Camping mit Eichhörnchen

Camping mit Eichhörnchen

September 2, 2019 0 Von Nuroma

Als wir den Camper letztes Jahr gebucht und wir so grob die Kilometer und die Strecke festgelegt haben, sind wir davon ausgegangen, dass wir von Halifax nach Toronto locker mit unseren 2.500 gebuchten Kilometern hinkommen.

Hm, da haben wir wohl falsch gedacht. Wir mussten schon nach einigen Tagen feststellen, dass wir a) länger für Streckenabschnitte benötigen als geplant und gedacht und b) wohl ein paar mehr Kilometer benötigen als veranschlagt.

Grade am Anfang in Nova Scotia haben wir mehr Kilometer verbraucht als eingeplant, da es so schön entlang der Küste war, wir so viele zauberhafte Dinge gesehen haben und einfach ein paar Schlenker mehr machen mussten.

Theoretisch könnte man die Strecke wohl mit 2.500 km schaffen. Allerdings nur, wenn man auf den Highways und der direkten Strecke bleibt. Aber das ist ja nun so gar nicht unsers. Wir fahren gern mal querfeldein und auf Countryroads und Küstenstraßen und halten hier und dort, wo es spannend aussieht.

Auch der Punkt, dass wir oft erst recht spät loskommen, da wir meist etwas länger Anlaufzeit brauchen, um zu frühstücken, Brote für unterwegs zu schmieren und Obst und Gemüse zu schnippeln. Bis dann Abgewaschen und alles zusammengepackt ist, ist ratzfatz meist wieder eine Stunde verstrichen.

Manchmal denke ich zwischendurch, wir haben gar nicht genug gesehen von diesem schönen Land. Nicht genug Natur, nicht genug Tiere, nicht genug Wälder und Seen in dieser Zeit. Aber mal ganz ehrlich, sagt dann die andere Stimme in meinem Kopf: Geht doch auch gar nicht. Wir reisen nun mal mit Kindern und wir wollen entspannt reisen – ohne Stress und ohne mehr Zeitdruck als nötig. Und den haben wir ja ohnehin, da wir am 7.9. in Toronto bis 11 Uhr den Camper abgeben müssen.

Ach was soll’s: Wir versuchen jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt. Manche sind eben auch mal nur ok und die meisten sind gut bis großartig. Wir sind eben vier Charaktere mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen und Launen – jeden Tag eben anders. Wie ein großes Glücksspiel.

Da wir bisher jeden Tag irgendwo anders waren, haben sich die Kinder gewünscht mal einfach irgendwo länger zu bleiben, ohne jeden Tag loszumüssen und zu packen. Daher haben wir vom 26.-28.8. mal einen zweitätigen Stopp an einem Platz gemacht: im Kouchibouguac National Park. Recht haben sie ja. Wir hatten auch das Gefühl, mal einen Tag Pause zu brauchen und einfach mal anzukommen.

Bei Sonnenschein und sommerlichen 27 Grad haben wir uns Räder geliehen und sind an den nahegelegenen Strand gefahren. Dort sind die Kids noch mal ins Meer gehüpft. Ich habe mich mit dem Zusehen begnügt. Die Wassertemperaturen lagen eindeutig unter meiner Temperaturtoleranzgrenze.

Der Campingplatz war riesengroß und glücklicherweise recht leer. Auf dem ganzen Platz flitzten und jagten sich Eichhörnchen herum und schnatterten lustig miteinander auf den Bäumen. Die Vögel zwitscherten, die Grillen zirpten wie verrückt und abends haben wir Lagerfeuer gemacht und Marshmellows über dem Feuer gebraten. Der Sonnenuntergang war kitschiger als kitschig und traumhaft schön.

Am zweiten Tag haben die Kinder mehr oder weniger freiwillig Hausaufgaben gemacht, um danach auf dem Spielplatz mit anderen Kindern rumzurocken. Schön, dass sie sich hier so ohne weiteres verständigen können.

Während der Ausflüge der Kids blieb uns mal etwas Zeit zum Lesen und Dösen und abhängen – fast wie Urlaub.

Bei Regen und grauem Himmel sind wir am nächsten Tag weiter nach Campbellton gefahren, der Lachsstadt am Restibouche River. Dort sind wir bei stahlenden Sonnenschein angekommen und haben bei lauem Wetter noch einen Spaziergang gemacht und einen wunderschönen Sonnenuntergang an der Brücke erlebt. (Auch kitschig, wohlbemerkt.

Am 29.8. hatten wir einen der schönsten Tage mit einigen Aha-Erlebnissen in Sachen Natur. Wir fuhren am Riviere Matapédia in Richtung Sankt-Lorenz-Strom nach Saint Flavie. Am Fluss machten wir Halt, planschten im flachen Wasser herum, ditschten Steine, bauten mit Steinen Türme und genossen die Ruhe und Aussicht. Kurz danach überquerten wir die Grenze von New Brunswick nach Québec, gleichzeitig eine Zeitgrenze und konnten unseren Uhren eine Stunde zurück stellen.

Der Campingplatz in Saint Flavie von Capitan Hommard, den wir am Nachmittag erreichten war der Hammer. Wir standen fast direkt am Strand und bei einem Becher Wein beobachteten wir die Kinder beim Rumstromern auf den Felsen. (Ja, richtig gelesen, Becher. Es gibt im Camper nur Kaffeebecher oder Plastiktrinkbecher als Trinkgefäße.) Abends sind wir im zum Campingplatz dazugehörigen Restaurant „Capitan Hommard“ Essen gegangen. Also ein rundherum wunderschöner Tag, befanden wir einstimmig.

Wir wachten am nächsten Morgen recht früh durch den Regen auf, der munter auf unser Dach prasselte. Draußen Frühstücken war leider nicht möglich, so gab es einen schnellen Porridge und flux wir waren wieder auf der Straße zu unserem nächsten Stopp.

Riviere-du-Loup ist eine kleine Stadt mit Wasserfall an einer Flussbiegung mit hübschen Häusern und einer netten Kirche. Eigentlich so, wie viele kleine Städtchen hier. Ganz gemütlich und unaufgeregt.

Mittlerweile wird es immer schwieriger mit Englisch durchzukommen. Oft wird meine Frage: Est-ce-que vous parlez anglais? Mit „Non“ beantwortet und ich muss mich mit meinem sehr eingerosteten Französisch verständigen, das ich das letzte Mal vor ungefähr 30 Jahren in der Schule gesprochen habe. Mit einigen Ähms und Öhs und „Excusez moi pour ma francaise trés povre“ klappt es aber erstaunlich gut mit der Verständigung. Finde ich jedenfalls. Sogar telefonische Reservierungen auf Plätzen klappen. Ich vermute, dass es wohl aber eher an den sehr freundlichen und geduldigen Kanadiern liegt als an meiner Sprachgewandheit.

In Lévis, das liegt auf der anderen Flussseite von Québec, hatten wir am Freitag das Glück und haben den letzten Stellplatz ergattert. Wir hatten gar nicht auf dem Schirm, dass es nicht nur das letzte Wochenende der Ferien, sondern zudem ein langes war und die meisten Plätze zum Wochenende ausgebucht waren. Das war bisher das erste Mal, dass wir vorab angerufen und reserviert haben, denn der andere Campingplatz, auf den wir gerne wollten, hatte uns per Mail bereits abgesagt. Telefon ist dann doch immer etwas schneller und direkter.

Da wir uns mal wieder völlig mit der Zeit verschätzt hatten, haben wir unseren Besuch in Québec City auf den nächsten Tag verschoben. Stattdessen tummelten sich die Kinder noch etwas auf dem Spielplatz, während wir noch etwas an unserer Route bastelten (die sich ja doch fast täglich irgendwie noch ändert), um später zu essen und noch etwas Canasta zu spielen.

Der Plan für den nächsten Tag war: früh aufstehen, fix frühstücken und vor 10 Uhr loskommen. Mal schauen, wie das dann in der Umsetzung klappt. Es wird ja nie langweilig hier mit uns. Der ganz normale Wahnsinn eben – bloß unterwegs und noch ein klein bisschen wahnsinniger.

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