Leichtes Gepäck
30.8.-7.9.2019
Was braucht man so für ein Jahr? Mit dieser Frage habe ich mich recht lange beschäftigt und intensiv an unseren Packlisten herumgebastelt.
Was wir bisher wirklich gut in Gebrauch hatten, waren: Espressokanne, Sparschäler, Milchaufschäumer, Klemmen, Bienenwachstücher, Mückenspray, die emiko-Waschkugel, Geschirrhandtücher, Regenjacken, Kamera, Mützen und Caps, Sonnenbrillen und Strandtücher.
Und was brauchen die Kinder wirklich von dem, was sie eingepackt haben? (Und das ist so Einiges.) Ihre Kuscheltiere, Lieblingsdecke- und kissen. Ansonsten spielen sie, wenn es sich anbietet, draußen am Strand oder See mit Sand und Steinen. Im Wald reichen ihnen Stöcker oder die Beobachtung von Vögeln, Faltern oder Eichhörnchen. Da ist weniger mehr. Ihre IPods, Bücher und Malsachen sind verschwindend wenig in Gebrauch. Die Tagesberichte werden regelmäßig geschrieben und auch in den Schulheften wird ab und zu, und dann aber mit Spaß, gearbeitet.
Ach ja, die Karten sind auch viel im Einsatz, da wir fast jeden Tag Canasta spielen.
Klamottentechnisch greifen wir auch mehr oder weniger auf die gleichen Kleidungstücke zurück, vor allem ist hier Zwiebellook angesagt, da das Wetter oft wechselhaft ist.
Unseren Besuch in Quebec-City haben wir verhältnismäßig früh gestartet, da wir mit der Fähre von Levis (da war unser Campingplatz) nach Quebec-Downtown fahren wollten. Morgens war es noch recht frisch und windig und so starteten wir mit warmen Jacken, Mützen und Schal. Der Blick vom Wasser aus auf die Altstadt war sehr schön. Viele alte ursprüngliche Häuser und dazu noch das Schloss, die Zitadelle und die Oberstadt. Wir haben die Stadt zu Fuß erkundet und uns durch die Menschenmassen geschlängelt und, zum Teil, gedrängelt. Vier Stunden, 345 Treppenstufen und 9 Kilometer später haben wir die Unterstadt, die Oberstadt und die Zitadelle erwandert und die vielfältige Aussicht genossen. Wieder in der Unterstadt angekommen, habe ich beim Mittagessen festgestellt, dass mein Schal weg war. Mein absoluter Lieblingsschal, der mich schon viele Jahre begleitet und der ein Geschenk einer lieben Freundin war.
Wir haben uns unterwegs immer wieder an- und ausgezogen, da die Sonne immer wieder herauskam und sich wieder versteckte und Mütze und Jacke dann zu warm waren. Da muss ich ihn irgendwo liegenlassen haben. Also bin ich kurzerhand den ganzen Weg zu Fuß zurück gelaufen, habe mich durch die Menschenmenge geschlängelt und ihn tatsächlich wiedergefunden. Er lag noch auf den Steinen, auf denen wir Pause gemacht haben. Glücklich und beseelt und gar nicht mehr genervt von den Leuten, die in 3er-Reihen auf dem Troittoir nebeneinander liefen, ohne einen Deut zur Seite zu gehen.
Gegen 16:30 Uhr sind wir endlich wieder beim RV (Ich habe endlich erfahren wofür das RV steht: Recreation Vehicle) angekommen.
Unser auserkorener Campingplatz für diese Nacht auf dem Weg war leider komplett besetzt und so mussten wir auf den Nächsten ausweichen. Dort habe ich vorsichtshalber von unterwegs angerufen, um sicherzugehen, dass wir noch einen Platz bekommen. Leider sprach dort keiner Englisch, so dass ich mich mit meinem Französisch durch die Gegend stotterte und den letzten Platz reservierte. Endlich angekommen, waren wir total entsetzt. Der Platz war riesig und spießig. Unser Stellplatz bestand fast nur aus Erde, parkenden Autos und unser Campingtisch war weg.
Nebenan wurde eine große Geburtstagsparty gefeiert. Die Leute parkten daher bei uns und hatten sich den Tisch geholt. Toll. Es machte aber auch keiner Anstalten, die Autos wegzufahren. Gegen 20 Uhr, wurde uns der Tisch zurückgebracht. Leider war es dann schon zu dunkel, um draußen zu essen und wir hatten unser Abendbrot schon beendet.
Die Party ging noch bis ca 1:30 Uhr und wir waren am nächsten Tag froh, als wir weitergefahren sind.
Auf dem Weg nach Montreal haben wir einen Stopp bei einem Bio-Bauernhof gemacht und erst einmal frisches, leckeres Obst- und Gemüse, Brot, Butter und Käse gekauft. Bio-Produkte gibt es leider nicht überall zu kaufen. Ab und zu gibt es eine kleine Auswahl in den Supermärkten, aber reine Bio-Läden gibt es nur selten.
Kurz hinter Montreal haben wir einen Campingplatz gefunden, der noch einen Platz für uns frei hatte. Auf dem Platz erfuhren wir, warum es überall so voll war: Es war das letzte Wochenende der Ferien und zudem noch ein langes.
Der schöne kleine ruhige Platz in Saint-Phillippe war optimal für uns und voller netter Menschen. Bei Sonnenschein und 22 Grad konnten die Kinder im Pool plantschen und auf dem Spielplatz turnen und klettern.
Das einzige Geräusch das wir beim Einschlafen hörten, war das Zirpen der Grillen. Ansonsten herrschte hier absolute Ruhe. Herrlich.
Allerdings währte die Ruhe nicht lange. Nachts wurden wir durch den angekündigten Starkregen geweckt, der auf unsere Blechbüchse prasselte.
Es goss immer noch wie aus Eimern, als wir Montreal erreichten und endlich einen Parkplatz gefunden haben. Trotz Regenjacken waren wir innerhalb kürzester Zeit völlig durchnässt und wir haben uns in einem Café mit leckerem Kaffee, heißer Schoki und Crepes aufgewärmt und gestärkt.
Obwohl sich am späten Nachmittag die Sonne zeigte, haben wir aufgegeben und uns gegen 17 Uhr auf den Weg nach Kingston gemacht. Die Fahrt dorthin dauerte noch knappe 3 Stunden. Der einzige Campingplatz mit Late-Night-Check-in war ein KOA-Campground. Eine KOA ist eine Kette von Campgrounds, die recht hochpreisig sind und die wir bisher gemieden haben.
Als ich morgens zum Bezahlen gegangen bin, habe ich dann auch bei der Endsumme leichte Schnappatmung bekommen. Obwohl wir noch einen Discount von 10% bekommen, durften wir 90 Dollar bezahlen. Oha.
Für den späten Vormittag haben wir eine Bootstour durch die Thousand Islands (Dort wurde das gleichnamige Dressing erfunden) gemacht.
Wir hatten Glück mit dem Wetter und bei Sonnenschein und einer leichten Brise schipperten wir munter zwischen den Inseln auf dem Sankt-Lorenz-Strom an der Grenze zwischen der USA und Kanada umher. Die Thousand Islands bestehen aus insgesamt 1684 Inseln. Und viele davon sind bebaut und bewohnt, egal wie gross. Da ist alles möglich von mini bis mega. Von der Holzhütte bis zum Schloss.
Von der Fahrerei der letzten Tage recht kaputt und genervt, haben sich die Kinder gewünscht mal wieder 2 Nächte an einem Ort zu bleiben. Verständlich. Dazu haben wir uns einen netten Provincial Parc direkt am Lake Ontario ausgesucht. Wir hatten einen Platz mit Seeblick und konnten einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang genießen. Wir hatten auch das Glück genau zu der Zeit dort zu sein, wenn die Monarch-Schmetterlinge schlüpfen und ihre ersten Flugversuche machen. Über all flogen diese wunderbar orange leuchtenden Schmetterlinge herum. Eine wahre Farbenpracht.
Morgens auf dem Weg zum Waschhaus konnte man kleine Streifenhörnchen über den Weg huschen sehen und natürlich waren auch eine Menge Vögel, Eichhörnchen und die obligatorischen Mücken am Start. Pollie schwört, dass sie ein Stinktier gesehen hat.
In der ersten Nacht hat es wie wild gewittert. Mit Donner und Blitz und so richtig viel Regen. Tagsüber war es recht stürmisch und grau. Die Kinder haben nach unserem Besuch am Strand fleißig Hausaufgaben gemacht und Tagebuch geschrieben und abends kam dann auch tatsächlich die Sonne wieder heraus und bescherte uns einen
Der nächste Morgen überraschte uns mit viel Sonne und strahlend blauem Himmel. Wir haben bis nachmittags im Park am See abgehangen, gebadet, gedöst und entspannt und die wundervollen Schmetterlinge beobachtet.
Dann haben wir uns auf den Weg nach Toronto gemacht. In einem Vorort haben wir uns für zwei Nächte auf einem Campingplatz eingebucht, damit wir in Ruhe packen und das Wohnmobil saubermachen konnten. Schon erstaunlich, wie sehr man sich auf so engem Raum dann doch verteilen kann und wo man überall Sachen finden kann.
Trotz Highway und Eisenbahnlinie in direkter Nachbarschaft haben die Kinder tief und fest und recht lange geschlafen. Pollie meinte, dass hätte sie an zu Hause erinnert. Hm. Also ab jetzt nur noch Camping in der Stadt…? Ich glaube nicht. Wir hatten wieder viele Einblicke in Dinge, die wir nicht unbedingt öfter bräuchten. (Zum Beispiel ein Wagen voller Barbies in rosa Bademänteln.) Wir hatten aber auch eine Menge Spaß am Beobachten der Leute um uns herum und haben uns Geschichten zu den Menschen überlegt. Die Kinder schauten von ihren Betten aus stundenlang nach draußen und haben die Leute beobachtet und gesagt, dass sie Fernsehen kucken… War es ja auch – Reality TV und das hautnah.
PS: Diesmal war die Fotoauswahl sehr schwierig, daher also etwas mehr. 🙂
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