Es grünt so grün.

Es grünt so grün.

November 11, 2019 4 Von Nuroma

29.10. – 4.11.19

Von Cairns nach Airlie Beach.

OMG. Wie die Zeit wieder rennt. Jetzt sind wir schon wieder 14 Tage in unserer neuen fahrenden Schuhbox unterwegs. Unser rollendes Zuhause entscheidet sich nicht grundsätzlich von denen in den USA und Kanada. Wir haben wieder alles an Bord: Küche, Toilette und Dusche. Diesmal nur noch etwas kompakter als vorher. Unser Camper misst 7,8 m und ist 2,40 m breit. Nettowohnraum (inkl. Toilettendusche) beträgt ca. 14,5 qm.

Er ist somit um einiges kleiner – jedenfalls gefühlt – als die anderen Camper, die wir vorherhatten.

Das Design und die Inneneinrichtung sind um einiges ansprechender. Allerdings ist das gute Stück auch schon etwas in die Jahre gekommen und hat die besten Zeiten schon hinter sich. Bei genauerem Hinsehen haben wir erst noch mal eine Grundreinigung vorgenommen und auch den runden Ecken Aufmerksamkeit gewidmet. Danach hatten wir also ich) ein besseres Gefühl.

Ein wirklich dickes Minus zu unseren vorherigen Campern liegt in der Abwasserentsorgung. Hier ist es nicht ganz so entspannt mit dem „Dumpen“. Einzelheiten erspare ich euch. Jedenfalls sehen wir zu, dass wir hauptsächlich öffentliche Toilette und die auf den Campingplätzen nutzen … Die im Camper ist nur für Notfälle und für nachts.

Ansonsten genießen wir das Campen in Down Under. Es ist so herrlich entspannt und fühlt sich etwas mehr wie Urlaub an als vorher. Das mag sowohl am Wetter liegen das eindeutig besser ist aber auch an den entspannten Australiern. Wenn ich schon ausdrücklich betont habe, dass die Leute in Amerika so nett und freundlich waren, so wird hier noch mal eine Schippe draufgepackt. Die Leute in Australien sind noch netter, hilfsbereiter und haben einen wundervollen Humor. Das fühlt sich dann doch einfach etwas mehr an wie zu Hause.

Die Campingplätze sind zu dieser Jahreszeit noch recht leer und Reservierungen sind nur in Stateparks nötig. Und das geht hier recht unkompliziert online und auch am gleichen Tag. Perfekt, so mögen wir das. An was wir uns erst mal gewöhnen müssen ist die Check-out-time. Die ist hier meist schon um 10 Uhr. Das ist nicht so ganz Ohne bekommen wir aber hin. Allerdings nur, weil wir eh meist schon zwischen 6 und 6:30 Uhr wach sind.

Wir haben für unsere Strecke von Cairns nach Melbourne eine grobe Route geplant und uns nur wenige „Must-See“-Punkte überlegt. Wir wollen nicht, dass diese Tour ähnlich in Stress ausartet, wie die letzten Wochen in den USA. Also gehen wir alles etwas langsamer an und müssen dafür am Schluss dann zwei bis drei Tage Strecke machen um zum Ziel zu kommen.

Am 29.10., dem Tag unserer Camperübernahme sind wir, wie eigentlich jeden Tag früh aufgestanden. Wir sind noch mal zum Strand gegangen, haben fix den Rest der Sachen gepackt und sind zur Mietwagen Station gefahren um danach gleich nebenan den Camper abzuholen. Das ging alles so flott und reibungslos über die Bühne dass wir schon um 12 Uhr vom Hof gerollt sind.

Um die Tour für uns alle entspannt zu starten sind wir nach Cairns zur Lagoon gefahren, wo die Kinder noch mal schön schwimmen konnten. Die Lagune ist eine öffentliche und somit kostenlose und frei zugängliche Badelandschaft mit feinem Sandstrand und sauberem Wasser, direkt an der Strandpromenade. Ausgestattet mit Spielplätzen, Barbeque-Stationen, Picknicktischen und allem, was das Herz begehrt.

Unser erster Stopp sollte Etty Bay sein. Auf dem Weg dorthin haben wir bei den Babinda Boulders gehalten. Das ist ein kleiner Fluss mit Badestelle und klaren warmen Wasser mit lustigen Gesteinsformationen. Dort flatterten überall Schmetterlinge herum und es schwammen kleine Schildkröten im Wasser. Die tauchten neugierig auf und schauten uns an, bewegten wir uns aber, tauchten sie fix wieder ab.

Der Weg führte uns weiter über den Bruce HWY entlang der Tablelands, mit hohen Regenwald bewachsenen Berge, in denen zum Teil die Wolken hingen. Vorbei an  Zuckerrohfeldern, noch mehr Regenwald, Bananenplantagen und Viehweiden. Es stellte sich bei uns ein totales Glücksgefühl und Ruhe ein ob dieser wunderschönen grünen märchenhaften Landschaft.

Unser Campingplatz in der Etty Bay liegt direkt im Regenwald am Meer und bei unserer Ankunft haben wir gleich einen Cassuwary gesehen. Das sind seltene große, flugunfähige Vögel mit einem Hornkamm. Die Dinger sind wirklich groß und sehen furchteinflößend aus.

Wir haben lange draußen gesessen und den Geräuschen des Regenwaldes und dem Meer beim Rauschen zugehört. Die Mücken haben sich netterweise zurückgehalten.

Auch am nächsten Morgen waren wir zur Dämmerung wach und sind gleich raus gelaufen um nach weiteren Cassuwarys zu schauen. Und tatsächlich war wieder einer unterwegs am Strand. Der hat sich von den Leuten gar nicht beirren lassen und pickte fleißig nach Beeren und anderem Essbaren.

Pollie hat sich vor lauter Schreck über die Größe dieser Riesenvögel im Camper verbarrikadiert und sich geweigert wieder rauszukommen.

Aber Christian und Oskar hatten keine Angst und haben das wundersame Vogelvieh mutig verfolgt und vor die Linse bekommen.

Von Etty Bay führte uns der Weg zum Big Crystal Creek ins Landesinnere. Über eine Schotterpiste mit mordsmäßigen Schlaglöchern fuhren wir sehr langsam und sehr schaukelnd und klappernd zum Campingplatz. Das war ein Campingplatz im Nationalpark und daher ohne Strom und Wasser. Dafür gab es saubere Toiletten und Duschen, wenn auch nur mit kaltem Wasser. Aber warme Duschen braucht man bei der Hitze ja eh nicht wirklich.

Eigentlich wollten wir noch zu der Badestelle am Fluss gehen. Doch als wir ankamen schüttete es wie aus Eimern. So vertagten wir das Schwimmen lieber auf den folgenden Tag. Und das stellte sich als richtige Entscheidung dar. Die Sonne schien wieder und wir waren ganz alleine an dem wundervollen Badeplatz.

Nach einen ausgiebigen Bad in dem klaren, kühlen Wasser haben wir uns auf den Bruce HWY, der hier auch HWY One ist, begeben und sind nach Townsville, meiner Geburtsstadt gefahren.

Hier war ich seit meiner Geburt nicht mehr und meine Eltern haben mit mir hier eine kurze Zeit gewohnt. Nach etwas Suchen und herumfragen, haben wir sogar das Haus gefunden in dem wir gewohnt haben. Es ist in den letzten 47 Jahren einige Male umgebaut worden und beherbergt jetzt ein Motel.

Ich bin zur Rezeption gegangen, habe mich vorgestellt und erzählt, dass ich hier mal gelebt habe. Die nette Inhaberin erzählte mir etwas über die Geschichte und die Umbaumaßnahmen in den 1980er Jahren. Sie ließ mich auch in die obere Etage in die Wohnung, in der wir gelebt haben.

Das war schon toll. Es wurde zwar viel verändert, aber meine Mutter erkannte einiges wieder. (Dank Videocall konnte ich sie mit hineinnehmen) Für mich war es, als wenn sich wieder ein Puzzleteilchen zum großen Ganzen hinzugefügt hat.

Am nächsten Tag haben wir gleich nach dem Auschecken um 10 Uhr den Rockpool  angesteuert. Das ist ein öffentliches Schwimmbad, das mit Meereswasser gespeist wird, allerdings durch eine Filteranlage, damit keine Quallen hereinschwimmen.

Nach der schönen Erfrischung sind wir noch zum Aussichtspunkt auf dem Castle Hill gefahren und haben die Aussicht auf die Stadt genossen. Auf dem Weg nach Ayr, unserem nächsten Campingplatz, sind wir durch Zuckerrohrfelder und Mangoplantagen gefahren. Zuckerrohr soweit das Auge reicht. Zwischendurch fuhren kleine Züge durch die Landschaft, die das geerntete Zuckerrohr zu den Fabriken transportierten. Und überall in der Ferne bewachsene Hügellandschaften. Ein bisschen wie eine Filmkulisse.

Unfassbar, wie viele Schattierungen von Grün die Natur hier so breitstellt. Unfassbar und unzählbar. Und auch fototechnisch schwer einzufangen. Auf alle Fälle eine Augenweide und wir konnten uns gar nicht sattsehen.

Auf den Campingplatz waren wir fast alleine. Nur wenige Camper hatten sich hierher verirrt. Eigentlich die beste Voraussetzung für totale Stille. Hm, da trügte der Schein und wir haben die Rechnung ohne die Loris und die Kakadus gemacht. Die veranstalteten gegen Abend und am nächsten Morgen einen Höllenlärm. Beim Morgengrauen gegen 5:15 Uhr kreischten die Federviecher in einer unfassbaren Lautstärke herum. Bei Sonnenaufgang war dann schon wieder (relative) Ruhe angesagt.

Naja: der frühe Vogel fängt halt den Wurm. (Aber mal ganz ehrlich: manchmal kann er uns auch mal gestohlen bleiben).

Diesmal haben wir den frühen Vogel genutzt und sind früh nach Bowen aufgebrochen. Für die Strecke von ca. 150 km brauchten wir fast 2 Stunden. In Bowen wurde der Film Australia mit Nicole Kidman und Hugh Jackman gedreht. Dafür wurde der Ort in das Cairns der 1940er Jahre verwandelt. Von dem ganzen Spektakel ist allerdings nichts mehr übrig. Aber Bowen hat eine nette Ansammlung von Artdeco-Fassaden. (Die sieht man allerdings nur, wenn man genau hinschaut, da sie hinter den ganzen Außenwerbung der Geschäfte versteckt sind. Fotos gibt es davon deshalb nicht, falls jemand sucht.)

In Bowen gibt es, mal wieder, einen kleinen öffentlichen Wasserspielplatz an dem die Kinder sich austoben konnten. Und weil es hier so nett war, sind wir den ganzen Tag geblieben, haben gelesen und die Kinder waren fast durchgängig im Wasser oder auf den diversen anderen Spielplätzen an der Strandpromenade. Da wir kein Schild gefunden hatten, dass darauf hinwies, dass wir hier nicht stehen und Campen durften, haben wir uns entschieden die Nacht an der Promenade zu verbringen. Dass die Idee nicht so richtig gut war stellte sich erst um 21 Uhr heraus, als wir schon alle im Bett lagen. Es klopfte an der Tür und ein sehr netter Police Officer klärte uns auf, dass Wildcampen in Australien nicht erlaubt ist und dass das bis zu 1.000 Dollar Strafe kostet. Oups, dass hatten wir nicht gewusst. So mussten wir uns notgedrungen im Pyjama hinters Steuer setzen und auf einen Parkplatz am Highway ausweichen auf den der nette Polizist uns verwiesen hat. Alle regulären Campingplätze waren ja schon geschlossen. Abenteuer pur. Aber das war eine merkwürdige Nacht und ein komisches Gefühl so direkt am Highway zu stehen. Zum Glück waren wir dort nicht alleine. Zwei weitere Camper standen auch noch da.

Am nächsten Morgen waren wir auch schon um 5 Uhr wach und sind um 6 Uhr wieder nach Bowen zu der Strandpromenade zurückgefahren. Dort haben wir entspannt gefrühstückt und auf der BBQ-Station unser Brot getoastet. Die Kinder sind noch eine Runde über den heißgeliebten Wasserspielpatz getobt, während Christian und ich in Ruhe unseren Kaffee mit Blick aufs Meer genossen haben.

Nächster Stopp war Airlie Beach. Hier wollten wir am nächsten Tag eine Cruise zum Whitehaven Beach machen. Daher hatten wir uns entschieden hier zwei Tage zu bleiben und haben uns einen Campingplatz in der Nähe vom Hafen gesucht. Wir wollten auch mal wieder Strecken zu Fuß machen können und nicht die ganze Zeit mit unserem Schlachtschiff durch die Gegend fahren müssen.

Wie fast alle größeren bzw. touristischen Städte entlang der Küste, verfügt auch Airlie Beach über eine künstlich angelegte Lagune am Meer. Der Grund für diese öffentlichen Badeplätze liegt hauptsächlich darin, dass es an der Küste Queenslands im Meer nur so vor Quallen und Haien, ach ja, und Krokolilen wimmelt. So kann man ganz entspannt eine Abkühlung genießen ohne um seine Gesundheit oder gar sein Leben fürchten zu müssen. Weil wir einfach nicht genug vom Wasser bekommen können haben wir uns dort vor dem Einchecken auf unserem Campingplatz noch mal im Wasser getummelt.

Um 16 Uhr gab es auf dem Campingplatz eine Fütterung der tropischen Vögel. Ab 15:30 Uhr wimmelte es nur so von Loris, Kakadus, Ibissen und Enten. Es wurde ein Reispamps serviert, auf den die Vögel total abgefahren sind. Auch uns wurde etwas in die Hände gegeben und die Viecher flatterten auch auf unsere Hände und krallten sich da fest. So geheuer war uns das allen nicht. Spätestens als mich einer von den kleinen Kreischern (die Loris veranstalteten einen ohrenbetäubenden Lärm) mit seinem Enddarmprodukt beglückte, habe ich mir die Hände gewaschen und hatte die Nase voll. Pollie war schon nach kurzer Zeit bedient, weil ein Vogel seine Krallen ganz besonders in ihre Hand gedrückt hat. Oskar hat es am längsten ausgehalten und hat geduldig gewartet bis der Brei aus seinen Händen gepickt war.

Am Dienstag ging unsere Bootstour auf die Whitsunday Islands zum Whitehaven Beach um 11 Uhr los. Wir hatten gedacht, dass das eine Tour mit Schnorchel-Stopps sei, stellten dann aber fest, dass wir nur einem Zwischenstopp mit Umsteigen auf Hamilton Island hatten, um von dort direkt mit 80 anderen Touristen zu einem der Top 10 gelisteten Traumstränden der Welt geschifft zu werden.

Zugegeben, der Strand war toll. Blitzblank weiß und ganz lang. (Noch schöner wäre es natürlich gewesen, wenn wir nicht mit 150 anderen Menschen dort gewesen wären.) Das Wasser war aber traumhaft Türkis und glasklar. Es wurde allen empfohlen sich nur mit „Stinger-Suits“ ins Wasser zu begeben. Diese Anzüge sollen vor den Quallen schützen, die sich auch ganz gerne dort mal aufhalten. Wir waren so ziemlich die einzigen, die sich in diese Anzüge geworfen haben. Lustig sahen wir aus. Im Wasser wirkten wir wie Robben. Glück gehabt, dass kein Hai in der Nähe war. Der hätte bestimmt Appetit bekommen. Und gut, dass wir sie getragen haben. Auf der Rückfahrt war eine Frau an Bord, die einen dicken geschwollenen Fuß durch eine Quallenbegegnung hatte. Die hatte nämlich keinen Anzug angehabt.

Alles in allem war es für uns ein schöner Tag und wir sind schlag K.O. um 20 Uhr ins Bett gefallen.

Fortsetzung folgt.

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