Ganz schön nass
Toronto und Niagara Falls
Am Samstag war es so weit – wir mussten uns von unserem temporären Zuhause verabschieden. Auf dem Weg vom Campingplatz zur Abgabestation sind wir noch am Flughafen vorbei gefahren, um unseren Mietwagen abzuholen. Das heißt, ich bin schnell herausgesprungen, habe vorher noch schnell meinen Führerschein und Pass geschnappt und bin zur Mietwagenstation gelaufen. Christian hat derweil um die Ecke auf einen Parkplatz geparkt. Ich war schnell an der Reihe und habe meine Papiere vorgelegt, um dann von dem netten Menschen hinter dem Tresen darauf hingewiesen zu werden, dass er meinen Führerschein bitte benötigt. Etwas verdattert entgegnete ich, dass das er doch da liegen würde. Tja, falsch gedacht, mal wieder ein Fall von „ Mit Brille wäre das nicht passiert“. Ich hatte anstelle des Führerscheins meinen Perso gegriffen.
Kurzerhand dreht Christian noch eine Runde und ich konnte dann das Auto abholen und in Kolonne zur Camperabgabestation fahren.
Dort waren wir fix mit den Formalitäten und der Abgabe durch und konnten endlich in unserer Unterkunft nach Toronto fahren. Wir hatten nur 395km mehr als gebucht verfahren, so dass wir nur wenig nachzahlen mussten. Den kaputten Teller haben sie nur lächelnd zur Kenntnis genommen: „Das ist normal“
Auf dem Weg zur Unterkunft, haben wir ganz schön gestaunt. So viele Hochhäuser und so viele Baustellen mit noch mehr Hochhäusern. Vor allem die Kinder haben Bauklötze gestaunt. So etwas hatten sie bisher noch nicht gesehen. Pollie echauffierte sich sehr darüber und konnte nicht verstehen, warum denn noch mehr gebaut würde, wo es doch schon so viele Häuser geben würden. Gute Frage.
In unserem Airbnb mit shared Kitchen angekommen, haben wir uns erst einmal eine Runde hingelegt und geschlafen. Das frühe Aufstehen, Putzen und durch die große Stadt fahren, hat uns doch etwas geplättet. Unsere Unterkunft war in der Nähe von Toronto Downtown und direkt neben dem Campusgelände gelegen. Also mittendrin. Kostenlose Parkplätze waren Fehlanzeige und so mussten wir wohl oder übel einen Parkplatz bezahlen. Parkplatzgebühren starten in Toronto ab 4 CAN$/30min, aber enden zum Glück bei 20 CAN$/Tag.
Wir haben alles zu Fuß erkundet und waren schnell im Jarvis-Viertel und konnten, auf Wunsch der Kinder, den nächsten Spielplatz ansteuern. Abends sind wir noch etwas durch Downtown gelaufen und waren Abendessen. Wow, was für eine große Stadt. So viel Bling Bling, so viele Lichter und soooo viele Menschen.
Später waren wir ganz glücklich, wieder in unserem Zimmer zu sein. Es war ein Zimmer im Dachgeschoss eines alten Townhouses und verfügte über 2 große Betten, ein Badezimmer und einer Dachterrasse. So viel Platz waren wir gar nicht mehr gewohnt und haben es total genossen, uns auszubreiten und ausreichend in richtigen Betten zu schlafen.
Am Sonntag hatten wir eine Tour zu den Niagara-Fällen geplant und vorab eine Bootstour gebucht, so dass wir zeitig losgefahren sind. Nach 1,5 Stunden Fahrzeit haben wir Niagara City erreicht und waren ganz erschlagen über das ganze Drumherum. Casino, Wasserpark, Rainforest-Cafè, Karussels, Geisterbahnen und Riesenrad. Es gab nichts, was es nicht gab. Im Prinzip ein kleines Las Vegas. Wieder viel Bling Bling und Tralala.
Die Tour auf dem Boot zu den Horseshoe-Falls, wie die Niagarafälle auf der Kanadischen Seite heißen, war wider Erwartens großartig und richtig beeindruckend. Trotz der Massenabfertigung und der lustigen roten Plastikcapes, die jeder vor der Tour bekommen hat, haben wir das Naturspektakel voll und ganz genossen. Der Wettervorhersage zum Trotz zeigte sich sogar die Sonne und wir hatten Königswetter auf dem Wasser. Da die wunderschönen roten Capes, trotz Ankündigung, nicht recycled wurden, haben wir sie kurzerhand eingepackt und bewahren sie für regnerische Tage auf. Unsere Art von Recycling. Das ganze Weggewerfe und der Einwegmüll machen mich hier völlig fertig. Dem zu Entkommen oder es zu Umgehen ist nicht immer einfach. Trotz unserer Gemüsenetze, Wachstücher und Stoffbeutel.
Glücklich und zufrieden sind wir zurück nach Toronto gefahren, haben das Auto geparkt und sind wieder auf einem Spielplatz gegangen. Wenn wir so weitermachen, können wir einen Reiseführer über die Spielplätze der Welt schreiben. Wir haben ja jetzt auf dem Weg schon so einige gesehen und bespielt. Und weitere werden wohl noch kommen.
Abends haben wir noch mal Downtown unsicher gemacht und waren für Pollie shoppen. Ihre einzige Jeans hat den Weg des Zeitlichen gesegnet und bestand aus mehr Löchern, als wir hätten nähen können. Da es Abends nun langsam empfindlich kühl wird, musste unbedingt Ersatz her. Nach dieser Anstrengung mussten wir uns dringend stärken und sind in ein middle-east-Restaurant gegangen und haben leckere Salate, Falaffel und Köfte gegessen. Anschließend ging es durch das Bling Bling wieder zurück.
Auf dem Weg zurück gab es einen großen Menschenauflauf mit vielen Kameras, Blitzlichtgewitter und Gekreische. Auf dem Campus der Uni lief das Toronto Filmfestival und wir ignoranten Filmmuffel hatten keinen blauen Dunst, wegen wem die Damen da so wild kreischten und wen sie bedrängten, um Autogramme zu ergattern und Selfies zu machen. Das werden wir wohl nun auch nicht mehr erfahren. Aber es hing auf jeden Fall ein Hauch von Glamour in der Luft.
Danach kam nur noch ‚the same procedure as everytime’: Einpacken und Taschen wiegen. Zum Glück hat es auch diesmal wieder mit den Kilos hingehauen. Drei Taschen á 22 kg, 23 kg und 23 kg.
[ngg src=“galleries“ ids=“14″ display=“basic_thumbnail“]