Tierische Vielfalt

Tierische Vielfalt

November 19, 2019 2 Von Nuroma

5.11.- 13.11.2019

Airlie Beach – Tin Can Bay

So viel zu sehen und zu tun haben wir hier. Und wir sind täglich ganz begeistert von den ganzen Begebenheiten, die es in Australien zur öffentlichen Nutzung gibt. Die Aussies sind da wirklich ganz weit vorne und haben diesbezüglich wirklich was drauf.

Vor allem was das Kinder-Entertainment angeht. Wir steuern hier regelmäßig Spielplätze, Schwimmlandschaften und Wasserparks an, die jedem kostenlos zur Verfügung stehen. Auch ganz großartig sind hier BBQ-Stellen die es in jeden noch so kleinen Park gibt. Überdacht selbstverständlich und mit Sitzmöglichkeiten. Und der Hammer ist: Alles ist in einem Topzustand. Immer sauber und intakt.

Auch die öffentlichen Toiletten sind „in a good shape“. Und ihr könnt uns glauben, wir haben bisher schon so einige unterwegs gesehen und angesteuert. (Ihr wisst schon: wegen der suboptimalen Entsorgung unserer Campertoilette). Selbst die abgelegensten Dörfchen oder Rastplätze im Nirgendwo sind stets sauber und – auch nicht ganz unwichtig – immer ausreichend mit Toilettenpapier ausgestattet. Selbst die Plumpsklos im Busch. Manchmal riecht es nicht so lecker aber das liegt wohl in der Natur der Sache dieser Toilettengattung.

So, genug von Toilettenthemen. Wollte ich nur mal so in den Raum geben, dass wir uns da zu Hause in Deutschland eine Scheibe abschneiden können.

Unser Tourplan hat sich bisher noch nicht großartig verändert. Wegen der Buschfeuer, die sowohl in Queensland als auch in New South Wales wüten, schauen wir grade von Tag zu Tag wo wir langfahren können und wo es sicher ist zu bleiben. Wir werden daher immer dicht an der Küste entlang fahren und genau den Buschfeuer-Bericht verfolgen.

 

Von Airlie Beach sind wir, nach dem üblichen Versorgungsstopp im Supermarkt zum Cape Hillsborough gefahren. Hier haben wir schon am Vortag unseren Campingplatz in Smalleys Beach gebucht, da es dort nur 11 Plätze gibt. Keine Dusche und nur 1 Plumpsklo. Der Kracher an diesem Platz ist, dass man ganz viel Platz für sich hat und einen direkten Zugang zum Strand. Der Grund warum wir diesen Platz ausgesucht hatten, war dass man morgens und abends Kängurus am Strand beobachten kann.

Da wir abends vor den fiesen Sandflies und Mücken in den Camper geflüchtet sind und die Wappentiere Australiens nicht live sehen konnten, stellten wir uns den Wecker auf 5:15 Uhr.

Wir sind dann auch super schnell aus den Federn gekommen (in unserem Fall eine Sprungfedermatratze, bei der wir jede Sprungfeder spüren) und ganz leise an den Strand gepirscht. Und, wer war nicht da? Richtig, die ollen Kängurus. Ein bisschen enttäuscht waren wir schon. Der Sonnenaufgang hat es aber rausgerissen und uns mit den mit Abwesenheit glänzenden Roos versöhnt.

Bei unserem Strandspaziergang hörten wir im Busch die Kookaburras lachen – vielleicht sogar über uns, dass wir in aller Hergottsfrühe durch die Gegend stolperten.

Einen Vorteil hat das frühe Aufstehen ja: man hat einfach viel mehr vom Tag. Vor allem, da es ja schon wieder um 18:30 Uhr dunkel wird.

 

So sind wir schon kurz vor 9 Uhr losgefahren und sind in Richtung Eungella Nationalpark gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir einen Stopp bei der Finch Hatton Gorge gemacht. Es gab dort einen kleinen Walk von 1.1 km zu einem kleinen Wasserfall und einer Badestelle. Wir sind munter in unseren FlipFlops losgeschlurft und zack ist mir nach 400 Metern einer von meinen Riemen gerissen. Na toll. Christian ist netterweise zurückgelaufen und hat einen Ersatzriemen organisiert. Beim Einparken hatte er ein paar zurückgelassene Zehentrenner gesehen und hat den Riemen davon abgemacht und mir meinen ausgetauscht. Mein McGyver-Held. Das Laufen war nicht ganz so wie vorher, da der neue Riemen viel breiter war und so hat mein Held auch noch mit mir die Latschen getauscht.

Auf dem Weg ist uns so einiges an Viechern begegnet. Handgroße Spinnen, ein Glück im Netz, Goannas und kleine Geckos, Libellen und natürlich die unausweichlichen Mozzies und Bremsen.

Der Weg zur Gorge hat sich so was von gelohnt: Das Wasser war erfrischend kühl und klar. Es schwammen dort einige kleine Kaulquappen und einige nicht ganz so kleine Süßwasserlangusten herum. Uns das Beste daran: dass wir fast alleine dort waren.

 

Zum späten Nachmittag sind wir zum Eungella Nationalpark zum Broken River gefahren. Eine kurvenreiche Strecke immer nur bergauf. Eine Herausforderung für Fahrer und Maschine. (Ein Glück hatte Christian schon ausreichend Serpentinenerfahrung in Amerika gesammelt.)

Die Fahrt dorthin hat sich so was von gelohnt. Wir haben vier Platypusse gesehen. Vier! Das war ein erneuter totaler Wow-Moment. Ich hätte nie gedacht, dass wir die putzigen possierlichen Schnabeltiere zu sehen bekommen. Und dann auch noch so nah und so viele.

Am Ende des Tages auf unserem Campground dem Rodeogelände in Finch Hatten angekommen waren wir uns alle einig: Das war ein perfekter Tag und pickepacke voll mit Highlights.

Auf dem Weg zurück zum Campground hatten wir ein Buschfeuer mit lodernden Flammen in den Bergen gesehen. Da wurde uns schon etwas mulmig zumute. Und später kurz vorm Schlafen gehen haben wir auch den Rauch gerochen.

Nach mittlerweile 2 Wochen in Australien bei Nachttemperaturen von minimal 20 Grad, sind die Kinder nachts wachgeworden, weil sie froren. Es war auf 17 Grad heruntergekühlt und sie brauchten nun ihre Schlafanzüge und warme Decken. Auch wir schliefen die erste Nacht unter einer richtigen Decke und nicht nur unter einem Laken.

Am nächsten Morgen als wir beim Frühstück draußen saßen kam eine australische Familie vorbei die uns den Tipp gaben, dass unten am Creek wilde Cherrytomaten wachsen und dass da jede Menge zum ernten reif waren. Ausgerüstet mit Schalen und Schüsseln machten wir uns gleich auf den Weg. Und tatsächlich – wir machten fette Beute und haben 2 große Schalen voller lecker, süßer Cherrytomaten gepflückt.

Die haben die Kinder anschließend während unserer 5-stündigen Fahrt nach Yeppoon bei Rockhampton zur Hälfte verdrückt. Nach einem kurzen Einkaufsstopp ging es weiter zu unserer bisher skurrilsten Campingunterkunft. Wir haben im Hinterhof eines Theaters gestanden. Dort zeltete noch ein Päarchen aus Melbourne, die auf dem Weg nach Norden waren. Es liefen überall Hühner herum und es war alles etwas schmuddelig. Augen zu und durch war die Devise. Wir brauchten ja nur ein Quartier für die Nacht und mal wieder eine Dusche. Und die war sauber.

Unsere nächsten beiden Nächte wollten wir auf einer Farm bleiben und dort gab es nur Strom und weder Toiletten noch Duschen. Dafür aber jede Menge Mini-Ponys und –Pferde, Ziegen, Hunde, Katzen, Hühner und zwei große Pferde.

Bevor wir jedoch dahin fuhren sind wir zur Yeppon Lagoon gefahren um die Zeit bis dahin sinnvoll mit Abkühlen zu verbringen. Mal wieder wunderschön und mit Blick aufs Meer.

Um 15 Uhr sind wir dann auf der Yunabel Farm eingetrudelt. Die Kinder, vor allem Pollie, sind total ausgeflippt und konnten es gar nicht fassen, dass es so dort viele Ponys gab. Sie war im totalen Pony-Himmel. (Ihr Lieblingshörbuch ist im Moment mal wieder die Haferhorde – alle Teile hoch und runter.)

Unsere Gastgeberin Angela hat sich die Kinder geschnappt und sie durften gleich mit anpacken und helfen. Die Ponys mussten entwurmt und gestriegelt werden. Die Mähne wurde zum Teil gestutzt und der Schweif gebürstet. Danach wurden sie auf die Weide gebracht und das nächste Pony geholt. Währenddessen wuselten die drei Hunde Dixie (ein Mops), Puzzle (der Hütehund, der beständig die Hühner in den Stall bringen wollte) und Nibbles, eine Wurst auf vier Beinen, herum und freuten sich über Streicheleinheiten. Angela hatte die Ruhe weg und hat den Kinder alles erklärt und immer wieder gezeigt, wenn etwas nicht so richtig lief.

Im Anschluss haben die Kinder die Ziegen und Hühner gefüttert und geholfen die großen Pferde zu versorgen. Wir wurden von ihr mit Tomaten, Kürbissen und frischen Eiern versorgt. Mmmmhhhh. Da bekommt die Bezeichnung ‚Eier von freilaufenden Hühnern’ eine ganz andere Bedeutung.

Dann ging es auch für sie ins Bett, da wir für den nächsten Tag eine Tagesfahrt mit einem Katamaran zum Schnorcheln bei den Keppel Islands vor uns hatten.

Dafür mussten wir um 8:15 Uhr vom Hof fahren um pünktlich um 9 Uhr in der Keppel Marina zu sein. Das war kein Problem, denn Pollie war schon um 5 Uhr wach, da Angela den Kindern versprochen hatte, dass sie morgens noch weiter helfen konnten bevor wir los mussten.

Die Cruise war dann ein Sechser im Lotto. Nach der Bootstour mit so vielen Menschen auf die Whitsundays hatten wir jetzt das Kontrastprogramm gebucht – ohne dass wir es wussten.

Die Tour fand auf einem recht großen Katamaran statt und die Crew bestand aus einem Paar. Die beiden hatten auch schon mal so eine Cruise wie wir auf den Whitsunday Islands mitgemacht und sich gesagt dass sie es anders machen wollen. Sie nehmen nie mehr als 14 Personen mit an Bord und gestalten die Tour immer angepasst an Wetterlage und Gezeiten. Also jeden Tag anders.

Wir hatten super Wetter und sind mehrere Stellen angelaufen. Wir waren an einem tollen Strand und anschließend an einer Ruine einer alten Aussichtsplattform schnorcheln.

Die Kids sind mit uns in tiefe Wasser gegangen und wir konnten Oskar gar nicht bremsen so schnell ist er durch die Gegend geschnorchelt.

Wir haben viele tolle bunte Fische gesehen. Benennen konnten wir davon allerdings nur wenige. Naja eigentlich nur eine Sorte: die Papageienfische. Und was für dicke Oschis das waren. (Anschließende Recherche hat ergeben dass wir auch Striped Trouts und Kardinalfische gesehen haben.)

Im Anschluss sind wir zum Monkey Beach gefahren wo vorgelagert ein Riff liegt. Mittlerweile war schon Niedrigwasser und es herrschten super Schnorchelbedingungen. Hier haben wir sogar einen kleinen Stachelrochen gesehen, sowie viele kleine Korallenfische. Auch Nemo und Dori waren am Start.

Auf dem Rückweg waberten über das Meer dicke Rauchschwaden und je näher wir dem Festland kamen desto dichter wurde der Rauch. Da wurde uns ganz schön mulmig zumute, denn wir hielten direkt darauf zu. Am nächsten Tag erfuhren wir dass es in der Nähe von Yeppoon brannte und einige Häuser und Ställe den Flammen zum Opfer fielen. Menschen und Tiere sind nicht zum Schaden gekommen.

Um 16:30 Uhr sind wir alle glücklich und zufrieden von Bord gegangen. In der Marina haben wir uns noch geduscht und sind zurück zu unserer Minipferdefarm gefahren.

Auf die Kinder wartete eine Überraschung: Die Besitzerin des Pflegepferdes war noch da und ließ Pollie und Oskar auf ihrer Stute Blondie reiten. Das war der krönende Anschluss eines weiteren perfekten Tages.

Auf dem Hof hat sich noch eine weitere Familie eingefunden. Eine Familie aus Australien, die seit 3,5 Jahren mit dem Wohnwagen unterwegs in Australien ist. Dreieinhalb Jahre! Wahnsinn. Sie haben nur auf Free Sites gestanden und wenn das Geld knapp wurde gearbeitet. Ihr Haus haben sie vermietet und die drei Kinder unterwegs beschult. Da ziehe ich ehrfürchtig meinen Hut und es stellten sich mehrere Fragen: Bleibt das Paarsein da nicht komplett auf der Strecke? Wie macht man das insgesamt so mit der Privatsphäre? Und: geht man sich da nicht höllisch auf die Nerven? Und wie klappt das mit dem Homeschooling über die lange Zeit?

Eine Frage habe ich schon von der Mutter beatwortet bekommen. Die Eltern haben einen abgetrennten Schlafbereich mit Tür. Und wenn die zu ist dann darf keiner reinkommen…

Kurz vor unserer Abfahrt am 10.11. haben die Kinder Angela morgens noch beim Versorgen der Tiere, Striegeln und Entwurmen geholfen. Wir wurden sehr herzlich verabschiedet und fest gedrückt. Die Kinder haben als Abschiedgeschenk und zur Erinnerung Armbänder bekommen.

Nach 3,5 Stunden Fahrt sind wir im Workmens Beach Campground angekommen und haben noch grade so den letzten freien Platz bekommen.

Ein total netter Campingplatz mit Sandplätzen, Toiletten und einer Außendusche im Bretterverschlag, durch den man durchschauen kann. Die haben wir am nächsten Morgen nach unserem Bad im Meer auch gleich benutzt. Duschen mit Bikini und Badehose und sich so abzuseifen ist schon gewöhnungsbedürftig. Hat aber seinen Zweck erfüllt. Wir waren sauber und haben wieder gut geduftet.

Nach einem schnellen Frühstück haben wir einen Abstecher zu 1770 gemacht. Hier landete Captain Cook und es soll der einzige Ort auf der Welt sein, der eine Zahl als Name hat. (Das müsste ich noch mal in Ruhe recherchieren.)

In Hervey Bay haben wir an einen sehr mittelmäßigen Platz übernachtet. Daher haben wir zugesehen, dass wir von hier am nächsten Tag schnell wieder verschwanden. Um unsere Route noch mal in Ruhe überdenken zu können haben wir, wie könnte es anders sein, einen Stopp bei einem Spielplatz eingelegt. Die Kinder haben getobt und wir konnten planen.

Wir fuhren zwei Stunden durch Makadamia-, Mango- und Zuckerrohrplantagen. Kurz vor unserem Ziel der Tin Can Bay veränderte sich das Landschaftsbild schagartig und wir befanden uns inmitten von Nadelwäldern. Hier schien es ausreichend geregnet zu haben, denn es grünte nur so vor sich hin.

Der Grund unseres Stopps in der Tin Can Bay ist der folgende: In den 1950er Jahren strandete in der Marina ein verletzter Queensland Humpback Dolphin und wurde von den Bewohnern gesund gepflegt und aufgepäppelt. Als sie ihn nach einer Weile in die Freiheit entließen dachten sie, dass sie ihn nicht wieder sehen würden. Ein Trugschluss. Der Delfin kam wieder – und das nicht alleine. Er brachte seine ganze Sippe mit. Seit dem kommen die Delfine fast jeden Tag in wechselnder Besetzung und mittlerweile in der 4. Generation in die Marina und hängen dort ab und werden gefüttert. Allerdings nur mit so viel Fisch, dass sie immer noch selber jagen gehen. Als Gastgeschenke bringen die Säuger auf ihren Nasen balancierend Glasflaschen, Steine oder Treibholz mit. Das ganze findet unter der Aufsicht der Regierung und von Tierorganisationen statt. Die Einnahmen werden für die Erforschung der Delfine verwendet.

 

Das wollten wir gerne mit erleben und so sind wir schon um 6 Uhr aufgestanden um pünktlich vor Ort zu sein. Um 7 Uhr war Einlass und es gab einen sehr interessanten, wenn auch langatmigen einstündigen Vortrag über die intelligenten Tiere während die schon im flachen Wasser geduldig warteten.

Nach der Fütterung war es tatsächlich so, dass die Delfine wieder in die Bucht hinaus schwammen, ein paar mal in und her schwammen um dann gänzlich zu verschwinden. Alle bis auf einen: Der älteste und größte Delfin schien sich noch nicht trennen zu können und posierte noch etwas im flachen Wasser. Aber nach einer Weile zog auch er von dannen. So wie wir. Wir machten uns auf den Weg nach Redcliffe, einem kleinen Ort kurz vor Brisbane. Die Strecke dorthin war auch sehr grün, trotz der anhaltenden Dürre die landesweit herrscht. Vielleicht regnet es hier ja etwas öfter.

Auf dem Hippiemarkt von Eumundi einem alternativen, esoterisch angehauchten Markt auf dem man alles von Seife, Klamotten, Massagen, Reikibehandlungen, Handlesen und Wahrsagen, Essen, Spiralschälern, Kosmetik, ätherische Öle, Deko, Spielzeug und vieles vieles mehr bekommen kann machten wir einen kurzen Stopp. Da es recht leer war konnte man entspannt schlendern und stöbern, soweit es bei 35 Grad ging.

Nach einem weiterem Stopp bei der Big Pineapple und dann sind wir flott zur Redcliffe Lagoon zum Abkühlen von Geist und Körper gefahren. Hauptsächlich der Kindergemüter. Geschlafen haben wir mal wieder auf einem Showground. Und das sehr gut und sehr günstig.

 

Fortsetzung folgt.

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