die Blaubeer-Rhabarber-Marmelade und die Würste. 

Alles in allem geht es uns gut. Nur die Mücken machen uns etwas zu schaffen. Unser Vorrat an Mückenspray geht langsam zu Ende. Citronella-Räucherstäbchen mögen die Mädels aber auch nicht und so räuchern wir fleißig um uns herum. Den täglichen Wahnsinn mit Zusammenpacken und Aufräumen bekommen wir auch irgendwie hin. Mal mehr, mal weniger gut. Die drei Fragezeichen retten uns über die langen Strecken und die Kinder hängen mit den Köpfen auf dem Tisch lauschen gespannt. Manchmal habe ich sogar den Verdacht, sie dösen oder dämmern etwas vor sich hin. Auch gut. Dann wird wenigstens nicht genörgelt oder gestritten. 

Wir freuen uns nach wie vor über Nachrichten von zu Hause über WhatsApp oder Email. Egal wie.

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