G’day mates
Australien, Trinity Beach
21.-29.10.2019
Endlich in Down Under. Kaum gelandet, hörten wir den vertrauten australischen Singsang. Das hört sich sehr nach zu Hause an. Und es fühlt sich auch ein bisschen so an.
Unseren mordslangen Flug haben wir ohne besondere Vorkommnisse überstanden. Die 14,5 Stunden gingen erstaunlich schnell rum. Allerdings war Schlaf Mangelware. Vor uns saß ein kleiner Junge mit einem sehr beeindruckenden Organ, der ganz viel und megalaut geschrien hat. Und dass ziemlich oft und unglaublich ausdauernd. Hinter uns saß eine Familie mit zwei kleinen Mädels. Die eine davon tippte wie verrückt auf dem Touchscreen herum, so dass meine Sitz wie wild wackelte. Zum Glück schlief das Mädchen aber auch irgendwann ein.
In Melbourne hatten wir morgens um 6 Uhr eine Zwischenlandung mit einem 2,5 Stunden Aufenthalt. In der Zeit mussten wir durch die Einwanderung/Passkontrolle, unser Gepäck abholen, durch den Zoll und im Domestic-Terminal unsere Koffer wieder aufgeben und einchecken. Das war ganz schön sportlich und knapp zu schaffen. Dachten wir jedenfalls. So schnell wie diesmal waren wir allerdings noch nie in Australien durch die Sicherheitskontrollen gekommen. Für das ganze Programm haben wir nur eine knappe Stunde gebraucht. Rekordzeit. Das mag wohl auch daran gelegen haben, dass wir mit den australischen Pässen eingereist sind und als Familie sowohl durch die Passkontrolle als auch durch den Zoll gelaufen sind.
Der Klang des typischen breiten Singsang-Akzentes der Australier ließ unsere Herzen gleich höher schlagen. Irgendwie fühlt sich das doch ein bisschen vertrauter an als das amerikanische oder kanadische Englisch. (Obwohl wir uns in beiden Ländern super verständigen konnten und auch mit dem Slang keine Probleme hatten.) Pollie sagte sofort, dass sie das Englisch viel besser verstehen kann als in Amerika. Warum auch immer.
Um 11 Uhr sind wir im subtropischen Cairns gelandet und haben unser Mietauto abgeholt. Dabei haben wir festgestellt, dass die Autovermietung direkt neben der Campervermietung liegt, bei der wir am Dienstag unseren Camper für die folgenden vier Wochen abholen werden. Sehr praktisch. Dann muss ich nicht ein Auto auf der verkehrten Seite fahren.
Christian, der auch hier freiwillig den Fahrerjob übernommen hat (es gab ja auch keine Alternative, da ich nur super ungerne im Linksverkehr fahre), hatte zuerst einige Probleme sich auf den Linksverkehr und das Auto einzustellen. Da er die letzten acht Wochen Schlachtschiffe mit Automatik gefahren ist, die auf Lenkbewegungen erst verzögert reagierten, fiel die Umstellung auf einen Kleinwagen mit Schaltgetriebe schwer. Anstelle des Blinkers, setzte sich der Scheibenwischer in Bewegung und auch das Schalten mit Links war ungewohnt. Zudem kam noch dazu, dass der Wagen auf die kleineste Lenkbewegung reagiert. Aber auch das hat sich jetzt eingespielt.
Nachdem wir unsere Vorräte auf dem Weg zu unserem Domizil in Trinity Beach (30 km nördlich von Cairns) aufgefüllt haben, sind wir mit Sack und Pack in unseren Beachdome gezogen. Das Häuschen gehört zu einer Anlage von fünf kleinen kugelförmigen Gebilden, ausgestattet mit allem, was wir so brauchen. Am besten ist jedoch aus Sicht der Kinder der Pool. Die Strandnähe (50 Meter vom Haus) ist auch nicht zu verachten. Die Temperaturen liegen hier bei 28 Grad mit einer Luftfeuchtigkeit von 60 % und das Meer besticht mit Badewannenwasserqualität von 25 Grad. Nach dem trockenen Wüstenklima in den USA ist das Klima jetzt das komplette Gegenteil und wir transpirieren munter vor uns hin. Da werden wir noch etwas Zeit brauchen um uns daran zu gewöhnen.
Unsere Hauptbeschäftigung liegt also vorrangig im Ankommen, dem Überwinden des Jetlags und der Gewöhnung an das Klima. Am ersten Morgen waren wir alle schon um 4 Uhr morgens wach und haben uns den Sonnenaufgang um 5:45 Uhr angeschaut. Wir hängen viel am Pool und am Strand herum und machen alle regelmäßig Mittagsschlaf. Abends gehen die Kinder freiwillig zu Bett und schaffen es grade mal bis 20 Uhr die Augen aufzubehalten. Wir halten allerdings meist auch nicht länger durch.
Unser erster Ausflug, neben den Besuchen im Supermarkt und Shoppingcenter, ging in den Daintree Rainforest. Das ist mit 350 Mio Jahren der älteste Regenwald der Welt. Wir waren ganz geflashed von dem vielen Grün und dem dichten Baumwuchs. Auf dem Weg zum Cape Tribulation haben wir auf dem Daintree River eine Krokodil-Tour mitgemacht und auch tatsächlich Krokodile gesehen. Unser Kapitän war ein alter Haudegen mit sehr breitem australischen Akzent, der oftmals etwas ablenkt wirkte. Als er zum Beispiel eine Python aus einem Sack holte um sie uns zu zeigen trieb das Boot mitten in die Magroven hinein.
Da war ich ehrlich gesagt etwas nervös bis leicht panisch. So richtig gerne wollte ich nicht in dem Fluss voller hungriger Krokodile kentern. Die Überlebenschance ist dort gleich Null.
Danach färbte meine Angst auch auf Pollie ab, die sich gar nicht mehr wohl fühlte und nach Hause wollte. Als wir dann noch in einen Seitenarm des Daintree Rivers abbogen, wo der Tourguide uns stolz das Gelege eines großen Krokodilweibchens zeigen wollte und wieder sein Steuer vernachlässigte, verlangte Pollie von mir, dass ich ihn zurechtweisen solle und dass er gefälligst zurück zum Steuer gehen sollte um uns heile und vor allem schnell zum Anleger zurückzubringen.
Im Anschluss an dieses Abenteuer haben wir die Kabelfähre über den Daintree River genommen um zum Cape Tripulation zu fahren. Auf der sehr engen Strecke, die serpentinenartig zum Kap führte fuhren wir durch das dichte Blätterdach und hatten manchmal den Blick aufs Meer. Leider war der Himmel recht bedeckt, so dass wir die Farbe des Meeres nur erahnen konnten. Die Farne sind riesig und sehen aus wie überdimensionale Sonnen- oder Regenschirme.
Der Regenwald ist die Heimat von vielen seltenen Tierarten, wie zum Beispiel dem Baumkänguru und dem Cassowary (Helmkasuar), einem großen Laufvogel, der bis zu zwei Meter groß werden kann.
Auf dem Weg standen jede Menge Warnschilder an der Straße, doch leider haben sich die seltenen Vögel nicht blicken lassen. Auch die Kängurus haben sich versteckt, aber die werden uns ja voraussichtlich noch das ein oder andere Mal über den Weg hoppeln.
Heute (Montag) ist bei uns mal weder Packen und Zusammensuchen angesagt. Das ist schon faszinierend, wie schnell man sich an so viel mehr Platz gewöhnt und diesen in Nullkommanix vollmüllt und in Beschlag nimmt.
Morgen ist damit wieder Schluss und wir beziehen unser mobiles Heim für die nächsten vier Wochen.
Eine kleine Auszeit vom Packen haben wir uns aber noch genommen und sind in den Kuranda Nationalpark in die Atherton Tablelands gefahren. Das ist gleich um die Ecke und eine willkommene Ablenkung. Auch dieser Nationalpark ist mitten im Regenwald. Hier begegneten uns wieder viele asiatische Reisegruppen. Vor allem der Wildlife-Park wimmelte nur so von Busladungen voll mit Touristen. Auf den Besuch haben wir allerdings verzichtet als wir herausgefunden haben, dass es dort ein Fotozimmer gibt, in dem man sich als Massenabfertigung mit lebenden Koalas und Krokodilen fotografieren lassen kann. Geht ja gar nicht. Die armen Tiere, fanden auch die Kinder und nach anfänglicher Enttäuschung keine Koalas und Känguruhs aus nächster Nähe zu sehen, unterstützten sie unsere Entscheidung.
Dafür haben wir einen kleinen Spaziergang durch den Wald zu den Barron Falls gemacht. Einem auch in der Trockenzeit sehr beeindruckendem Naturschauspiel. Die meisten Touristen fahren mit einem Zug oder einer Gondel die Berge hoch. Dafür gibt es sogar den speziellen Service, dass bei extremer Trockenheit ein Schleusentor während des Vorbeifahrens geöffnet wird damit genug Wasser die Fälle für das perfekte Foto herunter rauscht. Verrückter Kram. Und alles nur für den schnöden Mammon.
Uns hat das was da an Wasser herunterkam völlig gereicht um glücklich zu sein.
Leider hat Christians Kamera seit ein paar Tagen ein Eigenleben entwickelt und ihren Dienst eingeschränkt zur Verfügung gestellt. Der Auslöser reagiert manchmal nicht und auch der Autofocus arbeitet mal und mal nicht. Da war die Laune etwas im Keller und Pollie fand den schönen Vergleich: „Papa ohne Kamera ist wie eine Hexe ohne Besen.“
Das sorgte für viel Gelächter. Aber es stimmt schon. Ohne die schöne Foto-dokumentation, die Christian hier macht, würden die Momente und Orte schnell verschwimmen.
In Kuranda selbst wollten wir noch mal schnell einen Kaffee trinken bevor wir die Serpentinen wieder herunterfahren wollten. Aber Fehlanzeige. Alle Geschäfte machten um 15:40 Uhr zu. Es war wie eine Geisterstadt. Alle Cafés, Restaurants, Boutiquen, Souvenir-Shops waren geschlossen. Ratlos schauten wir uns um. Des Rätsels Lösung offenbarte sich uns etwas später in einem, oh Wunder gerade noch geöffnetem Klamottenladen. Der letzte Zug mit den Touristen verlässt Kuranda um 15:30 Uhr. Dann schließen auch die Läden, weil dann einfach kein Mensch mehr auf der Straße ist.
Außer uns. Deshalb wurden wir auch von einem Australier angesprochen, der uns warnte uns nicht einschließen zu lassen. Er meinte, dass die Geschäftszeiten von 10-15:30 sind. Vorher und nachher ist die Stadt ausgestorben. Verrückt.
Ich werde jetzt noch mal die Reste packen, eine Maschine Wäsche waschen und die Ruhe genießen, denn der Rest der Sippe ist grade noch mal am Strand um zu Baden. Auch mal schön.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Vielen Dank für eure lieben Kommentare und Nachrichten. Wir haben auch die erhalten und gefunden, die verloren geglaubt waren und irgendwo im Universum schollen geglaubt wurden. (Ich habe nach langem Suchen den Spamordner entdeckt.) Wir freuen uns, dass ihr mit uns reist und an uns denkt.
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Ja